Verurteilter Sextäter schlägt auf Freigang mehrmals zu - zuletzt bei 14-Jähriger

14. Oktober 2016 - 8:40 Uhr

Verurteilt und der Justiz bekannt

Wenn ein unbekannter Sextäter immer wieder zuschlägt, und Polizei und Justiz ihm nicht habhaft werden können, dann ist das schon schlimm genug. Wenn aber ein der Justiz bekannter, überführter und verurteilter Sexualstraftäter mehrmals Frauen sexuell belästigt, drängen sich einige unangenehme Fragen auf. Ebenso kommen Zweifel am Umgang der Behörden mit solchen Straftätern auf.

Nahe München wurden mehrere Frauen Opfer eines solchen verurteilten Straftäters. Im Alter von 23 hatte der heute 38-Jährige das erste Mal zugeschlagen, danach verging er sich wiederholt an Frauen, schließlich wurde er gefasst, wegen Vergewaltigung verurteilt und als Wiederholungstäter nach Paragraf 63 StGB in eine psychiatrische Klinik eingewiesen. Dies schreibt der Paragraf vor, wenn der Täter "für die Allgemeinheit gefährlich ist".

Diese Gefahr aber sahen die zuständigen Ärzte nicht, ignorierten oder unterschätzten sie, und so erhielt der Mann immer mal wieder Freigang. Diesen Freigang nutze er jedoch, um sich erneut an Frauen zu vergehen. Er beging die Taten immer in der gleichen Gegend, nahe des S-Bahnhofs Grafing, zwischen München und Wasserburg, wo er in der Klinik untergebracht war.  Zuletzt traf es ein 14-jähriges Mädchen, das sich auf dem Heimweg befand.

Der 38-Jährige fasste das Mädchen zunächst an den Po. Dann packte er es an den Schultern und forderte es auf, ihn zu befriedigen. Doch die 14-Jährige konnte sich losreißen. Der Mann lief ihr nach, packte sie erneut. Das Mädchen biss ihm in die Hand. Als ein Auto anhielt, ergriff der Mann die Flucht. Er floh zurück in die Klinik, die er nach heutigem Kenntnisstand nie hätte verlassen dürfen. Bei anderen Freigängen hatte er sich mehrfach gegenüber mehreren Frauen entblößt oder in ihrem Blickfeld onaniert. 

Klinik muss sich Fragen gefallen lassen

Seit gestern steht der Mann erneut vor Gericht und muss sich für die Taten verantworten. Klären müsste man aber auch die Frage, warum er überhaupt die Gelegenheit bekam, diese Taten zu begehen. Warum durfte er die Klinik überhaupt verlassen? Gerichtssprecherin Andrea Titz dämpft die Hoffnungen: "Auf welcher Grundlage diese Entscheidungen getroffen werden, und was hier die konkreten Grundlagen waren, was hier der Anlass war, das ist eine Entscheidung, die hier nicht vom Gericht beantwortet werden kann."

Die Klinik selbst wollte sich bislang in der Angelegenheit bislang nicht äußern. Die Opfer jedoch hoffen, dass auch die Fragen, die mit den Entscheidungen der Klinik zu tun haben, geklärt werden.