Viele unterschätzen die Gefahr der Sonnenstrahlen

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9. Februar 2016 - 13:06 Uhr

Hautkrebs gilt mittlerweile als Volkskrankheit

Obwohl seit Jahren vor Hautkrebs gewarnt wird, unterschätzen viele Menschen die Gefahr von Sonnenstrahlen. Sie cremen sich zuwenig und falsch ein. Dabei ist es ganz einfach: Ein Löffelchen für Mama, ein Löffelchen für Opa – so wie früher Brei gefüttert wurde, sollte man heute Sonnenschutzmittel auftragen. Ein halber Teelöffel für Gesicht und Hals, 1 ½ Teelöffel für beide Arme.

Beachtet man das nicht, nützt auch der höchste Lichtschutzfaktor nichts. Viele verwenden weniger als ein Viertel der nötigen Menge und cremen auch noch unregelmäßig. Ein Schutz, der dann keiner mehr ist. Das ergab eine Studie der Berliner Charité.

Hautkrebs ist die häufigste Krebserkrankung, die Zahl der Neuerkrankungen steigt jährlich um fünf Prozent. Das bedeutet jedes Jahr 240.000 Mal die Diagnose Krebs – Tendenz steigend. Damit gilt Hautkrebs mittlerweile als Volkskrankheit.

Grund für diese alarmierende Entwicklung ist der falsche Umgang mit der Sonne, nämlich ein Zuviel an Sonne. Auf der einen Seite schüttet sie Vitamin D und das Glückshormon Serotonin aus. Aber sie schickt auch ultraviolette Strahlen auf die Erde, die für Menschen gefährlich werden können.

Und in diesem Jahr war auch noch die Ozonschicht, die vor diesen Strahlen schützt, im April um 40 Prozent dünner als üblich. Das bedeutete schon im Frühling eine Sonnenbelastung wie im Hochsommer. Jetzt baut sich die Ozonschicht zwar langsam wieder auf, aber sie scheint weiterhin dünner als sonst zu sein. Vor allem um die Mittagszeit ist dadurch die Strahlung besonders hoch, das bedeutet Sonnenbrandgefahr.

Die 5 wichtigsten Regeln zum Sonnenschutz

- Mittagssonne zwischen 11 und 15 Uhr meiden

- Sonnenbrille und Kopfbedeckung

- Dichtgewebte Textilien als UV-Schutz

- Verzicht auf Solarien und Sonnenbänke

- Kostenloses Hautkrebsscreening alle zwei Jahre

Und natürlich stets tüchtig eincremen. Aber das ist wohl gar nicht so einfach, so das Ergebnis einer Studie der Berliner Charité. Denn die meisten Menschen benutzen weniger als ein Viertel der benötigten Menge Sonnenmilch und haben dadurch keinen ausreichenden Sonnenschutz. Vor allem Männer verteilen die Creme ganz unregelmäßig.

Ein dicker Klecks auf den Bauch, die Hüften bekommen aber fast gar nichts mehr ab. Und auch die sogenannten Sonnenterrassen wie Stirn, Ohren, Nacken oder Handrücken werden beim Schmieren vernachlässigt. So wird aus Lichtschutzfaktor (LSF) 40, wenn er schlecht und zu sparsam verteilt wird, schnell nur noch ein Schutz von LSF 5-6, warnt Dr. Claas Ulrich vom Hauttumor-Centrum der Charité. Die Sonnenanbeter wiegen sich in Sicherheit, doch die Unterdosierung kann schlimme Folgen haben: einen Sonnenbrand. Und der gilt als Hauptauslöser für Hautkrebs.

Seite 2: Neue Dosiersysteme spenden die richtige Menge

Neue Pumpen spenden die richtige Menge Sonnenmilch

Sonnenmilch schützt nicht nur vor Sonnenbrand und damit langfristig vor Hautalterung und Strahlenschäden, sondern auch direkt vor Hautkrebs
Kinder müssen anders vor der Sonne geschützt werden als Erwachsene.
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Nun reagieren Sonnenmilchhersteller auf die Forschungsergebnisse und machen es uns leichter. Neu in den Apotheken sind sogenannte Dosiersysteme. Sie haben keinen Schraub- oder Sprühverschluss mehr, sondern eine Pumpe. Und die spendet immer die gleiche Menge an Sonnenmilch.

Auf der Packung kann man dann nachlesen, wie viel Hübe man für welche Stelle am Körper braucht. Dabei wird bei Kindern sogar nach Größe und Gewicht unterschieden. So bekommt jeder seinen individuellen Eincremeschutz – diesmal mit der richtigen Dosis. Wer weiter nach der traditionellen Art schmiert, macht es mit dem Teelöffelsystem. Anhand einer Tabelle kann man nachlesen, wie viel Löffel Sonnenmilch jedes Körperteil im Schnitt braucht. Nur gleichmäßig verteilt muss es dann noch sein.

Und noch etwas haben die Ärzte herausgefunden. Sonnenmilch schützt nicht nur vor Sonnenbrand und damit langfristig vor Hautalterung und Strahlenschäden, sondern auch direkt vor Hautkrebs. "Wir konnten erstmals in einer Studie nachweisen, dass ausreichendes Eincremen nicht nur vor hellem Hautkrebs allgemein schützt.

Tomaten, Paprika und Ketchup als Sonnenschutzmittel?

Bei Risikopatienten verringerte sich sogar die Zahl neuer Hautkrebserkrankungen deutlich. Australische Untersuchungen belegen zudem, dass regelmäßig angewandte Sonnenschutzcreme selbst vor dem besonders gefürchteten schwarzen Hautkrebs (Melanom) schützen kann", so Dr. Ulrich. Sonnenmilch ist also nicht mehr nur reine Kosmetik, um gesund zu bräunen, sondern hat auch einen vorbeugenden Effekt – bei richtiger Anwendung reduziert sie das Hautkrebsrisiko drastisch.

Nun wollen die Wissenschaftler herausfinden, ob auch Nahrungsmittel eine schützende Wirkung vor Hautkrebs haben. Derzeit gibt es in der Berliner Charité erste Erkenntnisse, dass der Verzehr von Paprika und Tomaten die Wirkung der Sonnenmilch verstärkt.

Wer rotes Gemüse isst oder auch Ketchup zu den Fritten nimmt, macht seine Haut gegen Sonnenstrahlen widerstandsfähiger. Ausreichend vorbeugen, regelmäßig eincremen und die Sonne in Maßen genießen – damit hat man die besten Voraussetzungen, nicht an Hautkrebs zu erkranken.

Text: Daniela Halm-Weber