Vielen Menschen fühlen sich nicht mehr sicher: Immer mehr Kleine Waffenscheine

© dpa, Uli Deck, ude bwe

23. Juni 2018 - 9:33 Uhr

Weißer Ring rät von Waffen ab

Viele Menschen fühlen sich in Deutschland anscheinend nicht mehr ausreichend sicher und wollen deswegen eine Waffe zu ihrem Schutz tragen. Immer mehr haben einen Kleinen Waffenschein. Für die Opferschutzorganisation "Weißer Ring" ist dies eine schlechte Entwicklung. Sie rät Bürgern ausdrücklich davon ab, sich zu bewaffnen.

Zahl der Kleinen Waffenschein hat sich seit 2015 verdoppelt

Die Zahl der Brandenburger mit Kleinem Waffenschein steigt. Foto: J.-P. Kasper/Symbolbild
Kleiner Waffenschein mit Schreckschusswaffen
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Oft würden Täter durch Gegenwehr noch aggressiver und gewalttätiger, warnt Erwin Hetger vom Weißer-Ring-Landesverband Baden-Württemberg. Heger bestätigt, dass die Organisation ein steigendes Bedürfnis nach Waffen zur Selbstverteidigung wahrgenommen habe. Er sagt ganz deutlich: "Wir raten aber davon ab." Gegenwehr führe häufig dazu, dass Täter zusätzlich angestachelt würden.

Wer in Deutschland Waffen tragen will, braucht einen sogenannten Kleinen Waffenschein - nicht nur für Schreckschusswaffen, sondern auch für ein kleines Chlorgas-Spray. Die Nachfrage nach der Lizenz steigt seit Jahren. In der Bundesrepublik sind aktuell mehr als 587.000 Kleine Waffenscheine registriert - mehr als doppelt so viele wie noch Ende 2015.

"Das subjektive Sicherheitsgefühl ist schlechter als die Sicherheitslage"

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Die Vorfälle an Silvester 2015 in Köln haben viele Menschen dazu veranlasst, einen Kleinen Waffenschein zu beantragen.
© dpa, Markus Boehm

Die Zahlen sind vor allem zum Jahresbeginn 2016 angestiegen. "Nach den Vorfällen an Silvester in Köln gab es einen richtigen Schub", sagt Markus Rummer, Inhaber eines Waffengeschäftes in Karlsruhe.

Der Verband Deutscher Büchsenmacher und Waffenfachhändler spricht für diesen Zeitraum von einer Verdopplung bei den Verkäufen von Schreckschusswaffen und Lieferengpässen bei den Herstellern. Rummer glaubt, die Gesellschaft nehme Kriminalität zurzeit einfach stärker wahr, verstärkt durch die Medien. "Das subjektive Sicherheitsgefühl ist schlechter als die Sicherheitslage", bestätigt Erwin Hetger. "Das ist kein neues Phänomen. Aber die jüngsten spektakulären Fälle haben die Tendenz verstärkt, dass das Sicherheitsgefühl in der Bevölkerung immer schlechter wird."

"Manche haben ihre Schreckschusspistole sogar im Kinderwagen versteckt"

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Pfefferspray (Symbolfoto) kann üble Folgen haben und darf privat in Deutschland offiziell nur zur Tierabwehr eingesetzt werden.
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Dennoch sind mehr Waffen für den Weißen Ring keine Option. "Wir setzen auf Prävention: Was kann ich tun, um zu vermeiden, erneut Opfer zu werden?", sagt Heger. Sein Rat: Sicheres Auftreten, eine klare Körpersprache und die Wahl eines sicheren Heimwegs.

Vielen reicht das allerdings nicht aus, so Waffenhändler Rummer. "Ich habe hier alles an Kunden, vom Profi bis zur Grundschullehrerin", sagt er. "Manche haben ihre Schreckschusspistole sogar beim Joggen dabei oder im Kinderwagen versteckt." Während Teleskop-Schlagstöcke oder Elektroschocker eher von Security-Mitarbeitern gekauft werden, sind Sprays oder Schreckschusspistolen auch bei Frauen und Senioren beliebt. Auch Pfefferspray sei beliebt, obwohl es offiziell nur zur Tierabwehr erlaubt ist.