Volkswagen führt Obergrenzen ein: So viel verdienen die VW-Bosse jetzt

Matthias Müller, Vorstandsvorsitzender der Volkswagen AG, spricht am 24.02.2017 während einer Pressekonferenz im Anschluss an die Aufsichtsratssitzung im Volkswagen-Werk in Wolfsburg (Niedersachsen). Foto: Swen Pförtner/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++
Matthias Müller, Vorstandsvorsitzender der Volkswagen AG, sagte, der Vorstand stehe voll und ganz zur "Modernisierung" des Vergütungssystems und habe einer Modifikation der laufenden Verträge zugestimmt.
spf nic, dpa, Swen Pförtner

Managerbezüge massiv in der Kritik

Volkswagen reagiert auf massive Kritik an hohen Manager-Gehältern. Künftig gibt es eine Deckelung für die Vorstands-Einkommen. Hintergrund sind auch immense Kosten für den Dieselskandal.

Die wichtigsten Neuerungen im reformierten Vergütungssystem

Bei Volkswagen gilt für die Top-Manager nach dem Abgasskandal und massiver öffentlicher Kritik künftig eine Obergrenze bei den Gehältern. Der Aufsichtsrat beschloss am Freitag in Wolfsburg eine Reform des Vergütungssystems, wie VW mitteilte.

Obergrenze: Der VW-Vorstandschef darf künftig maximal zehn Millionen Euro im Jahr verdienen, für die übrigen Vorstandsmitglieder liegt die Obergrenze bei 5,5 Millionen Euro. Diese Summen könnten aber nur bei einer "herausragenden Unternehmensentwicklung" erreicht werden, erklärte VW. Das neue System gilt vom Geschäftsjahr 2017 an.

-> Rückblickend wäre die Vergütung der Top-Manager in den vergangenen Jahren deutlich gesunken, wäre das neue System bereits angewendet worden. Laut dpa wäre das Durchschnittsgehalt des Vorstandschef in den Jahren 2011 bis 2015 um 40 Prozent auf 8,4 Millionen Euro gesunken, die Gehälter der Vorstände um 28 Prozent auf 4,3 Millionen.

Grundvergütung: In das Fixgehalt fließen auch Vergütungen für die Übernahme von weiteren Ämtern im Konzern, Sachzuwendungen und andere Leistungen wie Dienstwagen ein. Im Zuge der Neuordnung steigt die Grundvergütung laut VW um bis zu 30 Prozent auf 2,125 Millionen Euro für den Vorstandsvorsitzenden und auf 1,35 Millionen für die übrigen Vorstandsmitglieder.

Variable Vergütung: Dabei handelt es sich um eine erfolgsabhängige Bezahlung - in der öffentlichen Debatte sind damit vor allem die umstrittenen "Bonuszahlungen" gemeint. Im Kern sieht die Reform vor, dass die Ziele für die variable Vergütung verschärft werden und Bonuszahlungen damit sinken. Künftig richtet sich die jahresbezogene variable Vergütung zur einen Hälfte nach dem operativen Ergebnis: Die Mindesthürde für eine Auszahlung liegt bei 9 Milliarden Euro, statt bisher 5 Milliarden. Zur anderen Hälfte richtet sich die variable Vergütung nach der operativen Umsatzrendite, einer wichtigen Kennziffer in der Bilanz - dabei gibt es eine Hürde von 4 Prozent. Werden beide Ziele verfehlt, soll es keine variable Vergütung geben.

Daneben berücksichtigt das neue System die "Transformation" der Belegschaft in neue Aufgabenfelder wie die Elektromobilität. Weiterhin gibt es zudem individuelle Ziele der einzelnen Vorstandsmitglieder.

Aktienbasierte Vergütung: Künftig gibt es eine sogenannte aktienbasierte langfristige Vergütung. Sie sieht vor, den Vorständen "virtuelle" Aktien zu gewähren - abhängig vom Gewinn je Aktie sowie von der Entwicklung des Aktienkurses.

Deshalb reformiert VW sein Vergütungssystem

ARCHIV - Christine Hohmann-Dennhardt, Vorstand Integrität und Recht, sitzt am 28.04.2016 bei der Bilanzpressekonferenz der Volkswagen AG im VW Werk in Wolfsburg (Niedersachsen). (zu dpa "VW-Vorstandsfrau Hohmann-Dennhardt verlässt Autobauer" vom 26.0
Ex-Vorstandsmitglied Christine Hohmann-Dennhardt bekam nach nur 13 Monaten im Amt eine Abfindung von rund 12 Millionen Euro.
jst gfh lof, dpa, Sebastian Gollnow

Hohe Managergehälter bei Volkswagen hatten für viel Kritik gesorgt. Der damalige Vorstandschef Martin Winterkorn kam 2011 auf ein Einkommen von rund 17,5 Millionen Euro. Dies lag vor allem an hohen Bonuszahlungen angesichts von hohen Gewinnen. Auch hohe Bonuszahlungen im vergangenen Jahr, trotz Abgasskandal, hatten Empörung ausgelöst.

Für Kritik hatte auch eine hohe Abfindung bei Volkswagen für Ex-Vorstandsmitglied Christine Hohmann-Dennhardt gesorgt. Die 66-Jährige bekam nach nur 13 Monaten im Amt eine Abfindung von rund 12 Millionen Euro.

Der weltgrößte Autohersteller Volkswagen hatte bereits 2016 angekündigt, sein Vergütungssystem für Führungskräfte ändern zu wollen. Die Initiative für eine Reform hatten das Land Niedersachsen und der Betriebsrat ergriffen, wie zu hören war. Das Land ist VW-Großaktionär und mit zwei Mitgliedern im Aufsichtsrat vertreten. Die Gewerkschaft IG Metall will nun in allen Unternehmen eine Obergrenze für Vorstandsgehälter fordern. Dies sagte IG-Metall-Chef Jörg Hofmann, Mitglied im VW-Aufsichtsrat, dem 'Spiegel'.

Anzeige:

Empfehlungen unserer Partner

Das will die Politik gegen ausufernde Managergehälter tun

ARCHIV - Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD), aufgenommen am 29.06.2016 in Berlin.  (zu dpa "Maas: Politik muss Rahmenbedingungen für Smart Home schaffen") Foto: Michael Kappeler/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++
Bundesjustizminister Heiko Maas will gegen ausufernde Managergehälter vorgehen.
mkx fdt jai sab wst, dpa, Michael Kappeler

Hohe Managergehälter hatten zuletzt auch die politische Debatte neu entfacht. Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) hatte der dpa gesagt, es sei eine Frage der Gerechtigkeit, dass die Politik gegen ausufernde Gehälter und Pensionen von Top-Managern vorgehe. Wer mehr Verantwortung trage, solle auch mehr verdienen als andere. "Aber wenn Vergütungen und Boni in Millionenhöhe gezahlt werden, obwohl Gewinne sinken oder Beschäftigte entlassen werden müssen, haben die Menschen zu Recht das Gefühl, dass dort jedes Maß verloren gegangen ist", sagte Maas.

Die SPD will den Spielraum der Unternehmen künftig einengen und den Steuerbonus bei hohen Managergehältern per Gesetz begrenzen. So soll bei Aktiengesellschaften die steuerliche Absetzbarkeit der gesamten Vergütung eines Vorstandsmitglieds auf 500.000 Euro begrenzt werden. Zudem soll der Aufsichtsrat eine "Höchstgrenze" für das Verhältnis zwischen Gesamtvergütung der einzelnen Vorstandsmitglieder und dem durchschnittlichen Einkommen eines Arbeitnehmers im Unternehmen festlegen.