Video belastet den Schützen

Wurde das Zebra „Pumba“ aus Faulheit erschossen?

4. Oktober 2019 - 18:08 Uhr

Feuerwehr aus Rostock wegen des Zebras in der Kritik

Noch immer herrscht in Rostock große Aufregung um das erschossene Zebra "Pumba". Es war Dienstagnacht aus dem Zirkus in Tessin ausgebüxt und hatte Polizei und Feuerwehr mehrere Stunden in Schach gehalten. Doch statt es mit dem Schuss aus einem Betäubungsgewehr außer Gefecht zu setzten, wurde das Zebra von einem Tierretter der Berufsfeuerwehr Rostock mit zwei Kugeln aus einer Schusswaffe getötet. Angeblich aus Bequemlichkeit, wie Aufnahmen belegen sollen. Im Video sprechen wir mit einem Augenzeugen.

Die Zebras büxten Dienstagnacht aus dem Zirkus aus

02.10.2019, Mecklenburg-Vorpommern, Liepen: Angelo Madel, Zirkus-Dompteur, kniet neben dem toten Zebra Pumba. Das Zebra war ausgebrochen und nach einer stundenlangen Verfolgungsjagd von Einsatzkräften erschossen worden. Eigentlich sollte das Zebra Pu
Zirkus-Dompteur Angelo Madel kniet neben dem toten Zebra Pumba.
© dpa, Bernd Wüstneck, bwu

Gemeinsam mit einem anderen Zebra ist Pumba in der Nacht aus dem Zoo ausgebrochen. Während das andere Tier problemlos wieder eingefangen werden konnte, lief der fünf Jahre alte Pumba am Mittwochmorgen auf die A20 und löste dort eine Vollsperrung aus. Daraufhin versuchte die Polizei das völlig verängstigte Tier einzufangen - erfolglos.

Es entkam den Beamten und flüchtete schließlich in ein Waldstück bei Leppin. Dort sollte es betäubt werden, um es dann zurück in den Stall zu bringen, wie Tierlehrer Angelo Madel berichtet, der die Polizei zuvor alarmiert hatte. Doch das Tier wurde erschossen.

Zirkus-Dompteur: "In meinen Augen ist er ein Monster"

02.10.2019, Mecklenburg-Vorpommern, Thelkow: Ein ausgerissenes Zikus-Zebra steht auf einem Acker, während ein Mann mit einem Betäubungsgewehr versucht sich dem Tier zu nähern. Das Zebra war mit einem Artgenossen, der bereits wieder eingefangen werden
Das ausgerissene Zebra steht auf einem Acker, während der Feuerwehrmann versucht sich dem Tier zu nähern.
© dpa, Bernd Wüstneck, bwu tba

Eine Unterhaltung zwischen dem Schützen und einem Kameramann lässt nun Schreckliches vermuten: Der Feuerwehrmann soll das Zebra aus Bequemlichkeit getötet haben, weil er wohl keine Lust gehabt habe, dem Tier weiter hinterherzulaufen. Das Gespräch zeigen wir im Video.

Dass ein Feuerwehrmann zu scharfer Munition greift, um das Zebra zu bändigen, ist für Angelo Madel unverständlich: "In meinen Augen ist er ein Monster." Der Zirkus-Dompteur sagt deshalb jetzt: Das war Mord! Zirkusdirektorin Adriane Ortmann kündigte am Freitag an, den Mitarbeiter der Feuerwehr auf Schadensersatz zu verklagen. "Wir haben bereits einen Anwalt kontaktiert", so Ortmann.

Augenzeugin widerspricht der Stadt Rostock

02.10.2019, Mecklenburg-Vorpommern, Tessin: Ein beschädigtes Auto steht nach einem Auffahrunfall auf der Autobahn A20 bei Tessin. Der Unfall kam durch eines von zwei entlaufenen Zirkus-Zebras zustande. Das Zebra war mit einem Artgenossen in der Nacht
Das Zebra verursachte einen Auffahrunfall auf der A20 bei Tessin.
© dpa, Bernd Wüstneck, bwu

Die Stadt Rostock hat die tödlichen Schüsse auf das Zebra verteidigt. Stadtsprecher Ulrich Kunze sagte, der Zirkus sei seiner Verantwortung nicht gerecht geworden. "Deshalb mussten wir zum Schutz der Allgemeinheit schnell handeln." Das Tier sei 60 Meter von den Rettern entfernt gewesen, Betäubungsgewehre träfen aber nur auf 40 Meter. Eine Augenzeugin berichtet allerdings, dass der Feuerwehrmann aus zehn Meter Entfernung geschossen habe.

Die Polizei Rostock erklärte, es seien keine strafrechtlichen Ermittlungen, insbesondere keine Todesfallermittlungen, aufgenommen worden, da es sich um ein Tier handele. Die Beamten versuchten aber, die Umstände aufzuklären. Auch die Feuerwehr bemühe sich um Aufklärung, teilte eine Sprecherin mit.