Vertrauliches Papier der Bundesregierung

Studie: So sanft oder schwer könnte Corona uns treffen

Coronavirus - Testzentrum
© dpa, Patrick Pleul, ppl axs

28. März 2020 - 14:24 Uhr

Szenario für den schlimmsten und den besten Fall

Damit Deutschland um einen großen Ausbruch der Corona-Epidemie herumkommt, müssten deutlich mehr Virus-Tests gemacht werden. Das ist das zentrale Ergebnis einer vertraulichen Studie von Wissenschaftlern für die Bundesregierung, die RTL vorliegt. Die Forscher haben für die Regierung aufgeschrieben, welche Maßnahmen die Seuche wie stark stoppen würden. Herausgekommen sind unter anderem ein Szenario für den schlimmsten und eines für den besten Fall.

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Der schlimmste Fall

Verbreitet sich das Virus so gut wie unkontrolliert, wären bald 70 Prozent der Bevölkerung infiziert, bis Ende Mai würden mehr als 1,1 Millionen Menschen sterben. Das liegt vor allem daran, dass die Krankenhäuser in diesem Fall nur noch jeden fünften Intensivpatienten aufnehmen könnten.

Der Fall würde laut Studie eintreten, wenn der Staat nur wenig eingreift – zum Beispiel nur Großveranstaltungen verbietet und Reisemöglichkeiten beschneidet. Die Wissenschaftler sagen: Die Bundesregierung soll die Bevölkerung über dieses schlimmstmögliche Szenario aufklären. Denn wer Gefahr abwenden wolle, müsse sie kennen.

Der beste Fall

Selbst in diesem Szenario würden sich immer noch rund eine Million Menschen in Deutschland infizieren, 12.000 würden nicht überleben. Damit es so kommt, müsste die Regierung vor allem deutlich mehr Corona-Tests möglich machen. Zum 6.April bräuchte es pro Tag 50.000 Tests, Ende April müsste es pro Tag schon 200.000 Tests geben.

Im Moment sind es täglich nur etwa 30.000. Um das Virus auszubremsen, müssten die positiv Getesteten und ihr gesamter Kontaktkreis sofort isoliert werden, so die Forscher. Anders als bisher sollten sich auch Menschen testen, die selbst einen Ansteckungsverdacht haben. Mit diesen Maßnahmen hatte Südkorea die Epidemie erfolgreich gebremst. Die Ausnahmesituation würde laut Studie circa zwei Monate andauern.

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Corona wird uns noch Jahre begleiten

Für das Positiv-Szenario rechnet die Studie damit, dass um den 20.April herum der Höchststand an neu entdeckten Infektionen liegt. Danach würden sie sinken – und die harten Maßnahmen könnten Schritt für Schritt zurückgehen. Zum Beispiel könnten Kindergärten und Schulen wieder öffnen. Damit das Virus in Zukunft nicht wieder voll durchschlägt, müssten in den nächsten Jahren die regelmäßigen Tests aber weitergehen – und Infizierte auch weiterhin in Quarantäne.