Vom Gefängnis in die Ehe-Hölle: Gulnaz musste ihren Peiniger heiraten

11. April 2015 - 19:43 Uhr

"Ich wollte das Leben meiner Tochter nicht ruinieren"

Laut Gesetz sind auch in Afghanistan Mann und Frau gleich. Doch die Realität sieht ganz anders aus: Zwangsheiraten von Mädchen sind an der Tagesordnung, vergewaltigte Frauen werden als Täterinnen behandelt und von der Gesellschaft verstoßen - wie Gulnaz. Als 16-Jährige wurde sie von einem verheirateten Mann vergewaltigt und kam dafür ins Gefängnis. Auf internationalen Druck wurde sie begnadigt. Um ihre Ehre zu retten, musste sie anschließend ihren Peiniger heiraten.

Gulnaz musste ihren Peiniger heiraten
Asadullah (rechts im Bild) meint, Gulnaz solle dankbar sein, dass er sie geheiratet habe.

Schon auf den ersten Blick ist klar: In dieser Ehe durchlebt Gulnaz die Hölle. 2009 wurde sie von Asadullah vergewaltigt - dem Mann ihrer Cousine. Sie wurde schwanger und brachte ein süßes Mädchen zur Welt, sein Name bedeutet übersetzt: "Das Lächeln." Das Kind wurde im Gefängnis geboren, denn Gulnaz wurde zu zwölf Jahren Haft verurteilt - wegen außerehelichen Geschlechtsverkehrs.

2011 wurde sie auf internationalen Druck von Präsident Karsai begnadigt. Um in der afghanischen Gesellschaft wieder akzeptiert zu werden, heiratete sie ihren Peiniger. "Ich wollte das Leben meiner Tochter nicht ruinieren. Deshalb willigte ich ein, ihn zu heiraten", sagt sie CNN in einem Exklusiv-Interview. "Wir sind eine traditionelle Gesellschaft. Bevor wir einen schlechten Ruf bekommen, wollen wir lieber sterben."

Vergewaltiger verhöhnt seine Ehefrau

Nun lebt sie als Zweitfrau im Haus ihres Vergewaltigers Asadullah. Ihre Cousine ist immer noch dessen erste Frau. Mit ihr hat er fünf Kinder, mit Gulnaz mittlerweile auch noch einen Sohn, ein drittes Kind ist unterwegs. Asadullah sagt, er habe Gulnaz nicht vergewaltigt, sie hätte das übertrieben.

"Sie sitzt hier neben mir und weiß, dass es keine so große Sache war", sagt er. Mit der Heirat hätte er ihr einen Gefallen getan. "Wenn ich sie nicht geheiratet hätte, wäre sie von der Gesellschaft nicht wieder aufgenommen worden. Jetzt hat sie keine Probleme mehr", so die unfassbare Erklärung.

"Mein Leben ist ok", sagt Gulnaz. "Ich bin zufrieden mit meinem Leben, es geht weiter." Starke Worte von einer starken Frau. Doch während des gesamten Interviews gibt es keinen einzigen Augenkontakt zwischen den Eheleuten. Ihre Träume habe sie in ihrem Leben nicht verwirklichen können, sagt die heute 23-Jährige noch. Sie habe sie geopfert, damit ihre Tochter ohne Schande aufwachsen könne.