Visa und Mastercard: Hacker legen Zahlungsverkehr lahm

11. Dezember 2010 - 9:17 Uhr

Wikileaks-Cyberkrieg erreicht die Verbraucher

Nach den Internet-Attacken von Wikileaks-Anhängern auf Websites von Mastercard und Visa ist ein 16-jähriger Niederländer festgenommen worden. Die Behörden verdächtigen ihn, Teil einer größeren Hacker-Gruppe zu sein. Die Zeitung 'De Volkskrant' berichtete am Donnerstag unter Berufung auf Polizeiquellen, der Teenager habe bereits gestanden. Bei ihm seien mehrere Computer und USB-Sticks beschlagnahmt worden.

Nach der Festnahme von Wikileaks-Gründer Julian Assange hatten Internet-Aktivisten in den vergangenen Tagen Websites von Unternehmen lahmgelegt, die Geschäftsbeziehungen zu der Enthüllungsplattform abgebrochen hatten. Am Mittwoch traf es die Kreditkarten-Firmen Mastercard und Visa, deren Websites zeitweise nicht erreichbar waren. Auch der Zahlungsdienstleister PayPal wurde Ziel von Angriffen. PayPal gab nach Protesten von Wikileaks-Unterstützern eingefrorene Spenden an die Organisation frei.

Durch die Angriffe auf die Kreditkartenunternehmen können viele Kunden plötzlich mit ihrer Karte nicht mehr online zahlen! Beide Firmen hatten angekündigt, keine Zahlungen an die Enthüllungsplattform mehr zuzulassen. "Kunden konnten nicht mit Mastercard zahlen, weil ein zentraler Rechner ausgeschaltet war", sagt zum Beispiel der Betreiber eines Internet-Shops für Kinderkleidung in Bayern. Der weltweite Streit um die Veröffentlichung geheimer US-Botschaften durch Wikileaks und die umstrittene Festnahme des Wikileaks-Gründers Julian Assange erreicht jetzt also auch Menschen, die mit alledem eigentlich nichts zu tun haben.

Operation 'Rache': Kein Ende in Sicht

Das Internet wird zum Schlachtfeld: Operation 'Rache' nennen Hacker ihre Angriffe auf Firmen, die sich von Wikileaks abgewendet haben. "Grundsätzlich muss man davon ausgehen, dass solche Angriffe zunehmen - als Zeichen des Protestes", so Jürgen Kuri von der Computerzeitschrift c't.

Die Hacker kündigen weitere Angriffe an. So könnte es mitten im Weihnachtsgeschäft den Onlinehänder Amazon treffen, weil er Wikileaks von seinen Servern geschmissen hat. Der Zorn der Kunden ist absehbar: Wikileaks-Chef Assange erklärte aus seiner Haft in London, er habe nichts mit den Angriffen zu tun.

Die Websites der Kreditkartengesellschaften wurden mit sogenannten DDOS-Angriffen ('Distributed Denial of Service') lahmgelegt. Dabei wird ein Web-Server mit Unmengen von Daten geflutet und dadurch blockiert. Am Mittwoch stand auch die Website der schwedischen Staatsanwaltschaft, von der der Haftbefehl gegen Assange stammt, auf diese Weise unter Beschuss. Sie blieb jedoch online. Assange war am Dienstag in London verhaftet worden. Ihm werden in Schweden sexuelle Vergehen vorgeworfen. Er bestreitet die Anschuldigungen.

Auch die Homepage der konservativen US-Politikerin Sarah Palin wurde attackiert. Wer die Adresse im Browser aufrief, bekam nur eine Fehlermeldung zu sehen. Nach Angaben eines Technikers wurde der Angriff von Angehörigen der 'Anonymous'-Bewegung ausgeführt. Dort sollen sich mehrere tausend Personen für koordinierte Hackerangriffe zusammengefunden haben.

Einen ersten Zwischenerfolg können die Netz-Aktivisten inzwischen schon feiern: Der Online-Zahlungsdienst Paypal hat das zunächst eingefrorene Konto von Wikileaks, auf dem 10.000 Euro Spendengelder liegen, wieder freigegeben.