Verwirrung um Geiselbefreiung in Syrien: Befreiung entführter UN-Soldaten wird zur Hängepartie

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Die entführten UN-Soldaten in einem Video der Rebellen - ist die geplante Befreiung geplatzt?

Geiselnahme setzt syrische Opposition unter Druck

Die Freilassung von den 21 in Syrien entführten UN-Soldaten wird zunehmend zur Hängepartie. Wie Raul Hernandez, Sprecher des syrischen Außenamts, mitteilte, seien die Geiseln noch immer in der Gewalt der Rebellen – der erste Anlauf der Befreiung wäre damit gescheitert. "Was uns mitgeteilt wurde ist, das sie heute, am frühen Morgen freigelassen werden sollten – aber es ist nichts passiert."

Zunehmend entwickelt sich die Geiselnahme zu einem Test dafür, wie viel Einfluss die syrische Opposition auf die bewaffneten Aufständischen hat. Ein Sprecher der Nationalen Syrischen Koalition in Istanbul teilte mit, das Oppositionsbündnis habe eine Delegation nach Jordanien geschickt, um dort mit Kommandeuren der 'Freien Syrischen Armee' (FSA) über die Freilassung der philippinischen UN-Soldaten zu sprechen.

Der Sprecher lehnte es jedoch ab, die Gefangennahme der Blauhelme zu verurteilen. Stattdessen sagte er, diese würden "wie Gäste behandelt". Außerdem hätten die Rebellen Beweise dafür, dass die UN-Soldaten den Regierungstruppen geholfen hätten, wenn auch offensichtlich nicht militärisch.

Die Rebellen fordern den Rückzug der Truppen von Präsident Baschar al Assad aus der Region um Dschamla und ein Ende der Luftangriffe. Ein Sprecher der Brigade 'Märtyrer von Jarmuk', in deren Gewalt sich die Geiseln befinden, erklärte: "Zwischen den Parteien wird nicht verhandelt."

Zuvor hatte es geheißen, die philippinischen UN-Soldaten könnten bald frei kommen und an Vertreter des Internationalen Roten Kreuzes übergeben werden.

Die Soldaten waren in der syrischen Provinz Daraa nahe den Golan-Höhen an der Grenze zu Israel verschleppt worden. Sie gehören der Undof-Mission an, die seit den 1970er Jahren eine syrisch-israelische Waffenruhe auf den Golan-Höhen überwacht. Während ihres regulären Einsatzes seien die Blauhelme von etwa 30 Aufständischen gestoppt worden, teilten die UN mit.

Der UN-Sicherheitsrat hatte die Entführung auf das Schärfste verurteilt und die sofortige Freilassung der Blauhelmsoldaten gefordert. Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) erklärte in Berlin: "Neutrales Personal der Vereinten Nationen darf nicht zum Spielball der Interessen im syrischen Bürgerkrieg werden."

Lage im syrischen Grenzgebiet spitzt sich zu

Die 'Märtyrer von Jarmuk' waren für die Entführung von den übrigen Mitgliedern der syrischen Oppositionsbewegung scharf kritisiert worden. Viele Revolutionäre forderten die sofortige Freilassung der UN-Soldaten und warfen den Rebellen vor, diese hätten "dem Ansehen unserer Revolution geschadet".

Peinlich war die Entführung für die Rebellen auch, weil am gleichen Tag der Generalstabschef der FSA, Oberst Salim Idriss, die EU-Staaten um die Lieferung moderner Waffen gebeten hatte.

Die Lage im syrischen Grenzgebiet scheint sich währenddessen zuzuspitzen: Acht Soldaten der gleichen Einheit wie die 21 entführten Philippiner haben sich nach Israel abgesetzt. Angesichts der Gefechte zwischen regulären syrischen Truppen und Rebellen um den Ort Dschamla hätten die Soldaten um ihr Leben gefürchtet, berichtete die israelische Zeitung 'Haaretz'. Eine Sprecherin des israelischen Militärs bestätigte auf Anfrage, dass die acht UN-Blauhelme in Israel seien.