RTL/n-tv Frühstart

Verschwörungsexpertin Giulia Silberberger: “Staat muss mehr gegen Fake News tun”

15. Oktober 2019 - 10:01 Uhr

"Viele seichte Verschwörungstheoretiker kommen gerade auf"

Die Organisation Goldener Aluhut fordert im Kampf gegen Verschwörungstheorien mehr staatliches Engagement. Fake News und Verschwörungstheorien sind "ein Problem in unserer Gesellschaft", sagt Gründerin Giulia Silberberger beim RTL/n-tv Frühstart. Sie sei unsicher, "ob die Politik das Problem als solches erkannt hat". Nötig seien unter anderem mehr Bildungsangebote und auch lokale Anlaufstellen wie bei der Sektenberatung. "Dafür muss die Politik Gelder bereitstellen" statt zu kürze, sagt sie.

Inhaltliche Auseinandersetzung besser als Verbote

28.09.2019, Hamburg: Parteimitglieder der Alternative für Deutschland (AfD), stimmen während eines Parteitages ab. Die Hamburger AfD hat ihren Parteitag am Samstag mit einem selbstbewussten Blick auf die Bürgerschaftswahl eröffnet. Foto: Daniel Bockw
In diesem Jahr bekommt die Afd einen "Goldenen Aluhut" verliehen, unter anderem wegen ihrer Verschwörungstheorie einer geplanten "Umvolkung" Deutschlands.
© dpa, Daniel Bockwoldt, dbo

Während die Zahl der Verschwörungstheoretiker früher konstant gewesen sei, steige sie derzeit. Denn die Theorien "werden immer breitgefächerter und sie werden immer seichter", sagt sie weiter. Zudem trage das Internet zu deren Verbreitung bei. "Ganz viele seichte Verschwörungstheoretiker kommen gerade auf und das ist eine ganz große Gefahr."

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Als Gründe für die gestiegene Verbreitung und Empfänglichkeit nannte Silberberger unter anderem Enttäuschung über das bestehende System und die Politik sowie die Medien. Menschen, die sich "nicht gut vertreten oder gut informiert" fühlten, suchten dann im Internet nach alternativen Fakten. Dabei spielten auch eine fehlende Medienkompetenz und schlicht der Wunsch, an etwas zu glauben, eine Rolle. Komme all dies zusammen, seien die Betroffenen "leichte Opfer für die Verschwörungsideologen".

Ausstieg kann langer Prozess sein

HANDOUT - 14.10.2019, Syrien, Ain Issa: Ein von der syrischen arabischen Nachrichtenagentur (SANA) zur Verfügung gestelltes Bild zeigt, dass syrische Regierungstruppen in den Luftwaffenstützpunkt Al-Tabqa südlich der syrischen Al-Rakka-Region einrück
Verschwörungstheoretiker behaupten, Kriege im Nahen Osten dienten dazu, Flüchtlinge nach Europa zu treiben.
© dpa, -, KQ

Dabei warnte Silberberger vor einem "Kreislauf der Verschwörungsideologien". So würden Theorien durch Unter-Theorien gestützt und so das System letztlich immer weiter ausgeschmückt und ausgearbeitet. Obendrein bestehe die Gefahr einer Radikalisierung Einzelner.

Sie warnte davor, im Kampf gegen Verschwörungstheorien mit Verboten zu arbeiten. Dies treibe die Anhänger eher noch tiefer in ihre Gruppierungen. Vielmehr plädierte sie für eine inhaltliche Auseinandersetzung. Der Ausstieg aus der Szene könne dann mitunter ein langer Prozess sein, der sogar therapeutisch Hilfe benötige.

Als gängige Theorien der Verschwörungsanhänger nennt Silberberger etwa die Behauptung, die Kriege im Nahen Osten dienten dazu, Flüchtlinge nach Europa zu treiben und so das politische System zu destabilisieren aber auch die Annahme einer jüdischen Weltverschwörung sowie die Behauptung, Deutschlands sei kein souveränes Land.

Das ist der Goldene Aluhut

Silberberger
Giulia Silberberger

Giulia Silberberger ist Gründerin des gemeinnützigen Vereins "Der Goldene Aluhut". Die Organisation aus Berlin will auf das Problem der Verschwörungstheorien und Fake News aufmerksam machen und verleiht jedes Jahr den Goldenen-Aluhut-Award.

Ein Preisträger in diesem Jahr ist die Afd. Grund sei, dass die Partei ihren Wahlkampf mit Verschwörungstheorien bestreite - etwa mit der Behauptung einer geplanten Umvolkung Deutschlands.