Vettel von Pirelli ausgebremst: Was wusste Ferrari?

Zu schnell für Pirelli: Die Reifen am Auto von Sebastian Vettel lösen sich auf.
Zu schnell für Pirelli: Die Reifen am Auto von Sebastian Vettel lösen sich auf.
© dpa, Diego Azubel

19. April 2013 - 10:01 Uhr

"In Bahrain gibt es ja auch sehr tolle Trophäen, mitunter die schönsten in der ganzen Saison", machte sich Sebastian Vettel nach dem verpassten Podium in Shanghai Mut für den Großen Preis von Bahrain, das zweite Kräftemessen der PS-Elite binnen einer Woche.

Doch wie schon am vergangenen Wochenende in China muss Vettel wohl auch in der Wüste von Bahrain wieder mit stumpfen Waffen kämpfen. Den Grund nennt RTL-Experte Niki Lauda: "Wegen der hohen Temperaturen dort bleibt die Riefenproblematik ein Riesenthema." Ein Thema, das Vettel und sein Red-Bull-Team jedoch mehr beschäftigt als die direkten WM-Rivalen Ferrari und Lotus – und den dreimaligen Champion mächtig nervt.

"Das hat im Moment nicht viel mit Rennfahren zu tun, weil man das ganze Rennen nur auf die Reifen auslegen muss", machte der 25-Jährige in Shanghai seinem Unmut Luft. "Das Kräfteverhältnis ist ein Scherz." Was Vettel meint: Red-Bull-Designer Adrian Newey hat zwar wieder den schnellsten Boliden der Königsklasse gebaut - aber die Pirelli-Reifen verhindern, dass das Auto seine Stärken ausspielen kann.

Die liegen wie schon in den vergangenen Jahren vor allem im Bereich der Aerodynamik und des Abtriebs. Kein Auto kommt besser durch schnelle Kurven als der Red Bull. Genau das ist in dieser Saison das Problem: Denn je höher die Kräfte, die auf die Reifen wirken, umso schneller nutzen sie ab. "Wir wissen, dass das Auto schnell ist. Aber leider sind die Reifen nicht so schnell wie unser Auto", musste Vettel feststellen.

Wusste Ferrari frühzeitig Bescheid?

Bei Red Bull ist man stinksauer. "Wir können noch nicht dafür bestraft werden, dass wir das schnellste Auto gebaut haben", beschwerte sich Teamchef Christian Horner. Zumal Red Bull durch die neuen Pirelli-Pneus gleich doppelt bestraft wird: Sie verhindern nicht nur, dass die Autos ihre technische Überlegenheit ausspielen können, sondern bremsen die Bullen im Vergleich zur Konkurrenz zusätzlich ein, weil der technische Vorsprung zum Nachteil wird.

"Es macht einen großen Unterschied, ob du mit Tempo 240 oder 260 durch eine Kurve fahren kannst. 20 km/h mehr gehen richtig aufs Gummi", beschreibt Force-India-Pilot Adrian Sutil das Problem der schnelleren Autos. Bei Pirelli sieht man die Sache dagegen etwas anders. "Es gehört eben auch zur Formel 1, ein Auto zu entwickeln, das im Zusammenspiel mit den Reifen am besten funktioniert", sagte Pirelli-Motorsportchef Paul Hembery. "Lotus und Ferrari haben das gut geschafft."

Bei Lotus scheint es jedoch vor allem am Fahrstil von Kimi Räikkönen zu liegen, denn Teamkollege Romain Grosjean fährt weit hinterher. Bei Ferrari dagegen bewegt sich Felipe Massa plötzlich wieder auf Augenhöhe mit seinem spanischen Teamkollegen Fernando Alonso - was vor allem für das Auto spricht. Denn der Brasilianer kann nur dann schnell sein, wenn das Auto gut ist. Das haben die vergangenen beiden Jahre gezeigt.

Pikantes Detail: Die Pirelli Testfahrer Jaime Alguersuari und Lucas die Grassi stammen aus Spanien und Brasilien. Laut einem Bericht von 'Sport Bild' hegt das Red Bull Lager den Verdacht, dass die beiden ihren Landsmännern in Diensten von Ferrari frühzeitig Details über das Fahrverhalten der neuen Pirelli-Pneus verraten haben. Pirelli-Boss Hembery dementierte zwar umgehend: "Ich kann mir nicht vorstellen, dass so etwas passiert ist." Allerdings ist Pirelli wie Ferrari eine italienische Firma - ein Umstand, der die Gerüchteküche weiter anheizt.

Immerhin: In Bahrain wird Pirelli den Teams nicht wie ursprünglich geplant wieder die gleichen Reifen wie beim China-GP, weich und medium, zur Verfügung stellen. Nach den Erfahrungen von Shanghai hat sich der italienische Reifenhersteller entschieden, stattdessen die medium und die harte Mischung anzubieten. Für Vettel zumindest ein kleiner Hoffnungsschimmer, dass er doch einen Pokal aus der Wüste mit nach Hause nehmen kann.