Ermittlungen zu verwahrlostem Kind in Eberswalde

Ministerium leitet Verfahren gegen Jugendamt ein

© dpa, Patrick Pleul, ppl dul

15. Januar 2020 - 17:32 Uhr

Regierung sieht Versäumnisse der Behörden

Nach einem Bericht über die schwere Vernachlässigung eines Kindes in Eberswalde hat das Jugendministerium in Brandenburg ein Verfahren gegen das Jugendamt des Landkreises Barnim eingeleitet. Die Landesregierung sieht mögliche Versäumnisse der örtlichen Behörden.

Jugendamt muss Infos an Staatsanwaltschaft weitergeben

Aus der Stellungnahme des Amtes habe sich ein Anfangsverdacht ergeben, dass Mitarbeiter "möglicherweise wichtige Schritte" zur Sicherung des Kindeswohls unterlassen hätten, teilte das Ministerium mit. "Daher hat das Jugendministerium - als Rechtsaufsicht über die Jugendämter - eine Überprüfung eingeleitet, die das Handeln des Jugendamtes im vorliegenden Fall in den Blick nimmt." Die Staatsanwaltschaft Frankfurt (Oder) sei informiert worden.

Das Jugendamt hatte das fünf Jahre alte Mädchen im vergangenen Dezember in Obhut genommen. Insgesamt vier Gefährdungsmeldungen zur Eberswalder Familie habe das Jugendamt zwischen Sommer 2017 und Frühjahr 2019 erhalten, berichtete das Ministerium. Sie betrafen demnach fehlende Vorsorgeuntersuchungen, mögliche Entwicklungsrückstände bei dem Kind, verbale und körperliche Gewalt sowie Vernachlässigung.

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Am Ende seien jedoch jedes Mal die Bemühungen des Jugendamtes für eine Kooperation mit den Eltern gescheitert. "Gesprächs- und Hausbesuchstermine wurden von den Kindeseltern abgesagt, kurzfristig nicht wahrgenommen oder erfolgten mit erheblicher zeitlicher Verzögerung", erklärte das Ministerium. Die Eltern hätten von sich gewiesen, dass sie Gewalt angewendet hätten. "Ob das Jugendamt alle Möglichkeiten ausgeschöpft hat, um mit den Kindern direkt in Kontakt zu kommen, ist offen", erklärte das Ministerium. "Dennoch schätzte das Jugendamt ein, dass keine Gefährdung für die Kinder vorlag."

Geprüft werden müsse nun, ob die Behörde die insgesamt drei Kinder der Familie in Augenschein genommen habe, das Familiengericht angerufen habe, weil die Eltern beim Einschätzen der Gefährdung nicht mitgewirkt hätten, und ob Maßnahmen zum Schutz der Kinder eingeleitet wurden. Die beiden Geschwister kamen dem Landkreis zufolge zeitgleich mit dem fünfjährigen Mädchen in Obhut, bei ihnen gab es demnach aber keine Hinweise auf eine derartige Vernachlässigung. Die Staatsanwaltschaft Frankfurt (Oder) beschlagnahmte die Patientenakte des Mädchens. Jetzt sei geplant, das Kind zu begutachten, sagte ein Sprecher der Behörde am Mittwoch.