Vettel: Nur noch die Nummer 2 im Team?

Sebastian Vettel schaut etwas verkniffen auf den strahlenden Sieger Mark Webber
© dpa, Valdrin Xhemaj

09. Juli 2012 - 11:40 Uhr

Sebastian Vettel wahrte die Fassung. Erstaunlich gelassen wertete er seinen 3. Platz beim Großbritannien-GP nach außen hin als Erfolg. "Nach dem bitteren Ausfall in Valencia war das ein gutes Rennen für uns, darauf kann man aufbauen", befand der Titelverteidiger. Doch tief in ihm drin wird es brodeln, denn ausgerechnet seine beiden größten Rivalen Fernando Alonso und Mark Webber landeten in Silverstone vor ihm.

Nach 9 von 20 Rennen muss sich Vettel langsam große Sorgen um die Titelverteidigung machen. Mit 100 Punkten hat der 25-Jährige nun schon 29 Zähler Rückstand auf den Silverstone-Zweiten Alonso und 16 auf Webber, gegen den Vettel diesmal absolut chancenlos war. Vettel hatte am Start zu viel eingebüßt, um am Ende ganz vorn zu stehen.

"Das war eine der Strecken, auf der Mark immer schneller war", kommentierte Red-Bull-Teamchef Christian Horner den besseren Ausgang für den Australier im Teamduell mit Vettel. Respektvoll, aber etwas schmallippig gratulierte der sonst teilweise vor lauter Ehrgeiz zornig reagierende Deutsche seinem Red-Bull-Kollegen, der im WM-Titelkampf kräftig mitmischt: "Ich habe den Vorteil, dass er in meinem Team ist. So kann ich sehen, was er macht", sagte Vettel.

Webber ist derzeit die Nummer 1

Seinen Status als unumstrittene Nummer 1 im Team ist Vettel auf jeden Fall los. Die derzeitige Situation im Team ist kein Vergleich zu 2010, als Webber ebenfalls den Großbritannien-GP gewann und anschließend den berühmten Satz über den Boxenfunk sprach: "Not bad for a number two driver". Diesmal verkniff sich "Super-Mark" ('Daily Mail') ähnliches Triumphgeheul. In die entscheidende Phase der Saison geht der Australier mindestens auf Augenhöhe mit Vettel.

Routinier Webber will auf seine alten Rennfahrer-Tage endlich den großen Coup schaffen. "Ich habe den Typen auf Platz 1 im Auge", sagte er nach seinem zweiten Saisonsieg mit einem Seitenblick auf WM-Spitzenreiter Alonso und fügte hinzu: "Im Moment habe ich sicher keine Probleme mit dem Selbstbewusstsein."

Vettel wartet dagegen seit Bahrain im April auf den zweiten Erfolg in diesem Jahr. Mit Kuala Lumpur und Valencia hat er schon zwei 'Nuller' hingelegt. Einen weiteren Ausfall kann er sich nicht erlauben, dann könnte Webber in der WM-Wertung davonziehen und Red Bull wäre quasi dazu gezwungen, voll auf den 'Aussie' zu setzen. "Der Schlüssel ist, immer Punkte zu holen", urteilte Vettel. Er setzt seine ganze Hoffnung jetzt auf den Heim-GP in zwei Wochen auf dem Hockenheimring. "Es sollte gut für uns werden", so Vettel.