Vettel: Webber hatte Sieg in Malaysia nicht verdient

Vettel: Keine Reue gegenüber dem Teamkollegen
Vettel: Keine Reue gegenüber dem Teamkollegen
© dpa, Jens Büttner

11. April 2013 - 18:36 Uhr

"Mark hatte den Sieg zu dem Zeitpunkt nicht verdient!" Sebastian Vettel hat zwei Wochen nach dem Stallorder-Zoff in Malaysia den Kleinkrieg mit seinem Red-Bull-Teamkollegen weiter eskaliert.

Er habe sich nach dem Rennen lediglich bei seinem Team dafür entschuldigt, die Stallorder ignoriert zu haben, nicht jedoch bei Webber, machte Vettel vor dem dritten Saisonlauf in China deutlich. "Ehrlich gesagt, haben die Leute nicht verstanden, wofür ich mich entschuldige", meinte Vettel im Motorhome seines Arbeitgebers auf dem Shanghai International Circuit.

"Fakt ist: Ich fahre Rennen, war schneller als er und habe ihn überholt", sagte Vettel, "ich entschuldige mich nicht dafür, das Rennen gewonnen zu haben. Ich sehe mich nicht als Bad-Boy." Auf gewisse Weise sei er sogar "stolz" auf seine Aktion, weil man "als Sportler ja in diesen Tunnel kommen will, wenn alle Dinge wie von alleine passieren". Seinen Imagekratzer steckt er gelassen weg: "Ich kann es nicht jedem recht machen."

Der dreimalige Weltmeister machte deutlich, dass er sich wahrscheinlich auch dann nicht an die Anweisung seines Teams in Malaysia gehalten hätte, wenn er den Funkspruch seines Teams verstanden hätte: "Weil Mark es wegen Vorkommnissen in der Vergangenheit nicht verdient hat, dass ich als Zweiter durch das Ziel fahre."

Eskaliert der Bullen-Krieg noch weiter?

Damit spielte Vettel unter anderem auf das Saisonfinale im vergangenen Jahr in Brasilien an, als ihn ein Manöver Webbers fast den WM-Titel gekostet hätte. Wenn man seine Aktion als Retourkutsche interpretieren wolle, "kann man das machen", sagte Vettel auf Nachfrage. Der Verhältnis zu Webber beschrieb Vettel als "professionelle Beziehung, aber ohne Vertrauen".

Einen offenen Krieg erwartet Vettel aber nicht. "Es gibt keinen Spalt im Team", betonte der WM-Spitzenreiter und erklärte sich offen für eine weitere Aussprache: "Aber bisher ist er nicht auf mich zugekommen." Bei Webber hatte das kurz zuvor auf der offiziellen Pressekonferenz des Internationalen Automobilverbandes FIA ganz anders geklungen.

"Wir können das nicht mit uns rumschleppen", forderte der Australier einen Schlussstrich und versuchte, den Streit mit Vettel herunterzuspielen. "Dass die Emotionen hochschlagen, ist normal. Das ist Teil des Jobs", sagte der 36-Jährige und begrüßte die Entscheidung von Red Bull, wegen der Vorfälle in Malaysia in Zukunft auf eine Stallorder verzichten zu wollen. "Das macht die Sache leichter", meinte Webber.

Ob er weiter für Red Bull fahren will, ließ der 36-Jährige offen. "Ich habe noch nie zu diesem Zeitpunkt der Saison eine Entscheidung über die Zukunft meiner Karriere getroffen", sagte Webber, dessen Vertrag bei den Roten Bullen Ende des Jahres ausläuft. Fraglich scheint, ob Webber in diesem Fall überhaupt etwas zu entscheiden hat. Gibt es doch deutliche Anzeichen, dass die Tage des neunmaligen GP-Siegers bei den Bullen gezählt sind.

Mit der Ankündigung, in Zukunft keine Teamorder mehr anzuwenden erteilte die Red-Bull-Teamleitung Vettel quasi eine Absolution für sein Malaysia-Manöver. Zudem flirteten Red-Bull-Berater Helmut Marko und Bullen-Boss Dietrich Mateschitz bereits offen um Lotus-Pilot und Vettel-Kumpel Kimi Räikkönen. Das bedeutet aber auch: Webber hat nichts mehr zu verlieren, der Bullen-Krieg könnte also noch weiter eskalieren.