2018 M06 11 - 8:29 Uhr

Stevens schreibt wunderbare Reit-Geschichte

Noch vor sechs Wochen lag Mario Stevens auf der Intensivstation, jetzt schlug der Springreiter völlig überraschend den großen Favoriten bei den deutschen Meisterschaften ein Schnippchen - und er selbst konnte es am allerwenigsten fassen.

Stevens: "Ich kann es noch gar nicht glauben"

Nur das breite Grinsen auf dem Gesicht wies auf seinen sensationellen Sieg in Balve hin. "Ich kann es noch gar nicht glauben, dass ich deutscher Meister bin", sagte der 35-Jährige und tätschelte liebevoll den Kopf seines Goldpferdes.

Erst seit vier Wochen reitet Stevens auf Talisman de Mazure, nur sechs Wettkampfrunden insgesamt hat er bisher auf diesem Pferd bestritten - die vier Umläufe am Wochenende im Sauerland schon eingerechnet. Zudem hatte sich Stevens erst vor sechs Wochen einer Not-Operation wegen eines geplatzten Magengeschwürs unterziehen müssen. Optimale Vorbereitung sieht anders aus.

Bundestrainer Becker: "Große Überraschung"

Auch Bundestrainer Otto Becker hatte mit Stevens nicht unbedingt gerechnet. "Dass er ein erfolgreicher Reiter ist, war vorher schon klar", sagte der 59-Jährige. "Dass er aber mit einem neuen Pferd hier ganz oben steht, ist schon überraschend."

Vor dem vierten Umlauf hatte auch noch alles nach einem Favoritensieg ausgesehen. Der Borkener Marcus Ehning, Mannschafts-Olympiasieger von Sydney, lag vor dem letzten Durchgang noch fehlerfrei auf Cristy in Führung, gefolgt von den ehemaligen Team-Weltmeistern Carsten-Otto Nagel (Wedel) auf Chairman und Markus Beerbaum (Thedinghausen) auf Cool Hand Luke.

Favoriten zeigen Nerven

Bundestrainer Otto Becker (r.) gratuliert Mario Stevens zu seinem Sensations-Titel
Bundestrainer Otto Becker (r.) gratuliert Mario Stevens zu seinem Sensations-Titel.
© dpa, Friso Gentsch, frg fdt

Doch die Routiniers patzten im letzten Durchgang, Ehning gleich zweimal. Völlig entnervt gab der 44-Jährige danach auf. "Dass alle drei Fehler machen, hätte ich nicht gedacht", sagte Bundestrainer Becker: "Ich hätte schon mit einem von ihnen auf dem Treppchen gerechnet."

So triumphierte aber Stevens, der als einziger Reiter ohne Abwurf blieb und nur drei Zeitfehler kassierte, vor Guido Klatte junior (Klein Roscharden/4) auf Qinghai und Michael Kölz (Leisnig/4) auf Anpowikapi. "Das ist schon eine größere Überraschung", sagte der überglückliche Sieger.

Quelle: SID/RTL.de