Am Rande der Proteste in Los Angeles

USA: Anwohner wollen Plünderer vertreiben - und werden selbst festgenommen

June 1, 2020, Van Nuys, California, USA: Protesters take a knee on Van Nuys Boulevard during a peaceful protest with Bl
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04. Juni 2020 - 9:26 Uhr

Szene war live im Fernsehen zu sehen

In Los Angeles ist es am Rande der Proteste nach dem gewaltsamen Tod von George Floyd zu einem absurden Vorfall gekommen. Im Stadtteil Van Nuys stellten sich mehrere Afroamerikaner Plünderern in den Weg, die offenbar ein Goldgeschäft ausrauben wollten. Die herbeigerufene Polizei verfolgte jedoch nicht die Plünderer, sondern nahm drei der Beschützer in Gewahrsam – offenbar, weil sie diese für die Plünderer hielten. Das ganze Geschehen war live im Fernsehen zu sehen – die Reporterin machte die Polizisten schließlich darauf aufmerksam, dass sie den falschen Menschen Handschellen anlegen und verhinderte so eventuell sogar Schlimmeres.

Ladenbesitzer und Anwohner versuchten, Plünderungen zu verhindern

Wie in Videos des Senders Fox 11 zu sehen ist, berichtete Reporterin Christina Gonzales live von den Protesten aus Los Angeles, als sich mehrere Menschen vor ein paar Geschäften ein Wortgefecht lieferten. Mehrere Afroamerikaner, darunter auch die Besitzer eines der Geschäfte, versuchten vehement, ihre Läden vor mutmaßlichen Plünderern zu beschützen und diese aus der Gegend zu vertreiben. Sowohl das Fernsehteam als auch die Anwohner machten die Polizei auf den Vorfall aufmerksam, als diese vorbeifuhr.

Statt den Plünderern werden die Beschützer festgenommen

Als die Beamten schließlich herbeieilten, liefen einige von ihnen den Plünderern hinterher – mehrere Beamte gingen jedoch direkt auf die Ladenbesitzer und Anwohner zu. Waffen wurden auf sie gerichtet, einer Frau wurden Handschellen angelegt - unter verzweifeltem Protest der Reporterin vor Ort. Christina Gonzales versuchte mehrfach lautstark, den Polizisten zu sagen, dass gerade die falschen Menschen in die Mangel genommen würden. Der Reporterin ist ihre Verzweiflung anzuhören. Doch erst nach ein paar Minuten nahm sich ein Cop Zeit, ihr zuzuhören – und die Situation wurde schließlich aufgeklärt.

"Ich war in Handschellen, wurde zusammen mit meinem Ehemann und meinem Schwager gegen eine Wand gepresst, und dachte mir: Was zu Hölle?", sagte Monet, eine Anwohnerin. Sie lebe seit 37 Jahren in der Gegend und kenne den Ladenbesitzer seit 30 Jahren. Sie verstehe, dass die Polizei derzeit unter großer Anspannung stehe, sagte sie. "Aber sie müssen ihren Job besser machen, wenn sie mit Afroamerikanern zu tun haben."

Video des Vorfalls verbreitet sich in den sozialen Medien

Das Video des Vorfalls verbreitete sich schnell in den sozialen Medien. Einige User kommentierten, dass das Video genau die Vorurteile zeige, die Polizisten immer noch gegenüber Schwarzen hätten. Man stelle sich vor, die Ladenbesitzer wären weiß gewesen – vermutlich wäre die Situation ganz anders abgelaufen. Und dieser strukturelle Rassismus ist genau einer der Punkte, um die es bei den Protesten in den USA derzeit geht.