"Glückscent" wird Geschichte

Von der Leyen will Ein- und Zwei-Cent-Münzen abschaffen

Euro-Cent-Münzen
© dpa, Karlheinz Schindler

28. Januar 2020 - 16:48 Uhr

Beträge sollen gerundet werden

Für abergläubische Menschen ist es ein Grund zur Freude, wenn sie einen "Glückscent" auf dem Gehweg finden. Für die meisten von uns ist das Kleinstgeld dagegen einfach nur lästig, wenn in der Schlange beim Supermarkt wieder einmal ein Kunde eine ganze Hand voll winziger Kupferstücke durchzählt, um festzustellen, ob es seinen Einkauf passend bezahlen kann. Doch damit könnte bald Schluss sein. Einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" zufolge plant die EU-Kommission von Ursula von der Leyen, die Ein- und auch die Zwei-Cent-Münze abschaffen.

Am Mittwoch will die Kommission ihren "Vorschlag für einheitliche Rundungsregeln" offiziell vorstellen. Demnach sollen an der Kasse alle Beträge auf fünf Cent gerundet werden. Ein einzelner Liter Milch darf also weiterhin 89 Cent kosten, ein Pfund Butter 1,39 und eine Gurke 79 Cent. Am Ende des Einkaufs wird der zu zahlende Betrag von 3,07 auf 3,05 Euro abgerundet. Beträge mit einer 8 oder 9 an der zweiten Nachkommastelle werden aufgerundet.

Die meisten Cent-Münzen sind verschwunden

Italien, Finnland und Irland handhaben das teilweise bereits seit Jahren so. Umfragen zufolge vermisst die Mehrheit der Menschen dort die kleinen Münzen nicht. Auch in allen anderen Eurostaaten befürworten der Kommission zufolge die meisten Befragten die Abschaffung des lästigen Kleingelds. Tatsächlich nutzen auch die Deutschen einen Großteil der Ein- und Zwei-Cent-Stücke, die sie beim Einkaufen als Wechselgeld bekommen, gar nicht zum Bezahlen.

Ein Großteil der Kupferstücke wird nur einmal als Wechselgeld an der Kasse ausgegeben und verschwindet dann auf Nimmerwiedersehen in Jackentaschen, Sofaecken oder Spardosen der Kunden. Die Bundesbank schätzt, dass nur jede fünfte Ein-Cent und jede vierte Zwei-Cent-Münze überhaupt noch genutzt wird. Deshalb muss sie ständig gigantische Mengen davon nachprägen lassen. Allein in den Jahren von 2016 bis 2018 wurden 1,44 Milliarden deutsche Ein-Cent-Münzen und 1,35 Milliarden Zwei-Cent-Münzen hergestellt, um den Bedarf von Einzelhändlern an Wechselgeld zu decken. Dafür wurden rund 7.000 Tonnen Stahl und gut 415 Tonnen Stahl verbraucht. Für Kritiker wie den Grünenpolitiker Oliver Krischer "eine riesige Ressourcenverschwendung an wertvollen Metallen".

Angst ums Bargeld

Für den Steuerzahler sind vor allem die Ein-Cent-Münzen ein fettes Minusgeschäft. Laut Finanzministerium kostet deren Herstellung deutlich mehr als ein Cent. Die Zwei-Cent-Münze deckt demnach gerade ihre Produktionskosten.

Trotzdem stößt der aktuelle Kommissionsvorschlag nicht nur auf Zustimmung. Manche erinnern sich daran, dass die Europäische Zentralbank gerade erst das größte Barzahlungsmittel, den 500-Euro-Schein, abgeschafft hat. Dass nun die kleinsten Einheiten dran sind, kommt etwa dem CSU-Europaabgeordneten Markus Ferber verdächtig vor.

Er fürchtet, dass insgeheim die komplette Abschaffung des Bargeld vorbereitet werden könnte. "Was die Kommission unter dem harmlosen Namen 'einheitliche Rundungsregeln' plant, muss alle Alarmglocken schrillen lassen", sagte der Europaabgeordnete Markus Ferber der "Süddeutschen".  "Es darf hier keinesfalls der Einstieg in den Bargeldausstieg vorbereitet werden."