US-Wahl 2020

Der Trump-Clan und der verzweifelte Kampf um die Macht

09. November 2020 - 9:55 Uhr

Eric und Donald Trump Jr. kämpfen für ihren Vater - Melania und Ivanka schweigen

Donald Trump Jr. spricht vom "totalen Krieg ums Weiße Haus". Der Familie droht viel, nicht nur der Verlust der Macht, sondern auch Pleiten und Prozesse. Wir werfen einen Blick auf den Trump-Clan – der im Warten aufs Wahl-Ergebnis sehr unterschiedlich auftritt.

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Donald Trump schwimmen die Felle davon - Donald Junior alarmiert

Während der Präsident in diesem kritischen Moment der US-Wahl nicht die fehlende Unterstützung durch die eigene Partei beklagen kann, macht es eben sein Sohn. "Die absolute Untätigkeit von praktisch allen, die sich 2024 für die republikanische Präsidentschaftskandidatur bewerben wollen, ist ziemlich erstaunlich. Sie haben die perfekte Bühne, um zu zeigen, dass sie willens und fähig sind zu kämpfen, aber sie knicken vor dem Medien-Mob ein", schrieb Donald Trump Junior am Donnerstagabend auf Twitter. Tatsächlich hatte sich bis dato kein einziger prominenter Republikaner hinter Trumps Betrugsvorwürfe gestellt.

Doch die Ermahnung des Sohnemanns saß: "Daily Beast" beobachtete, wie Bewegung in die Sache kam. 20 Minuten später forderte der republikanische Senator Tom Cotton aus Arizona wie Trump, nur legale Stimmen zu zählen. Ähnlich formulierte es Rick Scott, Senator aus Florida. Der texanische Senator Ted Cruz verbreitete ein Video, das einen Mann zeigt, der angeblich nicht die Auszählung in Pennsylvania beobachten durfte.

Bis Freitagmorgen äußerten sich auch Vize-Präsident Mike Pence, der Vorsitzende des Justiz-Ausschusses im Senat, Lindsey Graham, und der Mehrheitsführer im Senat, Mitch McConnell. Sie forderten allesamt eine rechtmäßige Auszählung. Die Behauptung, es gäbe einen massiven Betrug, machten sie sich nicht zu eigen.

Im Video: "Die Geheimnisse des Donald Trump"

Auch die Dokumentation "Die Geheimnisse des Donald Trump" beschäftigt sich – auf verschiedenen Ebenen – mit dem Phänomen Donald Trump und der Familie, die hinter ihm steht. Die Doku können Sie auf TV Now sehen.

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Nicht alle Trumps kämpfen mit der gleichen Leidenschaft

"Die rückgratlose republikanische Partei ist verschwunden, und jeder der nicht kämpft, sollte mit ihr gehen", erklärte der 42-jährige Donald Junior. Auch sein sechs Jahre jüngerer Bruder Eric tourte durch Medien und Twitter und warf allen sich zurückhaltenden Republikanern wahlweise fehlendes Rückgrat, mangelnden Mumm oder Undankbarkeit vor. Beide Söhne, die für Papas Firma - die Trump Organization - arbeiten, zeigten sich in ihrem heftigen Ton ihres Vaters ebenbürtig. Weil es andere nicht tun, muss die Familie ihrem Oberhaupt umso entschiedener zur Seite springen.

Dabei fällt auf, dass nicht alle so leidenschaftlich mit von der Partie sind. Melania Trump hatte schon in den vergangenen vier Jahren nicht den Eindruck vermittelt, dass ihr Herz am Amt ihres Mannes hängt. Trumps angebliches Lieblingskind Ivanka Trump und deren Ehemann Jared Kushner waren dafür umso mehr im Zentrum all dessen, was im Weißen Haus passiert. Auch im Wahlkampf hatte Ivanka sich mit vielen öffentlichen Auftritten für ihren Vater eingesetzt, und zwar erfolgreich: Unter Trump-Fans zieht sie genauso Massen an wie der Präsident. Sie erfüllt damit ein wenig die Rolle der First Lady, die ihre Stiefmutter nicht ausfüllen wollte oder konnte.

Nun aber: Schweigen. Auf Twitter und Instagram lobte sie zwar nach der Wahl noch einmal die politischen Leistungen ihres Papas. Zu den Betrugsvorwürfen aber nahm sie lange Zeit keine Stellung. Nicht einmal einen Hinweis auf die Spendensammlung ihres Vaters für die angekündigte Klagewelle oder den Link zur Seite, auf der Hinweise auf Wahlbetrug gemeldet werden können, verbreitete sie weiter. Freitagmittag schließlich stellte sie auf Twitter fest, dass nur legale Stimmen zählen sollten. Dass ein systematischer Betrug stattfinde, behauptete sie jedoch nicht.

Ivanka Trump als mögliche Erbin ihres Vaters

November 2, 2020, Kenosha, Wisconsin, USA: PRESIDENT DONALD J. TRUMP called up his son-in-law Jared Kushner and daughter IVANKA TRUMP to the stage at his rally at Kenosha Airport in Kenosha, Wisconsin. He credited LARA with his victory in North Carol
Ivanka Trump beim Wahlkampf am Kenosha Airport
© imago images/ZUMA Wire, Mark Hertzberg via www.imago-images.de, www.imago-images.de

Das erstaunt insofern, als dass sie und ihr Mann als Berater des Präsidenten im Oval Office ein und aus gehen. Möglich, dass Ivanka und Donald Trump uneins sind. Möglich auch, dass Ivanka Trump nicht die Schmutzarbeit der Kampagne machen soll, um sie nicht für die Zukunft zu verbrennen. Zumindest behauptet Trumps früherer Kommunikationschef Anthony Scaramucci, dass Trump seine Tochter gerne einmal als seine Nachfolgerin im Weißen Haus sehen würde.

Zumindest wäre Ivanka Trump erheblich besser auf das Amt vorbereitet, weil sie seit vier Jahren das Land praktisch mitregiert. Sie ist offiziell Beraterin des Präsidenten beim Thema Wirtschaft und Arbeitsplätze. Ihr Ehemann Jared Kushner war Trumps Sonderbeauftragter im Nahen Osten, wo er den Konflikt zwischen Israel und Palästina beilegen sollte. Auch in der Corona-Pandemie berät er Trump. Es gab immer wieder Berichte darüber, wie sehr sich Mitarbeiter im Weißen Haus und in den Ministerien von Trumps Familie vor den Kopf gestoßen fühlten, wenn diese Regierungsaufgaben an sich riss, ohne ein Amt innezuhaben.

Trump misstraut dem Establishment

Es ist auch Trumps Misstrauen in den bestehenden Regierungs- und Verwaltungsapparat geschuldet, dass er sich mit Vertrauten aus der Familie umgibt. Die vielen personellen Abgänge in Trumps Stab und Kabinett sind wohl beispiellos. Umso mehr konnte er, der vor seiner Präsidentschaftskandidatur auch kein eingefleischter Republikaner war, auf die Verwandtschaft bauen.

Die fehlende Hausmacht in der Republikanischen Partei hatte Trump nie auswetzen können. Zu sehr ist Trump eine One-Man-Show. Es ist ihm zwar gelungen, mit Lindsey Graham oder Mitch McConnell einige einflussreiche Partei-Größen für sich einzuspannen, aber ihre Loyalität ist ungewiss. Das gilt erst recht, für die vielen republikanischen Gouverneure und Senatoren, die sich bislang mit öffentlichen Aussagen zur Wahl zurückhalten. Der Trump-Clan weiß: Wenn Donald verliert, stehen sie womöglich allein da. Also kämpfen sie umso entschiedener - im Zweifelsfall auch allein.

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TVNOW-Doku: Trump oder Biden - der Kampf ums Weiße Haus

US-Präsident Donald Trump liebt Twitter. Über das Soziale Netzwerk wendet er sich unmittelbar an seine Wähler, versucht, klare Worte zu finden, und sorgt damit so manches Mal auch für Irritationen. Welche Rolle spielt Twitter in seinem Amt wirklich? Was bezweckt er mit seinen Tweets? Die Dokumentation geht dieser Frage auf den Grund und zeigt, wie schon Präsidenten vor ihm die Kraft der Medien zu nutzen wussten.