Vermisstenfälle Inga und Elias: Wie viel Angst müssen Eltern haben?

31. Juli 2015 - 13:11 Uhr

Viele Kinder werden vermisst gemeldet - die meisten tauchen gleich wieder auf

Zwei Vermisstenfälle kleiner Kinder bewegen derzeit das Land, es gibt keine Spur. Eine unfassbare schwierige Situation für alle Beteiligten. Viele Eltern fragen sich jetzt, wie viel Angst man vor dem plötzlichen Verschwinden des eigenen Kindes eigentlich haben muss – und was das für die Erziehung bedeutet.

Vermisste Elias Inga Maddie
Nach Elias und Inga wird seit kurzem, nach Madeleine McCann (rechts) schon seit Jahren gesucht.

Immer wieder kommt es zu den Vermisstenfällen, die Eltern verzweifeln lassen: Die kleine Inga (5) verschwand vor zehn Wochen von einem Gutshof in Sachsen-Anhalt. Spürhunde suchen ganze Bundesländer ab, ohne Erfolg. Elias (6) spielte in dieser Woche direkt vor dem Elternhaus in Potsdam, als er plötzlich nicht mehr da war. Auch von ihm fehlt noch jede Spur.

Es gibt auch über lange Zeit ungeklärte Fälle – der bekannteste ist wohl der des 2007 in Portugal verschwundenen britischen Mädchens Maddie McCann, nach der auch jetzt noch gesucht wird. In Deutschland kam sogar schon 2001 Peggy Knobloch im bayrischen Lichtenberg nicht von der Schule nach Hause und blieb verschwunden. Dass die damals Neunjährige noch lebt, glaubt eigentlich niemand mehr. Heute wäre sie 23.

Selbstbewusstsein ist der größte Schutz

Die Initiative Vermisste Kinder warnt dennoch davor, Angst zu "einem Faktor der Kindeserziehung" zu machen. "So furchtbar Fälle wie die von Elias und Inga sind, so sehr müssen wir auch sehen, dass es sich hier um seltene Einzelfälle handelt und es keine grundsätzliche Bedrohungslage für Kinder in Deutschland gibt", sagte der Vorstand Lars Bruhns.

Denn: Jedes Jahr werden in Deutschland laut dem Verein rund 100.000 Kinder vermisst gemeldet. Aber in fast 100 Prozent der Fälle tauchten sie innerhalb kurzer Zeit wieder wohlbehalten auf.

Die Gratwanderung zwischen dem Schutz des Kindes und der nötigen Freiheit und Selbstständigkeit in der Entwicklung sei äußerst schmal, sagte Bruhns. "Der beste Schutz gegen Verbrechen sind starke, selbstbewusste Kinder."

Kinder, die sich wehren, die laut sind, die selbstbewusst sind, könnten oftmals ein Verbrechen abwehren, hätten die Erfahrungen gezeigt. "Auch eine Trillerpfeife kann - nach Anleitung und Einweisung der Eltern - als Hilfsmittel, um so in möglichen Notsituationen auf sich aufmerksam machen zu können, mitgeführt werden", so Bruhns.

Die Initiative bietet im Notfall Unterstützung an - sowohl den Familien, als auch den Ermittlern. Auch im Fall von Inga halfen sie bei der Öffentlichkeitsfahndung.