Nach Japans Vorbild

Drosten verrät seine Anti-Lockdown-Strategie

Virologe Christian Drosten hat eine Strategie gegen einen erneuten Lockdown.
© dpa, Christophe Gateau, cgt jai fdt

06. August 2020 - 11:31 Uhr

Lieber auf Infektionsgruppen konzentrieren

Christian Drosten ist aus der Sommerpause zurück und meldet sich nun mit einem Vorschlag, wie Deutschland einen zweiten Lockdown verhindern könnte. Statt sich auf einzelne Corona-Fälle zu konzentrieren, schlägt der Virologe vor, sich ganzen Infektionsgruppen zu widmen.

Drosten will Gesundheitsämter entlasten

"Waren bisher die meisten Infektionsketten nachvollziehbar, können neue Fälle bald überall gleichzeitig auftreten", schreibt Drosten in einem Beitrag für die "Zeit". Dies könnte alle Landkreise und Altersgruppen betreffen. "Dann sind die personell schlecht ausgestatteten Gesundheitsämter endgültig damit überfordert, die Quarantäne jeder einzelnen Kontaktperson zu regeln."

Bürger sollen Kontakt-Tagebuch führen

Drosten verweist auf Japan. "Statt viel und ungezielt zu testen, hat Japan früh darauf gesetzt, Übertragungscluster zu unterbinden." Dazu habe das Land offizielle Listen von "typischen sozialen Situationen" erstellt, in denen solche Übertragungscluster entstünden. Diese Listen waren dann öffentlich einsehbar. Offenbar ein Erfolg: "Japan gelang es, die erste Welle trotz einer erheblichen Zahl importierter Infektionen ohne einen Lockdown zu beherrschen", schreibt Drosten. Er regt an, dass jeder Bürger im Winter ein Kontakt-Tagebuch führen sollte. So lasse sich zurückverfolgen, ob ein Superspreader seine Fußballmannschaft, die Kollegen im Großraumbüro oder die Mitschüler im Volkshochschulkurs angesteckt habe. Für derartige Cluster könne dann eine Quarantäne verhängt werden. "Die japanische Strategie könnte helfen, die Schulen länger offenzuhalten", schreibt Drosten, "indem Cluster in Klassen gestoppt werden, bevor ganze Schulen geschlossen werden müssen."