Grausame Fantasien: "Ohne Gnade kaputt foltern und quälen"

Viele Verdächtige selbst minderjährig: 46 Kinderporno-Durchsuchungen in Luxemburg

© dpa, Nicolas Armer, dav soe cv fie

10. Juli 2020 - 14:58 Uhr

Interpol und US-Behörden gaben entscheidende Hinweise

Knallhart-Offensive gegen Kindesmissbrauch! Im Kampf gegen Kinderpornografie ist den Strafverfolgungsbehörden in Luxemburg ein großer Schlag gelungen. Nach Hinweisen von Interpol und US-Behörden haben Beamte der Polizei bei 46 Personen im Land Hausdurchsuchungen durchgeführt. Mehr als ein Drittel der Verdächtigen ist selbst noch minderjährig.

Keine Festnahmen

Ihre Gedanken sind grausam, ihre Fantasien für ihre jungen Opfer brutal: "Sie über ein Wochenende ohne Grenzen, ohne Rücksicht, ohne Regeln, ohne Gnade kaputt foltern und quälen", fantasieren zwei erwachsene Männer über eine 10-Jährige in einem Chat-Protokoll, das der luxemburgischen Kriminalpolizei vorliegt.

Wie RTL Luxemburg berichtet, wurde bei den Durchsuchungen seit Montag durch über 100 eingesetzte Beamte umfangreiches Material sichergestellt, das jetzt kriminaltechnisch untersucht werden muss. Die Behörden betonten, dass die Altersspanne der Verdächtigen zwar zwischen elf und 70 Jahren liege, ihnen die mit 40 Prozent auffällig hohe Zahl an Minderjährigen unter ihnen aber große Sorgen bereite. Die Ermittler beschlagnahmten Computer, Tablets und Smartphones. Bislang wurden keine Verhaftungen vorgenommen, da bei den Verdächtigen "keine Fluchtgefahr besteht", so die Behörden.

"Jedes Bild ist von einem Kind, das irgendwann mal misshandelt wurde"

David Lentz von der Staatsanwaltschaft der Stadt Luxemburg erklärte: "46 Personen sind schon eine beeindruckend hohe Zahl. Aber das bedeutet noch nichts, wenn man sich das Material anschaut, das beschlagnahmt wurde. Bei einigen sind es vielleicht nur ein paar Bilder, bei anderen ist es aber eine komplette Festplatte mit Fotos. Und jedes Bild – das ist das Schrecklichste daran – ist von einem Kind, das irgendwann mal sexuell ausgebeutet oder misshandelt wurde. Es ist jedes Mal ein Drama für jedes Bild, jedes Kind, das im Mittelpunkt von den Chats, Fotos, Filmen und Videos steht."

Grausame Fantasien in Chats geäußert

Sexueller Kindesmissbrauch
© deutsche presse agentur

Auch Claude Weis von der Abteilung Jugendschutz und Vergehen mit sexuellem Hintergrund der Kriminalpolizei machte auf die Dimension des Missbrauchs aufmerksam. Er berichtet aus einem Chat zwischen zwei erwachsenen Männern: "Der Chat fängt damit an, dass ein Foto von einem zehn Jahre alten Mädchen verschickt wurde, das halb nackt ist. Die beiden reden anschließend über das Foto, sprich über das Mädchen." Dann die grausamen Nachrichten: "Wie weit würdest du gehen?", fragt ein Chatpartner. Die Antwort: "Sie über ein Wochenende ohne Grenzen, ohne Rücksicht, ohne Regeln, ohne Gnade kaputt foltern und quälen."

Bei den 46 Verdächtigen aus den Gerichtsbezirken Diekirch und Luxemburg handelt es sich laut Polizei um Einzeltäter und nicht um ein kriminelles Netzwerk. Zudem bestehe kein Zusammenhang zu den Fällen in Bergisch Gladbach oder Gießen, die jüngst für Schlagzeilen sorgten.

Beispielloses Ausmaß für Luxemburger Verhältnisse

Die Durchsuchungen waren laut Tageszeitung "L'essentiel" Teil einer weitrechenden Ermittlung im Großherzogtum, die durch Tipps der US-Behörde National Center for Missing and Exploited Children (NCMEC) in Gang gesetzt wurde.

Das Ausmaß dieses Falles ist für Luxemburg beispiellos. Im Jahr 2019 wurden 40 Fälle von Kinderpornografie in dem 620.000-Einwohner-Land bearbeitet, 28 im Jahr 2018 und 32 im Jahr 2017. Im laufenden Jahr Jahr 2020 gab es jedoch bereits 72 Fälle.