Viele Tausend Berliner und Brandenburger in Kurzarbeit

Bernd Becking, Vorsitzender der Arbeitsagentur Berlin-Brandenburg. Foto: Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/ZB/Archivbild
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31. März 2020 - 17:10 Uhr

Ob am Flughafen oder im Zoo, beim Chemiekonzern oder im Theater: In der Corona-Krise bricht für viele Beschäftigte die tägliche Arbeit weg - die Firmenleitung schicken sie in Kurzarbeit. Bis zum Wochenende haben in Berlin 22.600 Unternehmen Kurzarbeit angezeigt, in Brandenburg 14.400. Das teilte die Bundesagentur für Arbeit am Dienstag mit. Wie viele Menschen nun auf Kurzarbeit sind, kann die Agentur erst in einigen Wochen sagen. Die dürfte ein Vielfaches der Anzeigen betragen. Die Agentur rechnet damit, dass dennoch in den nächsten Wochen viele Menschen ihre Arbeit verlieren werden.

Die Corona-Pandemie wird den Aufschwung auf dem Arbeitsmarkt abwürgen, wie die Agentur andeutete. Bis Mitte März habe es noch die übliche Frühjahrsbelebung geben, dann sei der Einbruch gekommen, teilte die Regionaldirektion Berlin-Brandenburg mit.

"Dann führten die Corona-Einschränkungen in weiten Teilen der Wirtschaft zu einer Vollbremsung", sagte Direktionsleiter Bernd Becking. "Viele Unternehmen haben Kurzarbeit angezeigt." Die Agentur sprach von einem noch nie erlebten, plötzlichen Umschlag. In Zahlen lasse sich dieser noch nicht ausdrücken.

Bis zum Stichtag am 12. März war die Arbeitslosigkeit in Berlin und Brandenburg weiter gesunken. 154.249 Frauen und Männer waren in Berlin arbeitslos gemeldet. Die Arbeitslosenquote sank um 0,1 Prozentpunkt auf 7,9 Prozent. In Brandenburg waren es 75.570. Die Quote lag bei 5,7 Prozent, 0,2 Prozentpunkte niedriger als im Februar.

Doch allein in Berlin kann jedes zweite Unternehmen vorerst nicht mehr arbeiten, wie eine Umfrage der Industrie- und Handelskammer (IHK) ergab. Jedes dritte fürchtet, in eine Insolvenz zu schlittern. Die Hälfte aller Unternehmen geht davon aus, Arbeitsplätze abbauen zu müssen.

Dies vorerst zu verhindern ist das Ziel beim Kurzarbeitergeld. Die Beschäftigten arbeiten weniger oder auch gar nicht, bekommen aber weiter 60 Prozent ihres Nettogehalts. Wer Kinder hat, erhält 67 Prozent. Die Unternehmen lassen sich die Auslagen von der Arbeitsagentur erstatten, manche stocken das Kurzarbeitergeld auch auf.

Die Bearbeitung der Anzeigen zieht sich aber hin. Für die Arbeitsagenturen kam die Antragsflut unerwartet. "Kurzarbeit spielte jahrelang in der Region so gut wie keine Rolle", sagte Becking. "Wir arbeiten mit Hochdruck die Anzeigen und Anträge ab. Dennoch ist derzeit ein Rückstau zu verzeichnen."

Quelle: DPA