Sie bedeutet für viele die letzte Chance

Vermisst: Sandra Eckardt im Interview

© MG RTL D / Markus Hertrich

13. Mai 2019 - 11:19 Uhr

Sandra Eckardt: "Jeder Fall ist etwas Besonderes"

Sie ist das Gesicht und der gute Engel von "Vermisst". Für viele bedeutet Moderatorin Sandra Eckardt die letzte Chance, einen vermissten geliebten Menschen doch noch wiederzufinden. Wir haben mit der Hamburgerin gesprochen und eine ganze Menge über ihre Arbeit und vor allem über ihre Motivation erfahren.

"Ich möchte jedem Suchenden danken"

Sie geben nicht auf, bevor Sie nicht irgendeine Spur finden - und sei sie noch so klein. Was treibt Sie an?

Sandra Eckardt: "Bevor ich auf die Suche gehe, unterhalte ich mich immer sehr ausführlich mit den Menschen, die ein Familienmitglied vermissen. In der Sendung sieht man davon nur einen Ausschnitt. Sie erzählen mir sehr persönliche Dinge, oft auch aus Zeiten, die zu den schlimmsten ihres Lebens gehören, sie öffnen sich und vertrauen mir. Dafür möchte ich jedem Suchenden danken. Nach einem solchen Gespräch suche ich dann ja nicht für irgendjemanden, sondern für Menschen, die ich persönlich kennengelernt habe und die all ihre Hoffnung in mich setzen. Daran denke ich bei der Suche und das ist mein Antrieb."

Gibt es einen Fall, der Ihnen ganz besonders in Erinnerung geblieben ist?

Sandra Eckardt: "Das Schöne an der Sendung ist, dass jeder Fall einzigartig ist und so ist das auch bei mir in der Erinnerung. Jeder Mensch hat eine eigene Art, eine eigene Sehnsucht. Es folgt immer eine ganz eigene Suche und deswegen ist eigentlich jeder Fall etwas Besonderes."

Haben die sozialen Medien Ihre Suche erleichtert?

Sandra Eckardt: "Wenn es so einfach wäre, dann würde es die Sendung nicht mehr geben. Es sind schon wirklich die schwierigen Fälle, die wir in der Sendung zeigen. Manchmal ist das Internet eine große Hilfe, weil man dadurch weiterkommt oder auch Spuren der Menschen verfolgen kann. Oder man startet übers Internet einen Aufruf, da hilft es schon sehr. Aber wirklich am meisten helfen mir die Menschen, die vor Ort sind, die ich befragen kann, die sich an die Person erinnern, die mich weiterführen können, da muss ich schon vor Ort sein."

Was ist für Sie spannender – die Suche in einer Großstadt oder irgendwo im Nirwana?

Sandra Eckardt: "Meistens suchen wir ja nicht in Großstädten, es ist häufig schon auf dem Land, in der Einsamkeit. Was immer wichtig ist, sind Menschen, mit denen ich reden kann. Und dann ist es egal, wo man sich gerade befindet, sobald man erwähnt, man sucht ein Familienmitglied, jemand ist verschwunden, dann ist die Hilfsbereitschaft ganz, ganz groß. Und das habe ich in Peru, auf fast 5.000 Metern Höhe erfahren, aber auch in New York. Die Menschen öffnen sich alle und wollen wirklich helfen."

Fällt es Ihnen heute leichter als früher an fremde Türen zu klopfen?

Sandra Eckardt: "Am Anfang muss ich sagen, hatte ich schon manchmal ein mulmiges Gefühl, aber mittlerweile glaube ich einfach an das Gute im Menschen. Zum Glück ist mir noch nie etwas passiert oder Schlimmes widerfahren. Außerdem habe ich ja auch das Kamerateam dabei, dadurch fühle ich mich nicht so ganz allein."

"Im Flugzeug kann ich sehr gut schlafen"

Sandra Eckardt ist für "Vermisst" immer auf der Suche.
"Vermisst"-Moderatorin Sandra Eckardt reist quer durch Deutschland und in die entlegensten Winkel dieser Welt, um lang vermisste Familienangehörige ausfindig zu machen.
© MG RTL D / Markus Hertrich

Haben Sie bestimmte Rituale während der Flüge?

Sandra Eckardt: "Bei langen Flügen ist es im Flugzeug meist ganz kalt oder ganz heiß. Da habe ich gerne einen Kapuzenpullover an. Wenn ich dann Zeit für mich brauche, stecke ich ein Kissen in die Kapuze und ziehe sie mir über den Kopf. So kann ich mich dann richtig in die Ecke kuscheln. Außerdem hilft mir, dass ich sehr gut im Flugzeug schlafen kann. Das ist wie ein Reflex: Ich steige ein und denke daran, dass ich nach der Landung sofort fit sein muss – und dann schlafe ich. Ich bin selber jedes Mal überrascht, dass das so gut klappt."

Sie sitzen oft stundenlang im Flugzeug und müssen nach der Landung sofort parat sein. Wie schaffen Sie das?

Sandra Eckardt: "Mein Job ist ja ziemlich unglamourös. Wenn ich irgendwo ankomme, gucke ich als erstes, wie das Wetter ist und ziehe mir eine entsprechende Klamotte an. Ich schminke mich auch selber auf den Drehs. Das heißt, ich schaue, wo die nächste Toilette ist, hole mein Schminkzeug raus und lege los. Das ist manchmal ganz lustig, weil es noch mehr Menschen gibt, die das so handhaben. Ich habe mal auf einer Flughafen-Toilette eine Frau getroffen, die Kamine vertreibt - und die hat ihr Make-up dort ebenfalls noch einmal aufgefrischt, die Lippen nachgezogen, Lidschatten aufgelegt. Wir kamen schnell ins Gespräch, das war eine sehr nette Begegnung."

Haben Sie manchmal ein mulmiges Gefühl beim Fliegen?

Sandra Eckardt: "Manchmal schon. In Ecuador hat es mich doch sehr erstaunt, da wollten wir innerhalb des Landes fliegen. Wir haben unser Gepäck aufgegeben und kamen in einen Bereich, wo ein Schild stand 'Waffen bitte vorne beim Kapitän abgeben'. Da wusste ich nicht, bin ich jetzt beruhigt, weil die Waffen alle vorne beim Kapitän liegen, oder habe ich ein mulmiges Gefühl, weil überhaupt Waffen mitfliegen dürfen."

Sandra Eckardt: "Dieser Job hält sehr, sehr fit"

Wie sieht Ihr Alltag aus, wenn Sie nicht in der Welt unterwegs sind?

Sandra Eckardt: "Dann führe ich ein ganz normales Familienleben. Einkaufen, putzen und kochen gehören natürlich dazu. Ich koche sehr gerne und nehme mir aus den Ländern oft Rezepte mit, von dem, was ich dort probiert habe. Ich frage die Einheimischen, was in das Gericht hineingehört und was ich benötige. Dann gehe ich auf die Märkte und kaufe mir die Zutaten und Kräuter. Und diese Rezepte probiere ich dann zu Hause sehr gerne aus."

Wie halten Sie sich für den Job fit?

Sandra Eckardt: "Ich glaube, ich führe einen ziemlich fitten Lebensstil. Ich bin viel unterwegs, laufe viel, auch gerade auf den Flughäfen, da braucht man ja manchmal von einem Ende zum anderen 20 Minuten im Dauerlauf. Dieser Job hält sehr, sehr fit. Auch wenn ich unterwegs bin, Treppe rauf, Treppe runter, die Berge hoch, Leuten hinterherlaufen. Ich hab' wohl auch einfach Glück mit meiner Fitness. Für ein Fitnesscenter hätte ich auch gar keine Zeit."

Was vermissen Sie am meisten, wenn Sie auf Reisen sind?

​Sandra Eckardt: "Natürlich meine Familie. Ansonsten lasse ich mich einfach darauf ein. Ich bin ja auf meinen Reisen auf einer Mission. Na klar, es ist manchmal anstrengend, aber das gehört alles dazu. Und ich bin meist voll mit Eindrücken und habe eigentlich gar keine Zeit, etwas zu vermissen."