Weiterer Virologen-Streit entbrannt

Jetzt geht es zwischen Christian Drosten und Alexander Kekulé heiß her

Ein harmloser Clinch unter Kollegen oder doch ein handfester Streit?
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28. Mai 2020 - 12:50 Uhr

Deutliche Gegenworte auf Twitter

Der Streit zwischen Virologe Christian Drosten und der Bild-Zeitung war diese Woche in aller Munde. Nun mischt sich mit Alexander Kekulé ein weiterer der deutschen Top-Virologen ein und sagt: "Warum Drosten die Studie nicht einfach zurückzieht, ist schwer nachvollziehbar". Der lässt das jedoch nicht auf sich sitzen und twittert böse zurück.

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Drosten biete "der 'Bild' eine unnötige Angriffsfläche"

Der Virologe Alexander Kekulé hat die Studie, die auch im Zentrum des Bild-Streits steht, nun ebenfalls scharf kritisiert. In der Studie haben Drosten und sein Team der Berliner Charité untersucht, ob Kinder, die an Covid-19 erkrankt sind, ähnlich ansteckend sind wie Erwachsene. Mehrere Wissenschaftler hatten zuletzt statistische und methodische Fehler moniert.

In einem Gastbeitrag für den Tagesspiegel (Donnerstagsausgabe) schließt Kekulé sich dieser Kritik an. "Drosten will nun weitere Daten auswerten und die Statistik neu berechnen. Doch das kann die aktuelle Arbeit nicht retten", schreibt Kekulé. "Warum Drosten die Studie nicht einfach zurückzieht, ist schwer nachvollziehbar." Dadurch, dass Drosten die Studie weiter verteidige, so Kekulé, biete er "der 'Bild' eine unnötige Angriffsfläche".

Wie auch der Berichterstattung durch die Bild-Zeitung wirft Christian Drosten seinem Kollegen eine "tendenziöse" Berichterstattung vor. Außerdem kenne Kekulé die Daten nicht und zitiere falsch. Seinen Tweet mit einem Link zu dessen Gastbeitrag im Tagesspiegel schließt er dann mit den Worten: "Kekulé selbst könnte man nicht kritisieren, dazu müsste er erstmal etwas publizieren."

"Wenn Wissenschaftler öffentlich aufeinander einprügeln, gewinnt am Ende die Bild"

Dafür, dass er sich von Kritikern nicht in seine wissenschaftliche Arbeit reinreden lässt, wird Christian Drosten von vielen Befürwortern gefeiert. Der Tweet hat bereits über 15.000 Likes und 1.600 Retweets - Tendenz steigend. Es gibt allerdings auch unter den Kommentaren einige Kritiker der Drosten-Studie.

Ein Twitter-Nutzer gibt zu bedenken: "Wenn jetzt die Wissenschaftler öffentlich aufeinander einprügeln, gewinnt am Ende die Bild." Dem stimmt auch Christian Drosten zu - stellt jedoch auch klar, dass Kekulé bisher der Einzige sei, der sich so verhalte. "In unserer Community spielt er keine Rolle", antwortet er. Damit zeigt Drosten deutlich, dass die bisherige Kritik an der Methodik seiner Studie kein medienwirksames aufeinander Losgepresche, sondern normale wissenschaftliche Arbeit in Bezug auf eine Vorveröffentlichung sei.

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