Viva Espana! Bayern modifizieren ihr System

Pep Guardiola herzt seinen ersten spanischen Neuzugang in München, Thiago Alcantara.
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27. Dezember 2014 - 12:29 Uhr

Vor noch nicht allzu langer Zeit transportierten die Bosse des FC Bayern das Bild des "Zwei-Säulen"-Systems in die Öffentlichkeit. Auf der einen Seite die Eigengewächse des Clubs wie Bastian Schweinsteiger, Philipp Lahm, Thomas Müller & Co. Auf der anderen renommierte, gefragte Stars aus dem Ausland wie Franck Ribery oder Arjen Robben. Seitdem der spanische Trainer Pep Guardiola die Geschicke beim FCB leitet, hat sich in nur einem Jahr – ob gewollt oder auch nicht - aus dem Zwei- ein Drei-Säulen-Modell entwickelt. Denn mit Xabi Alonso ist schon Guardiolas fünfter Landsmann im Anflug auf die Säbener Straße, wo es endgültig heißt: Viva Espana!

2013 trat Guardiola nach dem historischen Triple-Jahr der Bayern seinen Dienst an. Zuvor hatte der Star-Coach fleißig Deutsch gelernt, wie er bei seiner großen Vorstellung eindrucksvoll unter Beweis stellte. Spanisch reden konnte er nach seinem Antritt höchstens mit seinen Assistenten und Javi Martinez - dem 40-Millionen-Euro teuren Mann, der unter der Regie von Jupp Heynckes verpflichtet wurde und dem FCB gleich in seiner Premieren-Saison zum erfolgreichsten Jahr der Vereinsgeschichte verholfen hatte.

Es wäre vermessen zu behaupten, dass Guardiola schon damals darüber nachgedacht hat, eine spanische Fraktion bei den Bayern zu installieren. War er doch nach eigener Aussage beim Dienstantritt begeistert vom Spielermaterial in München. Mit einer guten Altersstruktur und viel Potenzial. Ganz nach seinem Geschmack. Nur einen kleinen Wunsch, den hatte der langjährige Barcelona-Coach dann doch, als er Anfang Juli 2013 ins Büro der Bosse trat: "Thiago oder nix", gab er zu Protokoll.

Gemeint war Thiago Alcantara, Guardiolas Lieblingsschüler aus gemeinsamen Zeiten in Barcelona und eine durchaus sinnvolle Verstärkung fürs Mittelfeld. Als legitimer Nachfolger von Spielern wie Andres Iniesta und Xavi in Spaniens 'Seleccion' versprach ihm Guardiola das, was Thiago bei Barca stets fehlte: Einsatzzeit. Karl-Heinz Rummenigge und Sportvorstand Matthias Sammer vertrauten Guardiola und holten den 23-Jährigen für 25 Millionen Euro Ablöse nach München. Auch wenn er in seinem ersten Bayern-Jahr wegen Verletzungen immer wieder zurückgeworfen wurde, deutete die Nummer 6 bereits an, dass er künftig eine sinnvolle Investition sein könnte.

Das muss Juan Bernat noch unter Beweis stellen. Ein weiterer Spanier, dessen Name seit Anfang letzten Monats im FCB-Kader auftaucht. Den Münchnern war er 10 Millionen Euro wert, 1,72 Meter ist er groß, Typ Jordi Alaba und mehr als nur ein Backup für den bisherigen Stamm-Linksverteidiger David Alaba, wie Guardiola und Sammer unisono betonen. Ein Profi, den die Bayern-Scouts schon länger im Visier gehabt haben, sagen die Verantwortlichen. Durchaus möglich. Aber vor allem auch ein Mann, den Guardiola bestens aus der Primera Division kennt. Gegen den VfL Wolfsburg zeigte Bernat mit erfrischendem Offensivdrang, einer guten Ballführung und Robustheit im Zweikampf, warum er nicht mehr in Valencia, sondern beim FCB die Fußballschuhe schnürt.

Van-Gaal-Schicksal bleibt Guardiola erspart

Louis van Gaal, FC Barcelona, 1999
Ging einst mit acht Landsleuten bei Barca in die Saison: Louis van Gaal.
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Wie es der Zufall so wollte, tut er das künftig gemeinsam mit Pepe Reina, seines Zeichens Weltmeister von 2010 und langjähriger Ersatzmann von Torwart-Ikone Iker Casillas in Spaniens Nationalelf. Weil auch in München die Suche nach einer zuverlässigen und international erfahrenen Nummer 2 den Transfersommer prägte, ist Reina nun in München. Angekommen bei einem guten alten Bekannten und ehemaligen Teamkameraden in Barcelona: Pep Guardiola. Reinas Transfer erhöht auch auf der Torhüterposition die Qualität und ganz nebenbei die Zahl der spanischen Legionäre in München. 4 sind es jetzt, mit Alonso kommt noch vor Ablauf der Transferfrist der 5. dazu. Vorerst der letzte, zumindest für diesen Sommer.

Auch ein Weltmeister, auch ein großer Name im internationalen Fußball. Aber ist der mittlerweile 32 Jahre alte Sechser noch gut genug, um den Bayern-Kader weiter zu verstärken? Schon die kommenden Wochen werden es zeigen. Schließlich kommt Alonso, "weil er sofort Qualität reinbringen kann" (Sammer). Aufgrund der großen Verletzungssorgen in München keine allzu schlechte Voraussetzung.

Dass viele Landsleute im Team einem Trainer nicht unbedingt Erfolg im Ausland garantieren, zeigte das Beispiel FC Barcelona in der Saison 1999/2000 unter einem gewissen Louis van Gaal. Der 'Tulpengeneral' holte vor der Spielzeit gleich fünf Holländer in den Kader der Katalanen und ging mit acht Landsmännern in die Saison. Was für den späteren Bayern-Coach 9 Monate später mit dem Rauswurf endete. Die Verantwortlichen setzten van Gaal nach Platz 2 in der Liga und dem Halbfinal-Aus in der Champions League vor die Tür. Glaubt man Rummenigge, dann werden er und seine Vorstandskollegen niemals von sich aus ein vorzeitiges 'Adios Pep' anstimmen. Das sagte der FCB-Boss, noch ehe sich Reina und Alonso für ein 'vida bonita en Monaco' entschieden hatten.

Konstantin Betsis