Von Schneewehe auf Autobahn überrascht

Autofahrer stecken fest! Hilfe kommt erst nach Stunden

09. Februar 2021 - 9:47 Uhr

Extremwetter in Deutschland: Autofahrer sollten sich zur Sicherheit Proviant mitnehmen

Mehr als 30 Zentimeter Neuschnee und Windböen von bis zu 80 km/h: Der Wintersturm hat Teile Deutschlands mit voller Wucht getroffen. Enorme Schneeverwehungen und gefrierender Regen sorgen vielerorts für Chaos. Vor allem Autofahrer bekommen das extreme Wetter zu spüren. Im thüringischen Sömmerda mussten viele Fahrer bei Eiseskälte in ihren Wagen ausharren, Hilfe kam erst nach Stunden. Die Bilder zeigen wir im Video.

+++Alle aktuellen Entwicklungen rund um die Unwetterlage in Deutschland lesen Sie hier in unserem Liveticker auf RTL.de+++

Autofahrer zum Extrem-Wintersturm: "So etwas habe ich hier noch nicht erlebt"

Mehrere Autofahrer auf der Autobahn 71 bei Sömmerda wurden am Sonntagmorgen vom extremen Schneesturm kalt erwischt. Eine rund 300 Meter lange Schneewehe war über sie hinweggefegt, es ging weder vor noch zurück. Mehr als 15 Pkw und zwei Brummifahrer steckten fest. Viele von ihnen waren auf dem Weg zur Arbeit und wurden ungeduldig. "Es kommt kein Winterdienst, es kommt gar nichts", sagte eine betroffene Frau. "So etwas habe ich hier noch nicht erlebt, was hier an Schnee liegt", sagte ein anderer Fahrer.

Erst nach zwei Stunden kamen Polizei und Feuerwehr zur Hilfe und befreiten die steckengebliebenen Fahrzeuge aus dem Schnee. Sie seien zwar durch die Meldungen des Wetterdienstes auf den Sturm vorbereitet gewesen, "aber wie er wirklich zuschlägt, das sieht man erst in der Realität", sagte ein Feuerwehrmann am Morgen.

Autofahrern wird geraten, bei der extremen Wetterlage eine warme Decke und Proviant mit ins Auto zu nehmen, falls man irgendwo stecken bleibt und Hilfe nicht gleich zur Stelle ist. Denn viele Rettungs- und Abschleppdienste sind mit der aktuellen Lage offenbar überfordert. Am Samstag riet der Deutsche Wetterdienst, das Auto am besten liegen zu lassen und nicht aus dem Haus zu gehen.

Bundesliga-Spiel in NRW abgesagt: Platz in Bielefeld nicht bespielbar

In anderen Teilen Deutschlands sieht die Lage aktuell nicht besser aus. Der heftige Wintereinbruch brachte die Räumdienste unter anderem in Nordrhein-Westfalen an ihre Grenzen. Die Polizei musste spiegelglatte Autobahnen sperren, es gab Hunderte Unfälle, bei der Bahn fielen Züge wegen vereister Oberleitungen aus. Busse standen vielerorts still. Autos blieben in tiefen Schneewehen stecken.

Das für den Abend geplante Spiel der Fußball-Bundesliga zwischen Arminia Bielefeld und Werder Bremen wurde abgesagt. Der Platz sei nicht bespielbar, hieß es von der Deutschen Fußball Liga. Auch die Zweitliga-Partie Paderborn gegen Heidenheim wurde nicht gespielt.

In Wuppertal befreiten Einsatzkräfte sechs Menschen aus einer Schwebebahn. Die Bahn konnte nach Angaben der Feuerwehr durch das eisige Wetter nicht mehr fahren und blieb stehen. Die Fahrgäste wurden mit Drehleitern aus luftiger Höhe befreit und blieben unverletzt. Wegen der großen Schneemassen stürzte außerdem in Hagen ein Zirkuszelt ein. 13 Tiere wurden gerettet.

RTL NEWS empfiehlt

Anzeigen:

Deutscher Wetterdienst: Der Schneesturm ist noch nicht vorbei

Die Einschränkungen im Bahnverkehr waren teils massiv: Zwischen Hamburg und Nordrhein-Westfalen sowie zwischen Hamburg und Hannover etwa verkehrten keine Züge - zwischen Hamburg und Berlin komme es zu Einschränkungen, teilte die Deutsche Bahn auf ihrer Internetseite mit. Ebenfalls nicht vom Fernverkehr angefahren werde die Region Leipzig/Halle. Der Fernverkehr zwischen Deutschland und den Niederlanden wurde eingestellt. In weiten Teilen Mitteldeutschlands gab es auch Probleme im Regionalverkehr. In Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen kam er nahezu komplett zum Erliegen. Die meisten Menschen hätten sich aber an die Empfehlung des Deutschen Wetterdienstes (DWD) gehalten und seien zuhause geblieben, hieß es von der Bahn.

Der DWD in Offenbach betonte am Sonntagvormittag, der Schneesturm sei noch nicht vorbei. "Hotspots sind der Niederrhein, das Münsterland, Ostwestfalen, das nördliche Thüringen, das südöstliche Niedersachsen und das südliche Sachsen-Anhalt", sagte Meteorologe Simon Trippler. Mit fünf bis zehn Zentimetern Schnee, lokal auch bis zu 20 Zentimetern müsse im Laufe des Tages noch gerechnet werden. Der Wind halte auch weiterhin an mit Sturmböen von bis zu 70 Kilometern pro Stunde. "Das ist auf keinen Fall durchgestanden. Damit müssen wir bis heute Abend warten."

Wetter und Klima in der Mediathek

Mega-Hitze und große Trockenheit - und viele fragen sich: Wird Deutschland bald zum Wüstenstaat? Wie viele Dürre-Sommer hintereinander können wir eigentlich noch verkraften? Hier geht es zur DOKU - Wüstenstaat Deutschland?​