Verzweifelte Suche nach einem Schlafplatz: Flüchtlinge irren durch Berlin

21. August 2015 - 10:29 Uhr

Obdachlos – trotz Recht auf Unterkunft

Jeden Abend irren Hunderte Flüchtlinge auf der Suche nach einem Schlafplatz durch Berlin – die Notunterkünfte sind voll. Viele Hotels lehnen die Asylsuchenden ab, obwohl sie Übernachtungsgutscheine haben. Private Hilfe ist oft ihre letzte Chance.

Berlin obdachloser Flüchtling
Ahmad wartet vor der Notunterkunft auf einen Schlafplatz - vergeblich.

Ahmad sitzt jeden Tag auf der Wiese vor der Erstaufnahmestelle in Berlin, doch einen Platz hat er noch nicht bekommen. Er ist aus Afghanistan geflohen – und in Deutschland nun obdachlos. Auf die Frage, wo er schläft, antwortet er: "Im Park. Auch auf der Straße. Manchmal helfen mir Deutsche in der Nacht und lassen mich bei ihnen zu Hause schlafen". Ahmad hat vom Land Berlin zwar einen Hotelgutschein bekommen, konnte ihn aber noch nirgendwo einlösen.

Wie kann das sein, dass Flüchtlinge obdachlos sind, obwohl sie per Gesetz ein Recht auf eine Unterkunft haben? RTL-Reporterin Nina Lammers erklärt: "Seit gestern versuchen wir, eine Stellungnahme von den Verantwortlichen zu bekommen, aber bislang wurde uns immer gesagt, alle Verantwortlichen seien in Terminen und hätten keine Zeit". Wilhelm Polster, Geschäftsführer eines Berliner Hotels, weigert sich, weitere Flüchtlinge aufzunehmen. Nach eigener Aussage schulde ihm das Landesamt bereits 55.000 Euro. "Wir sind ein kleines mittelständisches Unternehmen mit zwölf Angestellten und diese Außenstände bereiten uns ziemlich große Probleme, zum Beispiel die Löhne zu zahlen oder die Miete."

In dieser Situation sind viele Flüchtlinge auf private Hilfe angewiesen. Der 13-jährige Rehan, der ebenfalls keinen Schlafplatz gefunden hat, wird von freiwilligen Helfern an die Studentin Florentine vermittelt, die ihn spontan aufnimmt. "Heute Morgen hat das eine Freundin bei Facebook geteilt, dass sie immer noch Unterkünfte suchen. Ich hab den Platz ja. Ich habe keine Umstände damit, dass sie hier übernachten."