Vier Menschen sterben durch Hochwasser in Italien

14. November 2012 - 14:42 Uhr

Hunderte Menschen müssen Häuser verlassen

Hochwasseralarm jetzt auch in der Ewigen Stadt: Nach starken Regenfällen und Unwettern hat der massiv angeschwollene Tiber am Dienstag in Roms Straßen und Uferanlagen unter Wasser gesetzt. Betroffen war der nördliche Stadtrand in der Nähe der Milvio-Brücke, nicht jedoch das historische Zentrum Roms.

Toskana Italien Überschwemmung Tote
Drei Arbeiter stürzten mit ihrem Auto in die Tiefe und starben.
© dpa, Matteo Alfieri

Die Flutwelle überschwemmte traditionsreiche Rudervereine und Sportstätten am Ufer des Tibers sowie landwirtschaftliches Gelände, berichtet die Nachrichtenagentur Ansa. Es entstand erheblicher Sachschaden. Der Verkehr war in den betroffenen Bezirken behindert, Busse konnten in den überfluteten Straßen nicht fahren.

"Wir sind davon überzeugt, dass die Flutwelle Rom passieren kann, ohne in der Stadt Schaden anzurichten", sagte Bürgermeister Gianni Alemanno im italienischen Fernsehen. Höchstens am Stadtrand könne es Probleme geben. "Wenn alles gut geht, dann werden wir in ein paar Stunden beruhigt sein können", sagte er voraus.

Der Pegelhöchststand werde 13,50 Meter nicht übersteigen, teilte die Region Latium mit. Die hohen römischen Mauern würden die Innenstadt schützen. Der Zivilschutz überwacht den Tiber pausenlos, weil Flutwellen bereits mehrfach zu Überschwemmungen geführt hatten. Der angeschwollene Fluss hatte am Vortag drei Kähne losgerissen und beschädigt. Zwei zerschellten dann an Tiber-Brücken.

Zuvor waren in der Toskana vier Menschen nach den starken Regenfällen ums Leben gekommen. Hunderte mussten vor den Flutwellen fliehen. Drei Arbeiter eines Energiekonzerns - zwei Männer und eine Frau – starben beim Einsturz einer Brücke über dem Fluss Albegna. Als die Brücke dem Druck der Wassermassen nachgab, stürzte ihr Auto in die Tiefe.

Bei Capalbio in der südlichen Toskana ertrank ein 73-jähriger Landwirt in seinem von Wassermassen überfluteten Auto. Eine von Schlammmassen bei den Überflutungen mitgerissene Frau wurde lebensgefährlich verletzt. Zahllose Menschen flüchteten sich auf die Dächer ihrer Häuser. Die Flutwellen haben größere Teile der Toskana und Umbriens unter Wasser gesetzt und Hunderte Menschen gezwungen, ihre Häuser zu verlassen.

Das Unwetter, das zunächst ganz Norditalien heimgesucht hatte, führte zu einem Verkehrschaos. Einige Straßen und Bahnverbindungen zwischen Nord- und Süditalien mussten zeitweise unterbrochen werden. Der Präsident der mittelitalienischen Region Toskana forderte Soldaten an, um bei den Aufräumarbeiten zu helfen. 150 Techniker des Stromkonzerns Enel waren dort in den vergangenen Tagen bereits im Einsatz, um Hunderte Häuser wieder mit Strom zu versorgen.

Baumängel: 40 Milliarden Euro nötig

Die Überschwemmungen und Erdrutsche in mehreren Regionen könnten in der Landwirtschaft einen Schaden von bis zu 100 Millionen Euro angerichtet haben, teilte der Agrarverband Coldiretti am Mittwoch mit. Der toskanische Präsident Enrico Rossi hatte die Regierung in Rom aufgefordert, über die nächsten zehn Jahre 50 Millionen Euro bereitzustellen, um gravierenden Folgen von Unwettern vorzubeugen.

In Italien gibt es im Herbst und Winter häufig Überschwemmungen, die erheblichen Schaden anrichten. Laxe Bauplanungen und mangelnde Umsetzung von Umweltnormen gelten als mitverantwortlich dafür, dass Hochwasser katastrophale Folgen haben kann. Der italienische Umweltminister Corrado Clini sagte, 40 Milliarden Euro seien über die nächsten 15 Jahre notwendig, um die Gefahr zu bannen.