Frühstart spezial

"Größte Infektionsgefahr": Zahnärzte fühlen sich von Bundesregierung im Stich gelassen

08. April 2020 - 9:41 Uhr

"Wir sind an vorderster Front!"

Zahnschmerzen machen keine Pause, auch wenn der Staat ein Kontaktverbot erlässt. Heißt: Zahnarztpraxen bleiben geöffnet - und das, obwohl hier die Gefahr, sich anzustecken besonders hoch und Schutzbekleidung Mangelware ist. "Es ist immer auch ein Risiko bei uns in der Praxis. Wir sind ja am dichtesten dran", erklärt Gerhard Gneist, Zahnarzt und Vorsitzender des Berufsverbands Initiative Unabhängiger Zahnärzte Berlin e.V., in einer neuen Folge des Frühstarts spezial zur Corona-Krise. Was er Patienten derzeit rät, sehen Sie im Video.

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Das größte Problem: fehlende Schutzkleidung gegen Coronaviren

Besonders wichtig in diesen Zeiten: Mundschutz, Kittel und Schutzbrille. Doch die sind derzeit bekanntermaßen schwer zu kriegen. "Das werfe ich der Politik vor, dass wir nicht entsprechend Masken haben, dass die Desinfektionsmittel fehlen." Schließlich lag dem Bundestag schon 2013 ein Pandemieszenario vor, in dem vor einem Engpass an Schutzkleidung gewarnt wurde. Da hätte man die Lager auffüllen müssen, so Gneist. Stattdessen müssen er, seine Zahnarztkollegen und überhaupt alle, die im Gesundheitswesen tätig sind, derzeit selber schauen, wie sie zurechtkämen.

Ob auch nur einige der zwei Millionen kürzlich in Berlin eingetroffenen Schutzmasken bei ihm und seinen Kollegen landen würden: unklar. Er selber hat gerade noch einen Tiroler Anbieter aufgetan, bei dem er völlig überteuertes Material bestellt hat.

Eine Alternative zum Vorort-Besuch? Das könnte eine Videosprechstunde sein - wie das funktioniert? Die Antwort im Video.

Krankenhausentlastungsgesetz: Zahnärzte gehen leer aus

Wie die meisten Zahnärzte öffnet er seine Praxis nur noch für Notfallpatienten, seine Mitarbeiterinnen musste er in die Kurzarbeit schicken. Weil er weiß, dass zahnmedizinische Fachangestellte mit 60 Prozent ihres Gehaltes kaum über die Runden kommen, legt er aus seiner eigenen Tasche die fehlenden 40 Prozent drauf. Aber das kann sich – jedem Klischee vom reichen Zahnarzt zum Trotz – nicht jeder leisten. "Kredite müssen bezahlt werden. Das trifft natürlich besonders hart ganz junge Praxen, die gerade erst aufgemacht haben. Die müssen einfach mit unterstützt werden", verlangt Gneist von der Bundesregierung.

Während Honorareinbußen von niedergelassenen Ärzten durch das vor zwei Wochen verabschiedetet Krankenhausentlastungsgesetz von der Bundesregierung abgefedert werden, gehen die Zahnärzte leer aus. "Was ja wirklich skandalös ist, weil wir an vorderster Front sind", sagt Gerhard Gneist.

Erfahren Sie in unserer spannenden Doku, warum Wissenschaftler schon lange vor dem Ausbruch vor dem Virus gewarnt haben. Hier geht es zur TVNOW-Doku "Stunde Null - Wettlauf mit dem Virus".

Frühstart Corona Spezial

Das komplette Interview mit Gerhard Gneist gibt es im Podcast.