Video zeigt spätere Queen beim Hitlergruß: Britisches Königshaus erwägt rechtliche Schritte

Das britische Königshaus kritisierte die Veröffentlichung scharf.
© dpa, Teresa Dapp

19. Juli 2015 - 20:06 Uhr

Frage des Copyrights wird geprüft

Das umstrittene Video zeigt die Queen im Alter von etwa sieben Jahren, wie sie die Hand zum Hitlergruß hebt. Veröffentlicht von einer britischen Boulevardzeitung. Der Palast erwägt jetzt rechtliche Schritte, bestreitet aber nicht, dass das Video authentisch ist.

Es laufe bereits eine Untersuchung dazu, wie der 17 Sekunden lange Schwarz-Weiß-Film in die Hände der Boulevardzeitung 'Sun' gekommen sei, berichtete die Nachrichtenagentur PA. Die 'Sunday Times' zitierte eine Palastquelle, derzufolge auch die Frage des Copyrights geprüft werde. Wenn der Vater der Queen, später König George VI., gefilmt habe, lägen die Rechte an dem Material bei Elizabeth II. (89) als seiner Nachfahrin.

Es ist ein nur 17 Sekunden langer Schwarz-Weiß-Film, doch es ist auch ein Stück Geschichte. Wohl 1933 oder 1934 aufgenommen, zeigt der Film die etwa sieben Jahre alte Prinzessin Elizabeth in Rock und Strickjacke im Garten. Mit dabei sind ihre Schwester Margaret (1930-2002) im weißen Kleidchen, ihre Mutter Elizabeth, bekannter als Queen Mum (1900-2002), und ihr Onkel, der künftige König Edward VIII. (1894-1972).

Zu Beginn spielt die Lilibet genannte Prinzessin mit einem Hund und winkt. Dann dreht sie sich zu ihrer Mutter um, die mit gestrecktem rechten Arm den Hitlergruß zeigt, und imitiert die Geste. Die Mutter streckt ein zweites Mal den Arm, Edward zeigt den Gruß ebenfalls. Die kleine Margaret, damals etwa drei Jahre alt, winkt und streckt dann ebenfalls den Arm, allerdings den linken. Am Ende sind Elizabeth und Margaret in Großaufnahme zu sehen. Einen Ton gibt es nicht. Wer die Kamera hält, ist nicht zu sehen. Die Familie wirkt sehr fröhlich, die Kinder hüpfen auf der Wiese herum. Die Aufnahme soll auf dem königlichen Landsitz Balmoral in Schottland entstanden sein.

War Edward VIII. ein Hitler-Freund?

Dass die Queen selbst Sympathien für die Nazis gehabt haben könnte, wirft ihr niemand vor. Bei ihrem Onkel ist das anders. Viele Historiker sagen schon lange, dass Edward, der 1936 für nur 325 Tage König war und dann abdankte, vom Faschismus fasziniert war. Ein Foto aus dem Jahr 1937 zeigt ihn mit seiner Frau Wallis Simpson, wie sie Adolf Hitler in München besuchen. Das Verhalten Edwards rücke der Palast nicht gern in den Fokus und die Queen würde lieber nicht daran erinnert, kommentierte der Königshaus-Korrespondent der BBC, Peter Hunt: "Ein Mann, der kurz König war, und dessen Faszination für das nationalsozialistische Deutschland gut dokumentiert ist".

Königshaus-Biograf Hugo Vickers nahm Edward in Schutz: Er habe mit seinem Besuch bei dem deutschen Diktator zwar seine Familie und die Briten vor den Kopf gestoßen, aber die Absicht gehabt, einen weiteren Krieg zu verhindern. Die Mutter der Queen habe die Nazis gehasst und die Deutschen noch abgelehnt, als die Briten sich nach dem Krieg längst wieder mit ihnen versöhnt hätten. Sich über die Nazis lustig zu machen, sei durchaus üblich gewesen in den frühen 30er Jahren.

"Das Material schadet der königlichen Familie natürlich", sagte dagegen Graham Smith von der antimonarchistischen Gruppe Republic der Zeitung 'Guardian'. Die Royals hätten immer ihr "Märchen-Image" gepflegt, das über einen fragwürdigen familiären Hintergrund hinwegtäusche. Ein Verdacht, die Queen habe selbst mit den Nazis sympathisiert, lasse sich aus dem Video aber nicht ableiten, da sie ein Kind gewesen sei. Zahlreiche Kommentatoren riefen dazu auf, das Video im historischen Kontext zu sehen.

Die 'Sun' betonte, die Veröffentlichung richte sich nicht gegen Elizabeth II. oder ihre Mutter, sie gäbe jedoch "faszinierende Einblicke" in das Weltbild Edwards. An das Video sei die Zeitung "auf legitime Art" gekommen, sagte der leitende Redakteur Stig Abell dem BBC Radio 4. Der frühere Pressesprecher der Queen Dickie Arbiter mutmaßte gegenüber 'Sky News', dass das Filmmaterial versehentlich mit harmlosen Aufnahmen herausgegeben worden sein könnte.