Vermisste Tramperin Sophia L.: Familie muss sich mit Hasskommentaren herumschlagen

21. Juni 2018 - 20:47 Uhr

Rechtspopulisten instrumentalisieren den Fall für ihre Zwecke

Sophia L. verschwindet, als sie per Anhalter von Leipzig nach Bayern trampen will. Kurz darauf wird ein Tatverdächtiger festgenommen. Die Polizei macht keine Angaben über Alter oder Herkunft des Mannes. Als durchsickert, dass er aus Marokko stammen soll, bricht in den sozialen Medien eine Diskussion über die Herkunft los. Sophias Angehörige zeigen sich entsetzt und positionieren sich gegen die rassistische Hetze.

Sophia L. engagierte sich gegen Rechts

In einem Brief an die Medien ruft der Bruder der vermissten Studentin zu Rücksichtnahme auf. "Sophia würde unter keinen Umständen wollen, dass auf ihre Kosten rassistische Hetze betrieben wird, wie es teils schon geschehen ist", heißt es in dem Schreiben. Seine Schwester sei in der Unterstützung von Geflüchteten aktiv und engagiere sich gegen Rechts.

Sophias Angehörige und Freunde beziehen offen Position. Einige von ihnen hätten rechte Hasskommentare bis hin zu Morddrohungen erhalten, schreibt er weiter. Das sei unerträglich.

"Diese mediale Stimmungsmache und die vielen selbstgerechten Kommentare sind an Abscheulichkeit kaum zu überbieten und zeigen, dass unsere Positionierung eine notwendige Reaktion war", heißt es in einem Statement von Angehörigen und Freunden auf Facebook. "Sollte sich herausstellen, dass der derzeitige Tatverdächtige auch der tatsächliche Täter ist, so werden wir das nicht leugnen. Wir wollen aber gleichzeitig auch klarstellen, dass er kein Täter ist, nur weil er aus Nordafrika kommt oder einer vermeintlich "fremden" Kultur angehört."

Polizei geht von einem Verbrechen aus

20.06.2018, Bayern, Plech: Die Rastanlage Sperbes an der Autobahn 9 hinter dem Autobahnparkplatz Sperbes zwischen Plech und Hormersdorf. Laut Polizei wurde am 19.06.2018 in der Nähe des Rastplatzes nach Hinweisen im Zusammenhang mit dem Verschwinden
Rastanlage Sperbes an der A9: Hier machte der Lkw-Fahrer über zwei Stunden Pause.
© dpa, Stephan Fricke, cul

Es gebe aber auch "ungeheure Unterstützung, Anstrengungen und Solidarität vieler Menschen". Vor allem dadurch sei es zum derzeitigen Ermittlungsstand gekommen. Das letzte Lebenszeichen von Sophia sei eine SMS mit dem Kennzeichen des Lkw, in den sie einstieg, erzählt ihr Bruder RTL. Wohl auch durch seine Hinweise ist die Polizei jetzt auf die Spur des möglichen Täters gekommen.

Sophia L. stieg offenbar am Schkeuditzer Kreuz bei Leipzig in den Lkw und wollte bis Nürnberg mitfahren. Von dort aus wollte sie weiter zu Freunden nach Amberg in Bayern. Laut Fahrtenschreiber machte der Lkw-Fahrer auf dem Rastplatz Sperbes auf der A9 vor Nürnberg über zwei Stunden Pause. Die Polizei hat den Parkplatz und das Umfeld intensiv abgesucht - bislang ohne Ergebnis. Auch der Verdächtige gibt keine weiteren Hinweise. Mittlerweile geht die Polizei davon aus, dass sie umgebracht wurde. "Wir erwarten, dass die Polizei alles unternimmt, um das Verschwinden von Sophia aufzuklären, und erwarten anschließend ein rechtsstaatliches Verfahren, sollte sich der Verdacht eines Verbrechens bestätigen", schreibt Sophias Bruder.