"Weihnachten war eine Katastrophe"

Verwahrlostes Kind in Eberswalde: Mutter bestreitet alle Vorwürfe im RTL-Interview

17. Januar 2020 - 10:55 Uhr

Im Video: Jetzt spricht die Mutter!

Es sind schlimme Vorwürfe gegen eine Familie in Eberswalde: Die fünfjährige Mia soll jahrelang kein Tageslicht gesehen haben. RTL-Reporter Heinz Kegl hat exklusiv mit der Mutter der Kleinen gesprochen. Sie schildert den Fall aus ihrer Sicht: "Weihnachten war eine Katastrophe. Es war herzzerreißend, als alle drei Kinder aus der Wohnung geholt wurden." Im Video erzählt sie, wie sehr die Situation sie belastet.

Mia litt wohl an Autismus

Kathleen S.
Mias Mutter Kathleen S. spricht im RTL-Interview, wie sehr die Situation sie belastet.
© RTL.de

Mia ist gerademal fünf Jahre alt. Laut ihrer Mutter Kathleen S. soll sie autistisch sein. Deshalb sei sie auch in psychiatrischer Betreuung im örtlichen Krankenhaus. Deshalb habe sie auch Essstörungen. Zu dem Vorwurf, dass Mia jahrelang im Dunklen gelebt haben soll, sagt sie: "Die Jalousien sind oft unten, weil die Wohnung im Erdgeschoss ist. Es gibt keine Vorhänge von innen. Wir wollen ja nicht, dass man uns in die Wohnung reinschaut."

2017 habe es beim Jugendamt erstmals eine Meldung wegen Kindeswohlgefährdung gegeben. Danach sei es zu einem Gespräch gekommen, doch der Vorwurf sei widerrufen worden. Auch mit den älteren Kindern habe es immer wieder kleinere Probleme gegeben. "Unsere älteste Tochter hat ab und zu keine Lust gehabt, zur Schule zu gehen. Die Schule muss das natürlich melden, aber das wird dann alles zusammengelegt und dann fällt das unter Kindeswohlgefährdung."

Mutter weiß nicht, wo ihre Tochter untergebracht ist

Wohnung von Kathleen S. in Eberswalde
In der Wohnung sind überall Bilder von Mia zu finden.
© RTL.de

Am 20. Dezember sei das Jugendamt plötzlich wieder vor der Tür gewesen. Das ist die Sicht der Mutter: "Sie haben gesagt, sie hätten wieder eine Meldung bekommen. Wir waren ziemlich geschockt. Wir hatten doch einen Betreuer!" Mia sei dann mitgenommen woren. "Sie hat sich noch mit Händen und Füßen gewehrt. Wir wurden da stehen gelassen wie der letzte Dreck."

Die Mutter verstehe die Welt nicht mehr. Mia sei jetzt bei einer Pflegefamilie oder in einer Pflegeeinrichtung untergebracht. "Wir mussten zusehen, wie uns unser Kind entrissen wurde. Jetzt wissen wir nicht mal, wo sie ist." Sie erhebt ihrerseits Vorwürfe gegen das Jugendamt: "Unsere Betreuerin, die mit uns gearbeitet hat, hat gleichzeitig gegen uns gearbeitet."

Fachanwalt nimmt Jugendamt-Mitarbeiter in Schutz

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft habe Mia in einem Kinderbett im Schlafzimmer der Mutter geschlafen. "Es spricht nach dem Durchsuchungsbericht bisher nichts für die These, das Kind sei weggesperrt worden", sagte Staatsanwalt Ingo Kechichian in Frankfurt (Oder). Es sei aber auch nicht ausgeschlossen. Das sage zudem nichts darüber aus, ob das Kind wenig Tageslicht gesehen habe. Das Mädchen sei dem Bericht eines Krankenhauses zufolge unterernährt, verhaltensauffällig und sprachgestört gewesen.

Gleichzeitig sieht das brandenburgische Innenministerium mögliche Versäumnisse beim Jugendamt. Die Behörden im zuständigen Landkreis Barnim verteidigten bei einer Pressekonferenz das Vorgehen in dem Fall. Die Familie sei der Behörde im Jahr 2017 erstmals aufgefallen, habe jedoch alle Hilfsangebote abgelehnt. "Ob das Jugendamt alle Möglichkeiten ausgeschöpft hat, um mit den Kindern direkt in Kontakt zu kommen, ist offen", erklärte das Ministerium. Ein Fachanwalt für Familienrecht nimmt die Mitarbeiter dagegen in Schutz: "Das Jugendamt ist nicht dafür zuständig, Straftaten zu verfolgen oder ein verlängerter Arm von Staatsanwaltschaft oder Polizei zu sein", sagt er.