Verliererflieger gelandet: Entthronte Weltmeister wieder zurück

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28. Juni 2018 - 18:26 Uhr

Wundenlecken in der Heimat

Nach der Bruchlandung bei der WM 2018 in Russland ist der gedemütigte Titelverteidiger zumindest heile wieder zuhause gelandet. Rund 21 Stunden nach der peinlichen 0:2-Pleite im letzten Gruppenspiel gegen Südkorea, die das erste WM-Vorrundenaus in der Geschichte der deutschen Nationalmannschaft bedeutete, setzte das Flugzeug der einstigen "Mannschaft" am Flughafen Frankfurt auf.

Abflug mit Hindernissen

Damit endete 16 Tage nach dem Aufbruch zur historisch früh gescheiterten Titelmission offiziell die Russland-Reise der DFB-Elf. Das Team war noch in der Nacht nach der entscheidenden Pleite zurück ins WM-Quartier nach Watutinki bei Moskau gereist, wo es gegen halb eins ankam. Um kurz vor 10.00 Uhr MESZ ging es zum Flughafen Wnukowo, wo der Sonderflug LH 343 um mit mehr als  einstündiger Verspätung um 12.23 Uhr MESZ abhob.

Joachim Löw: "Wir werden klare Antworten geben"

Die Wartezeit hatten DFB-Präsident Reinhard Grindel, Bundestrainer Joachim Löw, Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff und Kapitän Manuel Neuer zu intensiven Gesprächen in den ersten Reihen des Flugzeugs genutzt.

"Jetzt brauchen wir Zeit und ein paar Gespräche, dann werden wir klare Antworten geben", sagte Löw nach der Landung. Eine Entscheidung über Löws Zukunft soll erst in den kommenden Tagen getroffen werden. Der Vertrag des 58-Jährigen läuft noch bis zur WM 2022 in Katar.

Abflug ohne Autogramme

In schwarzen Limousinen und Kleinbussen düsten die entzauberten Weltmeister schnell davon. Kein einziger Spieler ging zu den rund 300 Schaulustigen, die vor dem VIP-Bereich des Frankfurter Flughafens an Tor 13 vergeblich mit ihren Blöcken auf Autogramme warteten.

Nach einer kurzen Nacht in Watutinki wollten die müden Stars nach der größten WM-Blamage der deutschen Fußball-Geschichte einfach nur noch weg. Abgeschirmt von der Öffentlichkeit brachen die Nationalspieler am Donnerstag zu ihren weiteren Zielen auf. Ab nach Hause, ab in den Urlaub, ab zur persönlichen Frustbewältigung.

Noch nicht mal ein Winken sitzt drin

"Ich denke, dass jeder mit den Gedanken bei sich war und dass uns das auch noch eine Weile begleiteten wird", sagte Kapitän Manuel Neuer mit ernster Miene. "In erster Linie sind wir wütend auf uns selbst. Es tut uns unendlich leid. Nicht nur für die Fans, sondern auch für die Leute, die mit und für uns gearbeitet haben, für das Team hinter dem Team. Für alle, die mit uns gefiebert haben." 

Dass sich die gedankenversunken Noch-Weltmeister keine Zeit für die Schaulustigen nahmen, löste große Enttäuschung aus. "Schade, dass Spieler nicht mal gewunken haben", sagte eine Mutter. Die Protagonisten hatten viel zu viel mit sich selbst zu tun.  "Schock und Betroffenheit" seien auf dem Rückflug aus Moskau noch groß gewesen, sagte Teammanager Oliver Bierhoff.