Vierjähriger erwacht kurz vor seinem Tod aus dem Koma: Nolan wollte seiner Mama noch etwas sagen

7. April 2017 - 18:36 Uhr

Mutter berichtet über die letzten Stunden mit ihrem Sohn

Nolan Scully wurde nur vier Jahre alt. Er hat den Kampf gegen den Krebs verloren. Seine Mutter Ruth Scully war jede Minute bei ihm. Sie versucht den Tod ihres Jungen zu verarbeiten. Jetzt veröffentlichte die Mutter einen Text über die letzten Stunden mit ihrem Sohn. Sie erzählt von einem unerklärlichen Wunder. Denn bevor Nolan starb, wachte er noch einmal aus dem Koma auf, um seiner Mutter noch etwas Wichtiges zu sagen.

Alles begann mit einer verstopften Nase

Am 7. September 2012 begrüßten Jonathan und Ruth Scully aus dem amerikanischen Maryland ihr neugeborenes Baby Nolan. Seine neunjährige Schwester Leila konnte es kaum erwarten ihren kleinen Bruder zu sehen. 'Rollin Nolan' war voller Lebensfreunde und steckte jeden mit seinem Lachen an. Das Familienleben war für die nächsten Jahre perfekt.

Doch das Glück wurde im Oktober 2015 getrübt. Der dreijährige Nolan klagt über eine verstopfte Nase, dies erschien zunächst nicht weiter schlimm. Bis Ruth bemerkte, dass ihr Sohn anfing zu schnarchen und nachts nicht mehr richtig atmen konnte. Die Ärzte befürchteten eine Kieferhöhlenvereiterung. Nolan bekam Antibiotika, ein spezielles Nasenspray und einen Dampfbefeuchter. Doch nichts davon half. Eine weitere Untersuchung ergab, dass Nolan geschwollene Nasenpolypen aufwies, die im November 2015 operativ entfernt werden mussten.

Nach der OP dann der Schock: Nolan leidet unter einer speziellen Krebsart, die das Weichgewebe des Körpers befällt, ein sogenanntes Rhabdomyosarkom. Und plötzlich war da nur noch Wut, Verwirrung, Zweifel und Trauer. Darüber hinaus war Ruth wieder schwanger. Doch wie kann eine Mutter sich über das in ihre wachsende Kind freuen, während ein anderes plötzlich lebensbedrohlich krank ist?

Kurz nach der Diagnose erstellte Ruth die Facebookseite 'NolanStrong', um die bewegende Reise voller Tränen, aber auch Freuden zu dokumentieren. Tausende Menschen unterstützten die Familie.

Nolans Alltag bestand seit seiner Krebs-Diagnose nur noch aus Krankenhaus-Geruch und quälenden Wochen voller Chemotherapie. Seine Mutter war in jeder Minute bei ihm. Tag für Tag kämpften die Ärzte um sein Leben. Nolans Kampfgeist wurde jedoch nicht belohnt. Alle Behandlungen blieben erfolglos. Die Ärzte konnten nichts mehr für Nolan tun.

"Du musst nicht länger kämpfen."

Auf Facebook schrieb die Mutter: "Als seine Onkologin redete, sah ich den Schmerz in ihrem Gesicht." Das letzte CT zeigte große neue Tumore, die auf seine Lunge und sein Herz drückten. Der Krebs verbreitete sich wie ein Waldfeuer. An diesem Punkt traf die Mutter die schwerste Entscheidung ihres Lebens:

"Ich setzte mich mit ihm hin, hielt meinen Kopf an seinen und wir hatten folgende Konversation:

Ich: Poot (Spitzname für Nolan), es tut weh zu atmen, oder?
Nolan: Naja ... schon.

Ich: Du hast starke Schmerzen, oder?

Nolan (schaut nach unten): Ja.

Ich: Dieser Krebs ist ätzend. Du musst nicht länger kämpfen.

Nolan (pure Freude): Muss ich nicht??! Aber ich würde es für dich tun, Mama!!

Ich: Nein Poot!! Ist es das, was du die ganze Zeit gemacht hast? Für Mama gekämpft?

Nolan: Naja ... ja.

Ich: Nolan Ray, was ist Mamas Job?

Nolan (mit einem breiten Grinsen): Mich zu beschützen!

Ich: Liebling … Ich kann das hier nicht länger machen. Die einzige Möglichkeit, dich zu beschützen, ist im Himmel. (Mein Herz raste.)

Nolan: Also werde ich einfach in den Himmel gehen und so lange spielen, bis du kommst. Du kommst doch, oder?

Ich: Natürlich! Du wirst doch deine Mama nicht so einfach los!

Nolan: Danke Mama!!"

Am nächsten Tag waren Ruth und Nolan auf der Palliativstation, alle seine intravenösen Medikationen wurden abgesetzt. "Ich kann nicht beschreiben, wie es sich anfühlt, ein DNR-Formular zu unterschreiben." Ein Formular, dass die Ärzte den Vierjährigen nicht wiederbelebt sollten. Eigentlich sollte Nolan noch einen letzten Abend gemeinsam mit der Familie zu Hause verbringen. "Aber er hat ganz sanft seine Hand auf meine gelegt und gesagt: "Mama, ist schon gut. Lass uns einfach hier bleiben, okay?" Mein vierjähriger Held versuchte alles, um es mir einfach zu machen …"

"In den kommenden 36 Stunden haben wir YouTube im Bett geguckt und lächelten uns an so oft wie wir konnten. Eine Stunde vor seinem Tod hat er mir sogar geschildert, wie er sich seine Beerdigung vorstellt, welche Kleidung er sich für die Gäste wünscht, wer seinen Sarg tragen soll und schrieb auf, was er für jeden von uns zurücklässt."

"Jetzt bin ich diejenige, die Angst hat - Angst zu duschen."

"Gegen 9 Uhr fragte ich Nolan, ob ich schnell unter die Dusche springen könnte."  Normalerweise durfte Ruth nicht von seiner Seite weichen, weil er ständig von seiner Mutter berührt werden wollte. "Ich stand in der Badezimmertür, sah ihn an und sagte: Schau einfach hierher, ich bin in zwei Sekunden wieder da". Er lächelte mich an. Ich schloss die Badezimmertür." In dem Moment, machte Nolan seine Augen zu und fiel in einen tiefen Schlaf.

"Als ich die Tür wieder öffnete, stand das ganze Team um ihn herum, schaute zu mir und jeder von ihnen hatte Tränen in den Augen. Ich rannte zu ihm ins Bett und legte meine Hand auf sein Gesicht. Dann geschah ein Wunder, das ich niemals vergessen werde. Mein Engel holte noch einmal Luft, öffnete seine Augen, lächelte mich an und sagte: "Ich liebe dich, Mama." Er drehte seinen Kopf zu mir und um 23.54 Uhr ging Nolan Scully von uns, während ich ihm leise 'You are my Sunshine' in sein Ohr sang."

Als Nolan noch genug Kraft hatte, um aufzustehen, legte er sich jedes Mal auf den Vorleger im Badezimmer, wenn seine Mutter duschen ging, weil er Angst hatte, seine Mama loszulassen. "Jetzt bin ich diejenige, die Angst hat", schrieb Ruth, "Angst zu duschen. Mit nichts als einem leeren Duschvorleger, wo einmal ein wunderbarer perfekter kleiner Junge lag und auf seine Mama wartete."

Am 7. September 2012 wurde Sonnenschein Nolan geboren. Drei Jahre später, am 4. Februar 2017 verlor er den Kampf gegen den Krebs. Es waren nur vier gemeinsame Jahre. Ruth wird jedoch niemals vergessen, wie stark die Liebe zwischen ihr und ihrem Sohn war. Und sie werden sich wieder sehen, so wie es Ruth ihrem Sohn versprochen hat.