Versuchter Mord statt "nur" ein dummer Streich

Freiheits- und Jugendstrafen für Steinewerfer aus Flensburg: "Sie nahmen den Tod der Insassen billigend in Kauf!"

Ein Aufnäher eines Justizbeamten, aufgenommen im Landgericht. Foto: Christophe Gateau/Archiv
Ein Aufnäher eines Justizbeamten, aufgenommen im Landgericht. Foto: Christophe Gateau/Archiv
© deutsche presse agentur

15. Februar 2021 - 14:51 Uhr

Alles nur ein Spaß? Nein! - entscheidet das Gericht

Seit November 2020 müssen sich drei junge Männer in einem Prozess wegen versuchten Mordes vor dem Landgericht Flensburg verantworten. Sie sollen im August 2018 unter anderem Steine auf einen fahrenden Kleinbus im Kreis Schleswig-Flensburg geworfen haben. Am heutigen Montag (15.02.) ist das Urteil gegen die drei jungen Männer gefallen. In ihrem Plädoyer hatte die Staatsanwaltschaft Flensburg Freiheitsstrafen von bis zu fünf Jahren für die drei Angeklagten gefordert. Der Tod von Menschen sei billigend in Kauf genommen worden, "um Spaß zu haben". Es sei nur ein glücklicher Zufall gewesen, dass niemand durch die geworfenen Steine verletzt wurde.

Fünf Jahre Knast für Sinan Y.

Zum Tatzeitpunkt sind Timo F. und Jan M. erst 18 und 19 Jahre alt. Sie sind arbeitslos, streunen herum, treffen sich gemeinsam mit dem damals 22 Jahre alten Sinan Y., um leerstehende Häuser anzuzünden und parkende Autos mit Steinen zu bewerfen. Dabei entsteht ein Schaden von fast einer halben Million Euro. Der Tiefpunkt: Sie werfen mit Pflastersteinen auf einen fahrenden Kleinbus.

Jetzt müssen sie dafür die Konsequenzen tragen: Das Landgericht Flensburg verurteilt die drei Angeklagten wegen versuchten Mordes und besonders schwerer Brandstiftung. Nach dem Jugendstrafgesetz muss Timo F. 4 Jahre und Jan M. 4,5 Jahre ins Gefängnis. Sinan Y. muss für 5 Jahre in Haft. Er war bei der Tat bereits 22 Jahre alt und fällt somit nicht unter das Jugendstrafgesetz.

Verteidiger forderten mildere Strafen

Die Anwälte der jungen Männer forderten maximal Bewährungsstrafen für die ebenfalls angeklagte Brandstiftung und Freispruch für den Steinwurf. Heute, kurz vor dem Urteil, hielt der Verteidiger für den Angeklagten Jan M. das letzte Plädoyer. Er sagte, sein Mandant sei sehr introvertiert und er bereue die Tat. "Der Sommer 2018 ist wie ein Fremdkörper in seinem Lebenslauf." M. selbst äußerte sich am letzten Prozesstag so: "Ich bedauere es zutiefst. Das Positive, was ich daraus ziehe: Ich habe mein komplettes Leben umgekrempelt." Dennoch: Auch Jan M. muss die nächsten 4,5 Jahre voraussichtlich in der Jugendarrestanstalt verbringen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Quelle: DPA / RTL.de