Vier Niederschläge: Povetkin gegen Klitschko chancenlos

31. Oktober 2013 - 11:09 Uhr

Wladimir Klitschko hat den Machtkampf von Moskau mit großer Dominanz für sich entschieden. Vor 14.000 Zuschauern gewann der Weltmeister der Verbände IBF, IBO, WBO sowie Superchampion der WBA gegen Alexander Povetkin einstimmig nach Punkten (119:104). Trotz vier Niederschlägen entkam der WBA-Weltmeister in eigener Halle mit Mühe und Not einem Knockout. "Povetkin ist ein wahrer Kämpfer. Ich hätte mir gewünscht, dass ich diesen Kampf früher beende", ärgerte sich Klitschko.

Wladimir Klitschko schickte Alexander Povetkin viermal zu Boden.
Wladimir Klitschko schickte Alexander Povetkin viermal zu Boden.
© dpa, Maxim Shipenkov

Vor dem Kampf war im Land viel Tamtam um den Kampf gemacht worden. Auch die Eröffnungszeremonie zog sich dementsprechend in die Länge. Die Boxer ließen die Fans in der ausverkauften Olympia-Arena lange warten, ehe es endlich soweit war: Povetkin betrat, begleitet von der weniger melodischen Kampfeshymne 'Rus', den Innenraum. 'Can't Stop' läutete den Einmarsch von Klitschko ein.

Dann ging es los! Fast alle Experten waren sich vor dem Kampf einig: Klitschko würde diesen Kampf gewinnen. Diese Einschätzung bestätigte der 37-Jährige zunächst aber nur mit Abstrichen: Zwar versuchte er wie gewohnt, seinen Kontrahenten nicht an sich ranzulassen. Doch Povetkin zeigte seinerseits immer wieder überfallartige Angriffe und machte anfangs keine schlechte Figur. Kam der Russe Klitschko jedoch zu nah, setze der wie üblich zum Klammergriff an.

Schon in der zweiten Runde gewann Klitschko die Kontrolle. Povetkin zeigte viel Mut nach vorne, aber Klitschko brachte konsequent seinen Jab beim Gegner unter. Kurz vor dem Gong war es dann soweit: Klitschko kam mit einem kurz angesetzten linken Haken durch. Der Lokalmatador stolperte und landete auf der Matte - zum ersten Mal in seiner Profikarriere! Ringrichter Luis Pabon zählte Povetkin an. Das hinterließ deutliche Spuren bei ihm, denn danach kam nicht mehr viel.

Je weiter der Fight voranschritt, desto mehr erinnerte er an die bisherigen Klitschko-Kämpfe. Von Infight keine Spur. Der Favorit setzte klug seine Führhand ein oder es ging eben in den Klammergriff. Von Boxen war so erstmal nur wenig zu sehen, zu diesem Zeitpunkt glich der Kampf eher einem Ringkampf. Klitschko gestand nach dem Fight, dass er "ein paar Dinge" hätte besser machen können. Povetkin sah nach vier Runden wohl dennoch schon seine Felle davonschwimmen. Trotz mangelnder Action war schon da klar: So eine Leistung reicht nicht für die Überraschung.

Dann kam aber doch mal was von Povetkin: Mit einer guten Rechten eröffnete er die 5. Runde. Doch wer dachte, dass das dem WBA-Weltmeister Auftrieb geben würde, wurde enttäuscht. Der 'Krieger' wirkte immer müder und hatte mehr und mehr Probleme, sich auf den Beinen zu halten.

Klitschko-Show in Runde 7

In der 7. Runde begann endlich die ersehnte Klitschko-Show: Punch um Punch prasselte auf Povetkin ein. Mit einer Schlagserie schickte 'Dr. Steelhammer' seinen Herausforderer zum zweiten Mal auf die Bretter. Povetkin wurde angezählt, rappelte sich aber noch mal auf. Doch Klitschko setzte nun alles auf eine Karte, wollte den Knockout. Gnadenlos landete er die nächsten Wirkungstreffer. Der Herausforderer wankte - und fiel. Der Fight stand kurz vor dem Abbruch. Spätestens beim dritten Niederschlag, als Povetkin schon aus dem Ring zu rollen drohte. Glück für den Russen: Klitschko legte jetzt eine Ruhepause ein. In der Arena herrschte mittlerweile Totenstille. An einen Sieg von Povetkin glaubte in Moskau keiner mehr.

Die Frage war also: Knockout oder Punktsieg? Die Antwort lag allein bei Klitschko. Der hielt sich jedoch zurück und ließ Gnade vor Recht walten. In der 11. Runde heimste er sich durch seine Zurückhaltung sogar noch einen Punktabzug ein. Weil Klitschko seinen Gegner mit den Armen zu Boden drückte, zeigte der puerto-ricanische Ringrichter gleich das Vergehen an.

Doch das störte nicht weiter. In der finalen Runde spielte Klitschko im Gefühl des sicheren Sieges auf Zeit, hatte aber wohl auch Probleme seinen Gegner zu treffen: "Povetkin ist sehr klein", so der Champion. Auch wenn Povetkin praktisch stehend k.o. war, kam es zu keinen Volltreffern mehr. Ein vorzeitiges Kampfende blieb damit aus.

Nach dem Fight war Povetkin ernüchtert. "Was soll ich sagen? Es hat nicht so geklappt, wie ich es geplant hatte", sagte der Russe, der seinem Kampfnamen 'Krieger' nur hin und wieder gerecht wurde. Doch das sah Povetkin wohl etwas anders: "Ich habe mich so ins Zeug gelegt. Ich gebe nie auf, ich kämpfe immer bis zum Letzten." Die Niederlage gestand er auf faire Weise ein: "Wladimir war klar stärker. Er ist der Beste, den es auf der Welt gibt."

Klitschko selbst war mit seiner Leistung nicht ganz zufrieden. Seine Gedanken sind schon beim kommenden Gegner: "Beim nächsten Mal mache ich es besser." Gegen wen er dann boxen wird, wird sich aber erst noch herausstellen. Mit dem Triumph über Povetkin sind jedenfalls nicht mehr allzu viele namhafte Gegner auf der Liste.

Daniel Mituta