Grüne Hausnummern für umweltbewusste Bewohner

"Wenn ich von der Natur etwas mitnehme, muss ich auch etwas zurückgeben"

10. Dezember 2019 - 15:14 Uhr

Streit um grüne Hausnummern in Bayern: Ansporn zu mehr Nachhaltigkeit?

Tolle Idee oder elitärer Unfug? An einem Vorhaben des Stadtrats von Vilshofen in Bayern scheiden sich die Geister: Ab dem 1. Januar 2020 soll es dort für besonders umweltfreundliche Haushalte sogenannte "grüne Hausnummern" geben. Als Belohnung für nachhaltiges Wohnen – und für alle anderen als Ansporn zum Umdenken. Aber es gibt auch Kritik: Die Schilder könnten dazu führen, dass Menschen ohne grüne Hausnummer als "Klima-Sünder" ausgegrenzt würden, befürchten CSU und FDP. Wie es sich mit einer grünen Hausnummer lebt, sehen Sie im Video.

Markus Jakob lebt umweltbewusst: "Wir müssen Verantwortung übernehmen für unser Klima"

In seinen naturnahen Garten hat Markus Jakob unter anderem ein Insektenhotel gestellt.
In seinen naturnahen Garten hat Markus Jakob unter anderem ein Insektenhotel gestellt.
© RTL

Es ist ein ziemlich exklusiver Kreis, zu dem sich Markus Jakob aus Oppenheim zählen darf. Dem 46-Jährigen ist vor Kurzem ganz offiziell ein umweltfreundlicher Lebensstil bescheinigt worden – mit einer grünen Hausnummer.

Diese Sonder-Plaketten vergibt der Landkreis Mainz-Bingen nämlich schon jetzt an besonders nachhaltige Bürger. Auch in anderen Städten und Kommunen gibt es die grünen Hausnummern schon, teilweise sogar seit Jahren. In Oppenheim sind bislang zwar nur an eine Handvoll Haushalte offiziell "grün" – aber Markus Jakob hofft, dass es schon bald mehr werden.

Das Konzept: Wer umweltbewusst lebt und aufs Klima achtet, soll mit einer grünen Plakette an der Hauswand belohnt werden. Nicht groß und nicht pompös – einfach ein kleiner Anreiz, das eigene Verhalten zu überdenken. Eine gute Idee, findet Markus Jakob: "Als Erwachsene müssen wir ein bisschen Verantwortung übernehmen für unser Klima. Da ist es gut, wenn man Zuhause anfängt und vielleicht ein bisschen Werbung für das Thema macht."

Weniger Plastik, geringerer Wasserverbrauch: Maßnahmen-Katalog zum Schutz der Umwelt

Dutzende Kriterien fragt der Katalog ab. Wer eine grüne Hausnummer bekommen will, muss mindestens 150 Punkte erreichen.
Dutzende Kriterien fragt der Katalog ab. Wer eine grüne Hausnummer bekommen will, muss mindestens 150 Punkte erreichen.
© RTL

Das Schildchen gibt's natürlich nicht einfach so. Wer eine grüne Hausnummer will, muss nachweisen können, dass er auch tatsächlich umweltbewusst lebt. Ein Katalog listet Dutzende Kriterien auf – zum Beispiel, ob eine Familie ein E-Auto fährt, ob sie eine Solaranlage auf dem Dach hat oder ob sie vorzugsweise Bio-Lebensmittel kauft.

Wird eines dieser Kriterien erfüllt, bekommt der Hausnummern-Anwärter dafür eine bestimmte Anzahl Punkte. Für eine grüne Plakette sind in Oppenheim 150 Punkte nötig. Markus Jakob hatte 174 Punkte. "Wenn ich von der Natur etwas mitnehme, muss ich auch etwas zurückgeben", sagt er.

Nachhaltigkeit ist Markus Jakob und seiner Frau schon länger wichtig. Einen naturnahen Garten haben sie gemeinsam angelegt, geschmückt mit regionalen Obst- und Gemüsesträuchern. Sogar ein Insektenhotel steht im Garten, im Sommer schauen Wildbienen und Schmetterlinge vorbei.

Statt aus Plastikflaschen zu trinken, benutzt Markus Jakob lieber einen Wassersprudler – und spart sich so außerdem das Schleppen aus dem Supermarkt. Er benutzt nur ökologische Reinigungsmittel und kompostiert Abfälle, um Müllberge zu vermeiden. Und bei Lebensmitteln schaut er ganz genau hin: Stammen sie von regionalen Betrieben oder Großfirmen?

CSU und FDP kritisieren: Grüne Hausnummern grenzen sozial Schwache aus

Selbst sprudeln statt schleppen: Markus Jakob verzichtet auf Plastikflaschen aus dem Supermarkt.
Selbst sprudeln statt schleppen: Markus Jakob verzichtet auf Plastikflaschen aus dem Supermarkt.
© RTL

Das mag erst einmal nach einer Menge Extra-Mühe klingen – aber allzu viel Aufwand, sagt Jakob, sei das gar nicht. "Klar, man muss sich für einen nachhaltigen Lebensstil interessieren", räumt er ein. "Man muss sich mehr Zeit nehmen für den täglichen Einkauf. Und manche haben diese Zeit vielleicht nicht. Aber vieles ist machbar. Auf Plastik zu verzichten oder auf den Wasserverbrauch zu achten – das sind kleine Dinge, mit denen jeder für sich persönlich anfangen kann."

Auch im bayerischen Vilshofen sollen ab dem kommenden Jahr grüne Nummern die ein oder andere Hauswand zieren. Angestoßen haben das Projekt die Grünen und die Freien Wähler im Stadtrat. Kritik kommt von CSU und FDP: Die grünen Schildchen könnten all diejenigen ausgrenzen, die sich teure E-Autos und ausschließlich Bio-Lebensmittel nicht leisten können. Die Aktion habe daher nichts mit Umwelt-Förderung zu tun, sondern gleiche eher einer Bevormundung und Stigmatisierung der Bürger.

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Egal ob mit grünem Hausnummern-Schild oder ohne – es kann nicht schaden, sich im Alltag mit dem Thema Nachhaltigkeit auseinanderzusetzen. Denn das schont nicht nur die Umwelt, sondern im besten Fall auch Ihren Geldbeutel. Die besten Tipps und Tricks zum umweltbewussteren Leben haben wir hier für Sie zusammengefasst.