Nach Verkaufsverbot von Raketen und Böller

Feuerwerk-Hersteller in Existenznot

Verkauf von Feuerwerk
Verkauf von Feuerwerk
© dpa, Christophe Gateau, cgt sab bf exa

16. Dezember 2020 - 9:54 Uhr

Kein Feuerwerk zu Silvester - Verband: Insolvenz des gesamten Wirtschaftszweigs

Die Feuerwerk-Hersteller sehen angesichts des coronabedingten Verkaufsverbots von Raketen und Böllern zu Silvester die ganze Pyrobranche in Gefahr. Im Zweifel drohe die Insolvenz des gesamten Wirtschaftszweigs, erklärte Thomas Schreiber, Vorstandsvorsitzender des Verbandes der pyrotechnischen Industrie (VPI). Nach dem Verkaufsverbot für Silvesterböller fordert der Pyrotechnik-Hersteller Weco den Ausgleich der dadurch entstehenden Umsatzverluste.

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Feuerwerkhersteller fordern Ausgleich für Böller-Verkaufsverbot

Die Umsatzverluste "liegen im dreistelligen Millionenbereich", erklärte Weco am Montag in Eitorf im Rhein-Sieg-Kreis (Nordrhein-Westfalen). Nachdem in der vorigen Woche Feuerwerke zunächst nicht verboten worden seien, habe die Hauptauslieferung an die Kunden begonnen. Nun stehe der Einzelhandel vor dem Problem, was mit den Sendungen geschehen solle. Feuerwerk sei ein Kommissionsgeschäft. "Am Ende wird der wirtschaftliche Schaden vollumfänglich von der pyrotechnischen Industrie getragen werden müssen", erklärte das Unternehmen. Sofortige Hilfsgelder seien notwendig.

"Dem gesamten Wirtschaftszweig droht nun die Insolvenz", teilte auch Mitbewerber Comet mit Sitz in Bremerhaven mit. "Die Branche braucht sofortige Hilfsgelder in Höhe eines dreistelligen Millionenbetrags, um dies zu verhindern." Comet selbst mache fast 100 Prozent des Jahresumsatzes mit dem Silvestergeschäft. Allerdings habe das Unternehmen keinen Zugriff auf die staatlichen Überbrückungshilfen. Um seine 200 Arbeitsplätze sichern zu können, sei Comet jetzt auf Solidarität angewiesen.

Wegen ausgefallenen Veranstaltungen auch keine Bühnen- oder Großfeuerwerke

Auch der Verband der pyrotechnischen Industrie fordert einen vollen Ausgleich für die Umsatzverluste im dreistelligen Millionenbereich. Da die Branche 95 Prozent ihrer Jahreserlöse im Dezember erwirtschafte, befürchten Verbandsjuristen, dass Unternehmen bei den Überbrückungshilfen leer ausgehen. "Wir brauchen gesonderte Hilfsgelder, um die 3000 Einzelexistenzen in der Branche zu sichern", erklärte Verbands-Chef Schreiber.

Im vergangenen Jahr verzeichnete die Branche nach Verbandsangaben rund 130 Millionen Euro Umsatz. Ein Teil davon ist schon weggebrochen, weil es 2020 kaum Bühnen- oder Großfeuerwerke für Veranstaltungen gab.

Der Online-Handel mit Böllern und Raketen ist nach Branchenangaben noch nicht so ausgeprägt wie bei anderen Produkten. Bei größeren Mengen machen die Sicherheitsanforderungen den Versand teuer. Zudem ist eine pünktliche Lieferung nicht in jedem Fall sicher.

Noch bis zuletzt hatte die Pyrotechnik-Branche auf eine Ausnahme für den Fachhandel gehofft. "Verglichen mit anderen Branchen haben wir das Riesenproblem, dass wir erst in den letzten drei Tagen des Jahres unseren Jahresumsatz machen können", hatte Verbandsgeschäftsführer Klaus Gotzen erklärt. Aus Sicht des Verbands sollte eine Ausnahme für den Pyrotechnik-Fachhandel gemacht werden.

Bund und Länder hatten sich am Sonntag auf ein Verkaufsverbot für Pyrotechnik sowie ein Versammlungsverbot an Silvester und Neujahr verständigt. Auf belebten Plätzen, die von den Kommunen festgelegt werden, soll zudem ein Feuerwerksverbot gelten.

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