Welche Vorteile bietet das Modell?

Virologe Streeck erklärt Ampelsystem: „Gar nicht erst auf Rot kommen“

14. Oktober 2020 - 14:53 Uhr

Ist die Inzidenz wirklich so aussagekräftig?

Im Moment richten wir unseren Blick vor allem auf die 7-Tage-Inzidenz in den einzelnen Landkreisen Deutschlands. Denn diese Zahl wird gerade mehr noch als andere herangezogen, wenn es um neue Einschränkungen geht. Gibt es in einem Kreis innerhalb von 7 Tagen mehr als 35 oder sogar mehr als 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner, werden lokale Maßnahmen eingeführt, die das Infektionsgeschehen wieder verlangsamen sollen. Doch einige Virologen fordern, die Inzidenz nicht als alleinigen Wert zurate zu ziehen. Hendrik Streeck beispielsweise spricht sich für ein Ampelsystem aus, das zusätzlich auch die Belegung von Krankenhäusern und Intensivstationen berücksichtigt, da leichte oder asymptomatische Verläufe so nicht ganz so stark gewichtet werden wie schwere Verläufe. Im Video erklärt er, welche Werte wir bei diesem System berücksichtigen sollten und welche Vorteile sich daraus ergeben.

+++ Alle aktuellen Informationen zum Coronavirus finden Sie in unserem Live-Ticker auf RTL.de +++

Je höher die Infektionszahlen, desto schwerer die Kontaktverfolgung

Die Infektionszahlen steigen derzeit nicht nur in Deutschland, sondern in ganz Europa. Unser Nachbarland Frankreich hatte beispielsweise bereits Werte von über 20.000 Neuinfektionen innerhalb von 24 Stunden. Das könne auch bei uns passieren, erklärt Virologe Streeck im RTL-Interview. "Das sollte einem jetzt erstmal nicht Angst machen, sondern wir haben in den letzten Monaten ja gesehen, dass sich die Infektionszahlen ein wenig entkoppelt haben von den wirklich schweren Fällen", so Streeck. Man müsse sich jetzt gesondert anschauen, wie viele Fälle einer medizinischen Behandlung bedürfen. "Im Moment ist das ja ein wirklich kleiner Anteil erst."

Die Belegung von stationären und intensivmedizinischen Fälle sollte daher laut Streeck in die Betrachtung mit einbezogen werden. Erst wenn die Zahlen der schweren Verläufe alarmierend würden, wären neue Einschränkungen – bis hin zum Lockdown – nötig. "Nur dann kriegen wir auch wirklich ein ganzes Bild von der Pandemie und können auch das Infektionsgeschehen besser einschätzen und längerfristig abschätzen, wie es sich weiter entwickeln wird."

Auch für Reisewarnungen und Risikoländer soll ein AMpelsystem zurate gezogen werden. Mehr dazu hier.

Was passiert, wenn das Ampelsystem auf Rot springt?

Eigentlich sollte die Corona-Ampel die Schwankungen vorher so abfangen, dass es keinen plötzlichen Sprung gibt, erklärt Streeck. Sollten wir aber dennoch mal auf die Stufe Rot des Ampelsystems kommen, "muss wirklich über härtere Maßnahmen nachgedacht werden, weil wir dann an die Grenze unseres Gesundheitssystems kommen". Höchstes Ziel sei es, zu jeder Zeit gewährleisten zu können, dass jeder Mensch die bestmögliche Versorgung bekäme. 

"Die Schwelle Rot ist eine Schwelle, wo wir eigentlich gar nicht hinkommen wollen, weil wir dann auch in privaten Haushalten Beschränkungen haben müssten und wir dann sogar auch über einen Lockdown nachdenken müssten."

Weitere Videos zum Thema Coronavirus finden Sie hier