"Lagatha" soll endlich nach Hause

Deutscher Riesenseeadler verirrt sich nach Polen - Finder wollen 10.000 Euro

Harald Schauß und seine Riesenseeadler-Dame Lagertha.
Harald Schauß und seine Riesenseeadler-Dame Lagertha.
© Wildpark und Greifvogelzoo Potzberg

19. Januar 2021 - 12:36 Uhr

Falkner Harald Schauß will seine Adler-Dame zurück

Über ein halbes Jahr war Riesenseeadler Lagatha verschwunden, bis ein anonymer Anrufer schließlich den entscheidenden Hinweis gab: Das Tier befindet sich in einer polnischen Auffangstation. Doch anstatt dem Besitzer in Deutschland Bescheid zu geben, fordert die Auffangstation jetzt knapp 10.000 Euro für die Versorgung. Hier erzählt Besitzer Harald Schauß die unglaubliche Geschichte und wie er seine Lagatha jetzt dank der Sozialen Medien doch zurückbekommt.

Lagathas Reise durch Deutschland: Was war passiert?

Lagatha war das erste Junge eines Riesenseeadler-Paares im Wildpark – eine große Freude, denn weltweit gibt es nur noch rund 5.000 Exemplare. "Das erste Junge bleibt bei uns immer bei den Eltern", erklärt Harald Schauss, Besitzer des Wildtier & Greifvogelzoos Potzberg in Rheinland-Pfalz, seine besondere Beziehung zu Lagatha. Im Sommer 2020 war sie noch ein Jungvogel, als sie zum ersten Mal ausfliegen sollte, doch sie habe sich verstoßen. "Das heißt, so ein junger Adler schraubt sich auf 2.500 Meter hoch und kommt dann nicht wieder runter. Der lässt die Flügel auseinander und lässt sich treiben", erklärt der erfahrene Falkner. In den kommenden Tagen und Wochen wurde das riesige Tier quer über Deutschland immer wieder gesehen. In Hanau, Kassel, Berlin, Brandenburg. "Als junges, unerfahrenes Tier hatte sie die Route komplett verloren", fasst Schauß zusammen. Schließlich sei sie über die polnische Grenze geflogen, wo sich ihre Spur für Monate verlor. "Aber im tiefen Inneren habe ich immer an sie geglaubt", sagt Schauß gegenüber RTL.

In der vergangenen Woche erreichte ihn dann ein Anruf, über ein halbes Jahr nach dem Verschwinden des seltenen Vogels. Der Anrufer wisse, dass sich das Tier in einer Auffangstation bei Stettin in Polen befinde. Schauß macht sich online auf die Suche und findet schließlich einen kleinen Artikel aus einer Lokalzeitung vom 19. Juli 2020. Dort wird berichtet, dass die Feuerwehr einen Riesenseeadler eingefangen habe. Er lässt sich die Fotos in besserer Auflösung schicken – und entdeckt tatsächlich seine eigene Telefonnummer auf der Beringung des Adlers.

Doch warum hat ihn die polnische Auffangstation nicht kontaktiert? Harald Schauß geht zur deutschen Polizei und erstattet Strafanzeige wegen Unterschlagung eines Fundtiers. "Das ist ein artgeschütztes Tier, da darf der Ring nicht entfernt werden", erklärt er. Dort habe man den Fall aufgenommen, glaube aber nicht, dass da schnell etwas passiere. Das Rechtssystem hätte schlicht zu lange gebraucht, erklärt der Falkner. Daraufhin wurde er selbst aktiv, schaltete Medien ein und verbreitete den Fall auf Social Media.

Harald Schauß mit seinem Riesenseeadler Lagertha.
Harald Schauß mit seinem Riesenseeadler Lagertha.
© Wildpark und Greifvogelzoo Potzberg

„Das ist eine Wahnsinnswelle"

Dann kam Bewegung in den Fall. "Das ist eine Wahnsinnswelle", beschreibt Schauß das Engagement der Tierfreunde im Netz. Menschen hätten ihn zu jeder Tages- und Nachtzeit angerufen und ihre Hilfe angeboten. Ein deutsch-polnischer Anwalt sollte dem Falkner schließlich bei den Verhandlungen helfen, doch dann wurden die Forderungen der Auffangstation immer höher – zum Schluss forderte die polnische Auffangstation umgerechnet 10.000 Euro. Geld, das der Falkner für sein Tier bezahlen würde, aber nicht kann. Der Greifvogelzoo Potzberg hat seit November wegen der Corona-Auflagen geschlossen und daher kommen auch keine Einnahmen mehr rein. Auf seiner Website ruft der Park zu Spenden auf.

Eine Tierfreundin mit polnischen Wurzeln bat schließlich ihre Hilfe an und wolle auf Polnisch vermitteln. Die Frau habe dem Mann der Auffangstation erklärt, wie aufgeheizt die Situation in Deutschland sei. Nach diesem Gespräch war der Mann bereit, das Tier freizugeben. "Er hätte wohl gedacht, ein paar Zloty zu verdienen", vermutet Harald Schauß.

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Lagertha sollte noch am Montag in Potzberg ankommen

Der passionierte Tierfreund will nicht, dass die polnische Auffangstation jetzt in ein schlechtes Licht gerückt wird. "Die machen auch viel Gutes", erklärt Schauß. "Es hat dem Mann sehr leidgetan. Menschen machen einfach Fehler. Er hat behauptet, er hätte das nicht gewusst."

Für den deutschen Falkner sei nur wichtig, dass er seine Lagatha zurückbekomme. Am späten Montagabend wollte das spezialisierte Transportunternehmen den riesigen Adler im Wildpark & Greifvogelzoo Potzberg abliefern.

Als Friedensangebot will Schauß dem polnischen Mann die Haltungskosten erstatten – und ihm die Gesetze rund um die Greifvogelhaltung erklären. Zusätzlich muss er auch für den eingeschalteten Anwalt und den Rücktransport aufkommen.