Weitere Erkenntnisse aus Heinsberg-Studie

Virologe Hendrik Streeck: Weniger Viren führen zu milderen Symptomen

Hendrik Streeck zu Gast bei "Stern TV"
Hendrik Streeck zu Gast bei "Stern TV"
© Stern TV

08. Mai 2020 - 10:40 Uhr

Streeck: Überraschende Beobachtung bei Untersuchungen in Heinsberg

Um erste Erkenntnisse über die Eigenschaften des neuartigen Coronavirus zu gewinnen, untersuchten Prof. Dr. Hendrik Streeck und sein Bonner Forscherteam insgesamt 919 Menschen aus 405 Haushalten in der schwer betroffenen Gemeinde Gangelt im Landkreis Heinsberg. Bei "Stern TV" erzählte der Virologe am Mittwochabend, dass eine Beobachtung ihn bei seinen Untersuchungen besonders überrascht hat: Der Verlauf der Krankheit scheint davon abzuhängen, wie vielen Viren man zu Beginn der Infektion ausgesetzt wird.

Coronavirus: Wie viele Menschen sind tatsächlich infiziert?

Die endgültigen Ergebnisse der sogenannten Heinsberg Studie liegen seit dieser Woche vor. Diese liefern vor allem eine erste Einschätzung, wie hoch die Zahl der tatsächlich Infizierten – im Gegensatz zur Zahl der gemeldeten Infizierten – sein könnte: Laut der Hochrechnung der Bonner Wissenschaftler könnte sich diese Zahl in Deutschland auf rund 1,8 Millionen belaufen. Was das über Todesrate des Coronavirus aussagt und welche spannenden Ergebnisse die Studie außerdem liefert, haben wir hier zusammengefasst.

Weniger Viren = weniger Symptome

Eine Beobachtung, die Streeck laut eigener Aussage am meisten überrascht hat: 22 Prozent der Infizierten hatten so milde (oder sogar gar keine) Symptome, dass sie selbst nichts von der Infektion mitbekamen.

"Wir haben einen ganz interessanten Zusammenhang damit festgestellt", erzählt Streeck im Gespräch mit Stern TV-Moderator Steffen Hallaschka, "nämlich, dass viele, die schwere Symptomatiken hatten, sich auf der Karnevalssitzung in Gangelt angesteckt hatten." Menschen mit milden Krankheitsverläufen schienen sich hingegen erst im Nachgang angesteckt zu haben und seien deshalb vermutlich einer geringeren Virendosis ausgesetzt gewesen.

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Auch andere Viren zeigen: Die Dosis bestimmt den Verlauf

Auch bei anderen Grippeviren habe die Wissenschaft bereits ein solches Infektionsmuster beobachtet: "Es gibt in der Virologie diesen Zusammenhang von der 'Virendosis', also wenn man am Anfang viele Viren aufnimmt, dass man dann auch schwerere Symptomatiken hat." Allerdings, betont Streeck, im Fall des neuen Coronavirus handle es sich bei dieser Beobachtung bisher nur um eine Spekulation. Beweise dafür, dass eine geringe Virusmenge zu Beginn einer SARS-CoV-2-Infektion zu milden Symptomen führe, gebe es bislang noch nicht.

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