Viele Tote und riesige Schäden durch 'Sandy': Obama im Katastrophengebiet

03. November 2012 - 17:01 Uhr

Zerstörung in Queens wie im Europa nach dem Zweiten Weltkrieg

Es ist eine Mammutaufgabe, nach einem Sturm diesen Ausmaßes schnell wieder zur Normalität zurückzukehren. Denn einen Tag nach dem Durchzug von Wirbelsturm 'Sandy' wird das Ausmaß der Zerstörung an der amerikanischen Ostküste immer deutlicher. US-Präsident Barack Obama verschaffte sich in New Jersey selbst ein Bild.

Viele Tote und riesige Schäden durch 'Sandy': Obama im Katastrophengebiet
New Jerseys republikanischer Gouverneur Christie empfängt Präsident Obama im Katastrophengebiet.
© REUTERS, LARRY DOWNING

US-Präsident Obama betrachtete gemeinsam mit dem republikanischen Gouverneur von New Jersey, Chris Christie, die Überschwemmungsgebiete zunächst aus der Luft und dann mit einem Fahrzeug auch auf dem Land. Christie hatte seinen in einer khakifarbenen Hose und blauen Regenjacke gekleideten politischen Gegner Obama per Handschlag begrüßt.

Die Zahl der Todesopfer stieg derweil weiter an: Mindestens 50 Menschen seien ums Leben gekommen, teilten die Behörden mit. Allein 22 Menschen starben in der besonders schwer getroffenen Millionenmetropole New York, so die 'New York Times'.

"Die Zerstörung ist unvorstellbar", sagte der Gouverneur des ebenfalls schwer gebeutelten Bundesstaates New Jersey, Christie. Und es gibt erste Berichte über Plünderungen. Die Polizei habe in den New Yorker Stadtteilen Brooklyn and Queens mehrere Menschen unter anderem wegen des Verdachts von Plünderungen festgenommen, berichtete die Zeitung 'Wall Street Journal'. Queens ist von der Katastrophe besonders betroffen, dort sind 80 Häuser offenbar wegen eines Kurzschlusses niedergebrannt. "Es ist nicht übertrieben, wenn man sagt, dass es hier aussieht wie auf Bildern vom Ende des Zweiten Weltkriegs", sagte Bloomberg. "Das Gebiet ist dem Erdboden gleichgemacht."

Dennoch wollen die New Yorker zurück zur Normalität: Die Börsen an der Wall Street öffneten nach zweitägiger Pause wieder. Auch das größte US-Kreditinstitut JPMorgan Chase erklärte, dass etwas mehr als die Hälfte ihrer rund 1.100 Filialen in den Bundesstaaten New York, Connecticut und New Jersey geöffnet hätten. Auch annähernd 60 Prozent der 3.200 Geldautomaten funktionierten wieder. Und mit dem John F. Kennedy Airport und dem Flughafen von Newark nahmen zwei der drei wichtigsten Flughäfen im Großraum der Stadt ihren Betrieb in begrenztem Umfang wieder auf. Der Bahnbetreiber Amtrak fährt auf den wichtigsten Strecken wieder, genauso wie die ersten Fähren auf dem Hudson River.

In höher gelegenen Stadtteilen läuft alles wieder ziemlich normal

Indes kehrte in New York in höher gelegenen Stadtteilen fast wieder Normalität ein. Busse fuhren, Geschäfte öffneten. Die ersten U-Bahnen sollen wieder am Donnerstag fahren. Die ersten Tunnel seien ausgepumpt, sagte New Yorks Gouverneur Andrew Cuomo. "Allerdings wird es keinen Verkehr südlich der 34. Straße geben, weil da schlicht kein Strom ist." Zuvor war der öffentliche Verkehr zusammengebrochen, U-Bahnschächte liefen voll Salzwasser.

Bloomberg hat derweil Autos mit weniger als drei Insassen die Fahrt nach Manhattan verboten. Zwischen 6.00 Uhr morgens und Mitternacht dürften ab sofort nur noch Fahrzeuge mit mindestens drei Menschen darin die Brücken nach Manhattan überqueren, sagte Bloomberg. Die Schulen bleiben die ganze Woche geschlossen.

Bei einem Treffen mit Chefs von Energiefirmen habe Obama betont, dass die Wiederherstellung der Stromversorgung oberste Priorität habe, teilte das Weiße Haus mit. Nach CNN-Angaben waren gut 24 Stunden nach dem Durchzug von 'Sandy' weiter sieben Millionen Menschen ohne Strom.

Unterdessen sind erste Haushalte im südlichen Manhattan wieder an das Netz angeschlossen worden. Rund 2.000 Kunden auf der Insel würden wieder mit Strom versorgt, sagte ein Sprecher des Unternehmens ConEdison der 'New York Times'.

In New York verbrachten Hunderttausende Menschen die zweite Nacht ohne Elektrizität, viele auch ohne Wasser, Internet und Telefon. Mehrere tausend Menschen sind weiter in den 76 Notunterkünften der Stadt untergebracht. "Wir arbeiten zur Zeit 15 Stunden am Tag und das jeden Tag", sagte ein Polizist aus dem Stadtteil Brooklyn.

Auch der Marathon in New York soll am Sonntag wie geplant stattfinden. Man setze die Vorbereitungen fort, teilte Renndirektorin Mary Wittenberg mit. Erwartet werden 47.000 Sportler aus aller Welt.

'Sandy' verursachte nach ersten Schätzungen von Ökonomen Sachschäden in Höhe von bis zu 20 Milliarden Dollar. Die endgültige Summe könnte allerdings noch wesentlich höher liegen, wenn etwa Einnahmeausfälle von Unternehmen mitgerechnet werden, berichtete der TV-Sender CNN.

Sollten sich die Prognosen bewahrheiten, wäre 'Sandy' der drittschlimmste Hurrikan in der Geschichte. Todesopfer gab es auch in den Bundesstaaten New York, Massachusetts, Maryland, Connecticut, New Jersey, Pennsylvania, Virginia und West Virginia sowie im kanadischen Toronto.

Andere Regionen in Nordamerika müssen 'Sandy' noch überstehen: In den Höhenlagen der Appalachen in West Virginia brachte der Wirbelsturm bis zu einen Meter Schnee. Nach Berechnungen der Meteorologen soll der Wirbelsturm auch Kanada erneut bedrohen. Allerdings lasse die Stärke deutlich nach. Mit Hurrikan-Stärke hatte der Sturm in der Karibik gewütet. Auch dort gab es Dutzende Tote.