Praxistipps vom Berliner Experten

Virologe Christian Drosten rät: Das sollten Sie im Alltag beachten

Christian Drosten, Direktor am Institut für Virologie der Charite Berlin: "Wir müssen uns nicht einschließen".
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17. März 2020 - 10:34 Uhr

"Wir müssen uns nicht zu Hause einschließen"

Kitas und Schulen schließen, Veranstaltungen werden abgesagt und immer mehr Menschen arbeiten im Home-Office: Mit dem Einzug des Coronavirus nach Deutschland hat sich unser Alltag bereits drastisch verändert. Die Maßnahmen erscheinen dem einen oder anderen bestimmt sehr radikal - Experten allerdings sehen die aktuelle Strategie sehr positiv: "Ich finde es gut, auf welchen Kurs Deutschland einschwenkt", sagt Christian Drosten, Chef-Virologe der Berliner Charité in seinem Podcast zum Coronavirus. 

Menschen müssten sich zwar jetzt seiner Ansicht nach nicht komplett zu Hause einschließen, doch solle sich jeder zur Zeit einen Restaurantbesuch gut überlegen.

Infektions- und Verbreitungsrisiko eindämmen

"Wir haben in Deutschland noch nicht so eine Infektionsdichte, dass man hinter jeder Ecke einen Infizierten vermuten muss", erklärt der Mediziner. Bei Menschen, die momentan Symptome hätten, sei derzeit immer noch wahrscheinlicher, dass eine Grippe oder eine normale Erkältungskrankheit dahinterstecke. Mit einigen Vorkehrungen könne man das Infektions- und Verbreitungsrisiko jedoch eindämmen. 

Wie Sie erkennen, ob Sie Grippe oder Corona haben, sagen wir Ihnen hier.

Virologe empfiehlt: Nur Bier aus der Flasche!

Dennoch solle man sich überlegen, ob man sich mit Freunden in der Kneipe trifft oder doch lieber zu Hause, so der Virologe. Damit wolle er allerdings nicht sagen, dass man aufhören solle, sich mit Freunden zu treffen. Man solle sich jedoch bewusst sein, dass man in einer Gaststätte mit mehreren hundert Menschen in Berührung komme. Wer dennoch weder auf seinen Kneipen- oder Restaurantbesuch noch auf sein Feierabendbier nicht verzichten will, für den hat Christian Drosten einen praktischen Tipp:

"Wenn ich in eine Kneipe gehe, bestelle ich immer Bier aus der Flasche, seit vielen Jahren. Denn die Biergläser werden - das wissen wir alle - mal durchs Wasser gezogen, aber wie viel Spülmittel da noch drin ist, das möchte man gar nicht so genau hinterfragen. Über diesen Weg wird mit Sicherheit das Virus übertragen."

Keine Hamsterkäufe!

Außerdem rät der Virologe davon ab, Hamsterkäufe zu machen. "Es ist kompletter Unsinn, sich mit irgendetwas einzudecken, das nicht verderblich ist. Die Lager sind voll. Und es gibt überhaupt keinen Bann auf Lebensmittellieferungen."  Einkaufen wäre auch weiterhin möglich und besser, als sich Lebensmittel liefern zu lassen und damit durch die großen LKWs die Straßen zu verstopfen. 

Welche Lebensmittel, Drogerie-Produkte & Medikamente Sie immer zuhause haben sollten , erfahren Sie hier. 

Drosten rät, raus ins Freie zu gehen

Und noch einen gut umsetzbaren Praxistipp hat Drosten auf Lager: Raus ins Freie und spazierengehen!  "Dieses Virus ist kein Virus, das mit Fließschnupfenerkrankungen einhergeht. Es sitzt eher im Hals und wird in der späteren Phase ausgehustet. Dagegen hilft am besten der Aufenthalt im Freien.", erklärt der Virologe. Denn diese Coronaviren seien nur für eine ganz kurze Zeit - ein paar Minuten - in der Luft und fielen dann zu Boden. 

​Also: Ab ins Freie und die ersten Frühlingsstrahlen genießen. Das hebt die Stimmung und ist gut für Körper UND Seele.