Virologe Hendrik Streeck bei stern TV zur Heinsberg-Studie

Karnevalsparty in Gangelt: So wurde die Lüftungsanlage zur Corona-Falle

04. September 2020 - 10:51 Uhr

Virologe Hendrik Streeck im Video: 44 Prozent haben sich bei Karnevals-Party infiziert

Der Kreis Heinsberg in Nordrhein-Westfalen gilt als Brennpunkt für das Coronavirus SARS-CoV-2. Nach einer Karnevalssitzung kam es dort im Februar zu einer in Deutschland frühen und massenhaften Ausbreitung des Erregers. Bei "stern TV" erklärt Virologe Hendrik Streeck am Mittwochabend, wie sich das Virus auf der Karnevalsfeier in Gangelt ausbreiten konnte – im Video.

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Streeck: Da spielen Aerosole wirklich eine Rolle

"Wir sehen einen Zusammenhang zu den Lüftungsanlagen. Wer also näher an einer Zuluft-Anlage gesessen hat, der hat sich eher infiziert als jemand, der bei der Abluft gesessen hat", so der 43-jährige Virologe. Und weiter: "In solchen Fällen, wo viele Menschen aufeinandertreffen, gemeinsam feiern und schlechte Luft herrscht, spielen Aerosole wirklich eine Rolle."

Fast 44 Prozent aller Anwesenden hätten sich auf diese Weise infiziert – etwa 300 Menschen im Publikum und weitere 150 Menschen aus Künstler- und Personalkreisen. Infolge der Sitzung am 15. Februar hatte sich die Region schnell zu einer Art Epizentrum der Covid-19-Pandemie in Deutschland entwickelt – ab dem 6. März führte das Robert-Koch-Institut den Kreis Heinsberg als "besonders betroffenes Gebiet". Laut Streeck war die Karnevalsparty das "aller erste Superspreader-Event in Deutschland. Ein Ursprung der Pandemie."

Erster Teil der Heinsberg-Studie wurde heftig kritisiert

Streeck hatte schon in der Anfangsphase der Pandemie für reichlich Zündstoff gesorgt. Um mehr Klarheit zu schaffen, hatten die Wissenschaftler in der Gemeinde Gangelt im Kreis Heinsberg die bis dato größte Studie zur Corona-Pandemie in Deutschland durchgeführt. Doch die Studie wurde heftig angegriffen: Fehlende Beschreibungen, keine Veröffentlichung in Fachmagazin, Finanzierung durch NRW-Landesregierung, Beteiligung der PR-Agentur Storymachine lauteten die Kritik-Punkte. Sogar eine Strafanzeige wegen erfundener Ergebnisse wurde gestellt. Team Lockdown vs Team Lockerungen - so könnte man das damalige Spannungsfeld bis heute zusammenfassen.

Ende Juli wurde dann bekannt, dass die Studie trotz aller Kritik weitergeführt wird.

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Streeck sieht kommenden Herbst und Winter kritisch

Streeck erwartet im kommenden Herbst und Winter eine kritische Phase der Pandemie. "Wir werden gezwungenermaßen näher aneinander sitzen", so der Virologe. Man sollte darauf achten, regelmäßig zu lüften und mit nicht zu vielen Menschen in einem Raum zu sein. Streeck rät jedoch zu Gelassenheit. Wenn sich jeder an die Regeln wie Abstand halten und Maske tragen halte, werde man die Jahreszeit gut überstehen.

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