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Von der Leyen als Verteidigungsministerin: Siegen oder fliegen

Von der Leyen als Verteidigungsministerin: Siegen oder fliegen

von der Leyen
Ursula von der Leyen wird Thomas de Maizieren als Verteidigungsministerin ablösen. Chance oder Gefahr für die CDU-Frau?
REUTERS, FABRIZIO BENSCH

Ihre Vorgänger? Allesamt gescheitert

Ursula von der Leyen soll das Verteidigungsministerium führen – als erste Frau in der Geschichte der Bundesrepublik. Viele Medien feiern die Tochter des ehemaligen niedersächsischen Ministerpräsidenten Ernst Albrecht (CDU) als große Gewinnerin im neuen Kabinett, dem dritten unter Kanzlerin Angela Merkel (CDU).

Aber kann man von der Leyen wirklich als Gewinnerin bezeichnen? Ist es nicht eine kaum zu bewältigende Aufgabe, als erste Frau der Geschichte der Bundeswehr vorzustehen? Oder kalkuliert Merkel etwa ihr Scheitern ein und entledigt sich damit einer weiteren Widersacherin?

Fakt ist: Die siebenfache Mutter steht vor einer Mammutaufgabe. Von der Leyen ist zäh und durchsetzungsstark. Deshalb hat sie durchaus Chancen, sich in der Männerwelt Bundeswehr zu behaupten. Wenn sie es schafft und Ordnung in die Truppe bringt, empfiehlt sie sich für höhere Aufgaben. Das ist klar.

Aber sie hat einiges zu tun: Die Bundeswehr ist miserabel ausgestattet, immer wieder beschweren sich die Soldaten, ihre Gewehre seien nicht zielgenau, so könne man die Jungs nicht in den Kampf schicken. Dann die Skandale unter Thomas de Maiziere. Wurde gemauschelt bei der Beschaffung von Flugzeugen und Hubschraubern? Wurden wirklich Waffenhersteller bevorzugt, obwohl sie kampfuntaugliches Material lieferten?

Und: Wie werden die Generäle reagieren? Gibt es noch Ressentiments, wenn nun eine Frau die Richtung vorgibt? Oder wird sich von der Leyen auf strukturelle Veränderungen beschränken und mehr repräsentieren?

Wie steht es um die Akzeptanz in der Truppe?

Es wird spannend zu beobachten sein, wie sie ihren Job erledigt. Erinnert sei daran, dass die letzten Verteidigungsminister allesamt scheiterten: Franz-Josef Jung stolperte über das Informationsdesaster nach dem Luftschlag auf zwei Tanklastwagen in der Nähe von Kundus. Karl-Theodor zu Guttenberg inszenierte sich so gut er konnte bei seinen Besuchen der Truppe in Afghanistan, machte es sich zur Aufgabe, die Bundeswehr neu zu strukturieren. Doch nach seinem Rücktritt wegen der Plagiatsaffäre sagte sein Nachfolger de Maiziere ziemlich unverhohlen, dass er einen Scherbenhaufen übernehmen musste.

De Maiziere schließlich überstand zwar die Legislaturperiode, doch was wurde ihm nicht alles vorgeworfen? Lüge, Verheimlichung, Bevorzugung, diverse Rüstungsskandale, das Drohnen-Debakel um den sogenannten Euro-Hawk.

Es ist nicht klar, ob von der Leyen weiß, auf was sie sich einlässt. In diesem Ministerium wurden viele Minister verbrannt. Ob jetzt ausgerechnet eine Frau den Laden in Ordnung bringen kann, ist mit Spannung zu erwarten.

Dann gibt es da noch die Akzeptanzfrage in der Truppe selbst. Die deutschen Soldaten kommen mehrheitlich aus bildungsfernen Schichten. Wie wird der normale Soldat darauf reagieren, dass eine Frau an der Spitze steht?

Wie man es dreht und wendet: Von der Leyen geht mit diesem Job aufs Ganze: Siegen oder fliegen. Wenn sie sich durchsetzt, empfiehlt sie sich für höhere Weihen – sprich das Kanzleramt. Wenn nicht, kann sie sich um ihre sieben Kinder kümmern.

Analyse von Oliver Scheel