Ständige Impfkommission dämpft Hoffnung

Virologe: Umfassende Corona-Impfung wird bis 2022 dauern

Wenn man etwa pro Tag 100 000 Menschen impfen würde, brauche man 150 Tage, um 15 Millionen Menschen zu impfen. Schon dieses Tempo wäre nach Mertens Ansicht eine Herausforderung.
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29. Oktober 2020 - 8:00 Uhr

Auch bei schneller Entwicklung von Impfstoffen kein schnelles Ende

Wie schnell kann die Corona-Pandemie für beendet erklärt werden, wenn es schon sehr bald einen oder mehrere Impfstoffe gegen das Virus Sars-CoV-2 gibt? Der Virologe Thomas Mertens, Vorsitzender der Ständigen Impfkommission am Robert Koch-Institut, dämpft die Hoffnung auf ein schnelles Ende. Er gehe davon aus, dass eine Impfung der gesamten Bevölkerung gegen das Coronavirus auch bei schneller Entwicklung eines Impfstoffs Ende 2021 noch nicht abgeschlossen sein wird.

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100 000 Impfungen am Tag bereits eine Herausforderung

Virologe Mertens sagte den Zeitungen der Funke Mediengruppe laut dpa: "Es wird längere Zeit dauern, bis wir durch die Impfung eine spürbare Veränderung des Infektionsgeschehens sehen werden, dass wir sagen können, jetzt kann wieder Ruhe einkehren". Wenn man etwa pro Tag 100 000 Menschen impfen würde, brauche man 150 Tage, um 15 Millionen Menschen zu impfen. Schon dieses Tempo wäre nach Mertens Ansicht eine Herausforderung.

Thomas Mertens Mitte Oktober auf einer Bundespressekonferenz zur Bedeutung der Grippeschutzimpfung in Zeiten der Corona-Pandemie
Der Vorsitzende der Ständigen Impfkommission am Robert Koch-Institut, Thomas Mertens, Mitte Oktober auf einer Bundespressekonferenz zur Bedeutung der Grippeschutzimpfung in Zeiten der Corona-Pandemie
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Dokumentation der Impfungen muss gut vorbereitet werden

"Der Start der Impfungen darf nicht übereilt passieren: Es kommt nicht darauf an, vier Wochen früher oder später mit dem Impfen anzufangen", sagte der Virologe. Vor allem Transport und Lagerung, die Einrichtung der regionalen Impfzentren und die bundesweit zeitgleiche Dokumentation der Impfungen müssten gut vorbereitet werden, ebenso die Auswertung der Sicherheitsaspekte und des medizinischen Impferfolgs.

Konflikte über gerechte Verteilung und Klagen wahrscheinlich

Mertens rechnet zudem damit, dass es angesichts eines zunächst knappen Impfstoffs Konflikte über die gerechte Verteilung geben wird. "Es kann auch sein, dass einzelne, die nicht gleich zum Zuge kommen, dagegen klagen werden." Laut Bundesgesundheitsministerium sollen zunächst anfällige Gruppen geimpft werden, also Personen mit hohem Gesundheitsrisiko. Mertens kündigte an, dass die Rahmenbedingungen für die Impfstoffverteilung Anfang nächster Woche veröffentlicht werden sollen.

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