Verstörendes Ritual an Schule in Crivitz

Genitalien an Baum gerieben: Sechsklässler nötigen Fünftklässler

12. März 2019 - 11:02 Uhr

Schulleitung stellte bereits im Oktober Anzeige

Über mehrere Jahre hinweg soll es an der Regionalschule in Crivitz in Mecklenburg-Vorpommern zu einem verstörenden Aufnahmeritual gekommen sein. Dabei sollen ältere Schüler der sechsten Klasse jeweils einen Fünftklässler hochgehoben und seine Genitalien an einem Baumstamm gerieben haben.

Die Schulleitung soll bereits im Oktober Anzeige wegen Nötigung bei der Polizei erstattet haben. Doch erst jetzt kamen die Vorfälle durch einen Bericht der "Ostsee-Zeitung" ans Licht, die einen anonymen Hinweis erhalten hatte. Wie eine Psychologische Beraterin das Geschehen an der Schule einordnet, zeigt unser Video.

Verfahren wurde nach nur drei Monaten wieder eingestellt

Fast alle Schüler, die Opfer des Rituals wurden, seien in den Folgejahren selbst zu Tätern geworden, so die Zeitung. Insgesamt sollen 30 Kinder im Alter von zehn bis 13 Jahren Teil des Rituals gewesen sein. Die Polizei in Crivitz bestätigte der Zeitung, dass die Staatsanwaltschaft eingeschaltet worden sei.

Wie RTL bei der Staatsanwaltschaft erfuhr, wurde das Verfahren allerdings im Januar wieder eingestellt. Ein Schüler wurde zwar verhört, konnte jedoch keine genauen Angaben zu möglichen Tätern machen. Warum nicht noch weitere Schüler angehört wurden, ist nicht bekannt. Denkbar wäre nur ein Strafverfahren gegen die Schulleitung oder Aufsichtspersonen, da die Schüler noch nicht strafmündig waren.

Ministerium schickt Psychologen an die Schule

Das Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur in Mecklenburg-Vorpommern teilte RTL in einem Statement mit, dass die Vorfälle dem Schulamt in Schwerin bekannt seien. Außerdem habe man jetzt einen Schulpsychologen an die Schule entsandt, der herausfinden solle, ob man an der Schule weitere Unterstützung benötige. Es solle zusätzlich noch diese Woche einen Sprechtag geben, um allen mit Gesprächsbedarf ein Angebot zu ermöglichen.

Warum wurde nicht früher gehandelt?

Ruth Marquardt, Psychologische Beraterin, empfiehlt Eltern im Interview mit RTL, sich Unterstützung von Fachleuten zu holen. Die Folgen für Betroffene sind oft nicht abzusehen.  "Tatsächlich wirkt das auf ein Kind erst mal verstörend, es weiß überhaupt nicht, was da passiert. Es erlebt sich auch als ohnmächtig und als unterlegen", erzählt sie.

Obwohl die Vorfälle bereits seit Oktober bekannt sind, wird erst jetzt nach öffentlicher Berichterstattung vom Ministerium eingegriffen. Warum nicht schon viel früher gehandelt wurde, ist unklar.