Stadt bei Paris testet bereits 40 Geräte

Neues Lärmradar soll zu laute Autos aus dem Verkehr ziehen

© REUTERS, CHARLES PLATIAU, CP/SAA/

6. September 2019 - 12:11 Uhr

Bußgeld gegen Lärmsünder

Die Franzosen sagen dem Lärm jetzt den Kampf an. In Villeneuve-le-Roi, einer Stadt nahe des Pariser Flughafens Orly, will die Behörde gezielt gegen Lärmverursacher vorgehen. Mit Lärmradaren sollen die Geräuschpegel gemessen und die Kennzeichen zu lauter Fahrzeuge automatisch erfasst werden, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters. Ein saftiges Bußgeld soll die Lärmverursacher bändigen.

Auch die Schweizer wollen Lärmradar entwickeln

40 Lärmradare wurden in Villeneuve-le-Roi bereits installiert. An jedem Gerät befinden sich vier Mikrofone, die jede Zehntelsekunde den Geräuschpegel messen. Das System soll später bei Lärmverstößen das Kennzeichen der Kraftfahrzeuge erfassen und an die zuständige Behörde weiterleiten können. Zur Verfolgung der Lärmsünder ist allerdings noch ein Gesetz notwendig, über das im Herbst abgestimmt werden soll.

In Genf will das Stadtparlament ebenfalls gegen Lärmsünder vorgehen: Es hat im Januar die Regierung beauftragt, einen Apparat entwickeln zu lassen, der die Lautstärke von Autos messen kann. Die Polizei solle damit ausgestattet werden und lärmende Autos aus dem Verkehr fischen können. Im Fall einer Überschreitung eines noch festzulegenden Grenzwertes soll sie dann Strafen verhängen. Mit diesen Maßnahmen wollen auch die Schweizer den zunehmenden Verkehrslärm in den Griff bekommen.

Nachträgliches Geräusch-Tuning ist in Deutschland verboten

Ein Lärmradar in Villeneuve-le-Roi.
Vier Mikrofone messen am Lärmradar die Geräusche.
© REUTERS, CHARLES PLATIAU, CP/SAA/

Auch in Deutschland wäre die Einführung eines Lärmradars durchaus möglich. Allerdings müssten auch bei uns erst einmal die rechtlichen Voraussetzungen geschaffen werden. Immerhin ist in der Straßenverkehrszulassungsordnung (StVZO) geregelt, wie laut ein Fahrzeug sein darf. Für neue Fahrzeugtypen, die ab dem 1. Juli 2016 zugelassen wurden, gelten je nach Wagenklasse und Motorleistung Grenzwerte von 72 bis 75 Dezibel.

In Deutschland verboten ist das Geräusch-Tuning mit nachgerüsteten Soundgeneratoren. Autoposer, die ihre Schlitten mit Soundeffekten aufmöbeln, müssen mit 90 Euro Bußgeld und einem Punkt in Flensburg rechnen. Außerdem droht ihnen die Zwangsstilllegung ihres Fahrzeugs.

Keine Regelung zum Schutz vor Straßenverkehrslärm

Lärm gehört zu den schlimmsten Stressverursachern überhaupt. Im Alltag wirkt sich Lärm erheblich auf die Gesundheit aus.

Laut einer Untersuchung des Umweltbundesamts fühlt sich mehr als die Hälfte der Bevölkerung durch Straßenlärm gestört oder belästigt. Die Behörde selbst bemängelt, dass es in Deutschland keine generelle Regelung zum Schutz vor Straßenverkehrslärm gibt. Vielleicht könnte auch bei uns die Einführung eines Lärmradars sinnvoll sein.