Volksleiden Rückenschmerz: Rückenband schaltet den Schmerz aus

23. Oktober 2014 - 13:24 Uhr

Ziel: Löschung des Schmerzgedächtnisses

23 Millionen Deutsche haben jeden Tag Schmerzen. Wie diese gelindert werden können, ist eines der Hauptthemen auf dem Deutschen Schmerzkongress, der derzeit in Hamburg stattfindet. Eine vielversprechende Innovation ist ein Rückenband, das sich Patienten ganz einfach umbinden können und das mit Hilfe von Strom den Rücken-Schmerz stoppen kann.

Er läuft und läuft und läuft - und das ganz schmerzfrei. Noch vor wenigen Monaten wäre das für Joachim Regenbogen undenkbar gewesen. Ein Rückenwirbel machte ihm zu schaffen, er nahm starke Schmerzmittel, konnte sich kaum noch bewegen. "Ich konnte auf dem linken Bein nicht mehr stehen. Der Schmerz ging krampfhaft ins Knie herunter, ging auch nicht weg", erinnert er sich.

Nach vielen erfolglosen Therapien half ihm: Strom - Elektrostimulation in Form eines neuen Rückenbandes, unter dem sich Elektroden verbergen, die Stromimpulse an die Nervenzellen unter der Haut senden. Ziel ist, das Schmerzgedächtnis zu löschen.

Die Stromimpulse verändern die Schmerzregion

Und so funktioniert es: Hat der Patient Schmerzen, leiten kleine Nerven den Schmerzreiz vom Rücken zum Gehirn weiter. Durch die überaktiven Nerven wird der Schmerz immer stärker. Das Rückenband sendet gezielt Stromsignale an diese Nerven. Die wiederum beruhigen sich, sind nicht mehr ununterbrochen aktiv. Der Schmerz geht zurück.

Die ersten Erfahrungen sind vielversprechend, und die Ärzte hoffen, dass die Therapie mit Strom in Zukunft für viele Schmerzpatienten eine zusätzliche Alternative ohne Nebenwirkungen sein könnte. "Dass man durch die Stimulation erzielen kann, dass die Haut in diesem Bereich weniger schmerzempfindlich wird", erklärt Dr. Stefan Weber, Schmerzmediziner an der Uniklinik Bonn.

Und was genau im Gehirn passiert, untersuchen Wissenschaftler mithilfe von Schnittbildern aus dem Kopf. Die Stromimpulse verändern offensichtlich die Schmerzregion, und auch die Patienten bestätigen, dass "die Schmerzen nicht mehr spitz sind, einschießend wie ein Blitzschlag, sondern die Schmerzen eher stumpf und dumpf sind", so Dr. Tobias Weigl von der Uniklinik Bonn.

Patient Joachim Regenbogen setzt außerdem auf Fitness, denn die Ursache seines Rückenleidens beheben kann auch das Band nicht. Aber es nimmt ihm die Schmerzen und macht eine Therapie mit Sport so erst möglich.