Siegfried Brockmann beschreibt Unfallhergang

Unfall in Luttach (Südtirol): Verkehrsgutachter sieht Indizien für Vollbremsung

15. Januar 2020 - 10:13 Uhr

Im Video beschreibt der Gutachter den Hergang des Unfalls in Südtirol

Nach dem Raser-Unfall in Südtirol hat die Polizei Bilder des verunglückten Sportwagens veröffentlicht. Der Audi TT kam offenbar auf der Begrenzungsmauer zum Stehen. Zuvor war der Stefan L. in eine Menschengruppe gekracht. Der 27-Jährige hatte sich mit 1,9 Promille ans Steuer gesetzt und tötete bei dem Crash sieben Menschen. Im Video beschreibt ein Verkehrsgutachter, wieso die Gruppe trotz Vollbremsung keine Chance hatte.

Unfall in Südtirol: Stefan L. kam durch verlangsamte Reaktion zu spät zum Stehen

Die Bilder des Sportwagens lassen nur erahnen, mit was für einer zerstörerischen Kraft der Audi TT in die Menschengruppe raste. Die Deformation in der Mitte der Frontscheibe und am Scheibenrahmen zeigt, dass die Geschwindigkeit beim Aufprall auf die Menschen sehr hoch gewesen sein muss. Offenbar hat laut Gutachter noch eine Vollbremsung stattgefunden, die für die Fußgängergruppe jedoch zu spät kam. Die Beschädigung an der Dachkante zeigt eine Eindrückung, die wie ein menschlicher Körper aussieht. Der Gutachter ist sich sicher, dass einer der Menschen dort aufgeprallt ist und weitergeschleudert wurde. "Das ist die härteste Stelle am Auto. Wenn man dort aufprallt, sind die Überlebenschancen gleich null", erklärt Brockmann im RTL-Interview.

Aufprall auf Mauer bei geringer Geschwindigkeit

Beim Aufprall auf der Mauer muss das Tempo deutlich reduziert gewesen sein, weshalb der Fahrer auch nicht schwerverletzt war. "Man sieht an den Bildern, dass der Airbag an diesem Auto nicht aufgegangen ist, also entweder ist der kaputt, oder der letzte Anstoß auf dieses starre Hindernis war unterhalb von 30 Stundenkilometern", erklärt Brockmann im RTL-Interview. Der Motor ist laut Brockmann ein sehr stabiles Gebilde, sodass die Menschen nicht zu einer starken Deformation hätten führen können. ​

RTL NEWS empfiehlt

Anzeigen:

Todesraser betrank sich in Apres-Ski-Kneipe bis in die Nacht

Ein Kameramann filmt eine durch den Unfall beschädigte Mauer.
Hier krachte der Audi von Stefan L. in die Fußgängergruppe.
© dpa, Lino Mirgeler, lim gfh

Nicht nur die erhöhte Geschwindigkeit während der Fahrt, auch der Alkohol spielte wohl eine wesentliche Rolle. Denn laut Brockmann hat der Fahrer dadurch eine schlechte Hell-Dunkel-Adaption und somit auch eine schlechte Reaktion. Zudem enthemmt Alkohol. "Das heißt: Jemand, der normalerweise auch langsamer gefahren wäre, fährt deswegen schnell, weil er sich für unsterblich und unschlagbar hält", so der Gutachter.

Stefan L. betrank sich nach RTL-Informationen bis etwa 1:00 Uhr in einer Après-Ski-Kneipe im Nachbarort von Luttach. Dort erzählte er offenbar einem Kellner, danach noch weiter zum "Hexenkessel" zu wollen – ausgerechnet der Club, in dem auch die Todesopfer vor dem Unfall gefeiert hatten. Die Kneipe und der Club liegen circa sieben Kilometer auseinander. Eine kurze Strecke, die sich Stefan L. offenbar trotz seiner knapp zwei Promille zutraute. Offensichtlich hatte Stefan L. noch keine Ausfallerscheinungen, so dass er in dem Club noch weitertrinken wollte. Doch auf halbem Weg übersah er bei überhöhter Geschwindigkeit die deutsche Reisegruppe und tötete sieben Menschen.